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Medienwatchdog
3.05.2012
Der Wachhund der Watchdogs
Diese Zeilen sind für mich eine Premiere – sie sind mein erster Blogeintrag überhaupt. Ich freue mich, hier ungefähr einmal im Monat über Themen zu Pressefreiheit und Medienethik zu schreiben. Für den Start des Blogs könnte es keinen besseren Termin geben als den  Internationalen Tag der Pressefreiheit. Die Abwehr von (politischen) Eingriffen in die Pressefreiheit ist für eine Demokratie sehr wichtig. Journalisten und die Öffentlichkeit müssen entsprechend wachsam sein. Auch in Österreich ist manchmal Wachsamkeit gefragt, wie der jüngste Versuch des Justizministeriums zeigt, die journalistischen Verschwiegenheitsregeln zu lockern. Pressefreiheit bedeutet aber auch Verantwortung. An dieser Stelle ein Zitat von Gottfried von Herder: “Pflichten und Rechte gehören zusammen wie oben und unten, wie die rechte und die linke Seite. Was hier konkav ist, ist dort konvex uns bleibt dieselbe [...]
Alev Koruns Blog
25.04.2012
Der Hintergrund im Vordergrund
In den 1960er Jahren nannte man uns „Ausländer“. Heute werden wir „Menschen mit Migrationshintergrund“ genannt. Wer das wörtlich nimmt und glaubt, die Herkunft sei inzwischen in den Hintergrund geraten, irrt. Denn seltsamerweise ist das ein Hintergrund, der sich ständig in den Vordergrund drängt. Und damit die alte Trennung „Inländer-Ausländer“ mit neuen Wörtern fortführt. Irgendeine Markierung braucht man doch schließlich, wie soll man sonst wissen, wer die „echten“ und wer die „unechten“ sind! Meine in Wien geborene Tochter zum Beispiel, die noch nie woanders gelebt hat, wird in der Wiener Statistik als Migrationshintergrundlerin geführt. Weil ihre Mutter woanders geboren wurde. Man kann sie zwar nicht Migrantin nennen, weil sie nie eingewandert ist, aber einen solchen Hintergrund, den hat sie offiziell trotzdem. Vor zwei Monaten haben der Arbeitsminister und der Integrationsstaatssekretär feierlich verkündet, dass [...]
Umar Tall Blog
31.03.2012
Deutschsprachige ChristInnen predigen nicht auf Arabisch
1) In vielen Ländern der Erde wird auf Deutsch gepredigt und nicht in der jeweiligen Landessprache. Die deutsche evangelische Gemeinde in den arabischen Golfstaaten predigt nicht in arabischer sondern in deutscher Sprache. Auch in der Türkei, Ägypten, Iran, England et cetera, gibt es deutschsprachige christliche Gemeinden, die den Gottesdienst nicht in der jeweiligen Landessprache, jedoch in Deutsch abhalten. 2) Keiner hat bis jetzt von der serbisch-orthodoxen Kirche in Österreich, der syroaramäischen Gemeinde oder den ägyptischen Kopten verlangt, dass sie in deutscher Sprache predigen sollen, warum eigentlich? 3) Eigentlich ist es dem Staatssekretär Kurz oder anderen Politikern egal, ob in Moscheen Deutsch gepredigt wird. Seine Zielgruppe sind die mehrheitlich nichtmuslimischen WählerInnen und nicht die Muslime in den Moscheen. Sie sind nur das Objekt zur Veranschaulichung für eine den WählerInnen [...]
Melih Gördeslis Blog
23.03.2012
Rassismus unter den Teppich gekehrt?
Angespuckte Musliminnen mit Kopftuch, die „aufgehängt“ oder „verbrannt“ werden sollen. Schwarze Menschen, die beschimpft oder ohne triftigen Grund von der Polizei einer „Routinekontrolle“ unterzogen werden und im Gefängnis landen – „Because you are a drug dealer“. „Ausländer”, die „uns Österreicher aggressiv“ machen. Moslems, die sich endlich aus dem Land verpissen sollen. „Scheiß Kanaken“, die „ausgerottet” gehören. „Scheiß Juden“, „Scheiß Araber“, „Scheiß Moslems“. Am 21.März 2012 hat ZARA (Zivilcourage-Antirassismus-Arbeit) zum Internationalen Tag gegen Rassismus ihren Report für das Jahr 2011 veröffentlicht, welcher die oben erwähnten Inhalte in seinen Fällen dokumentiert. Insgesamt wurden 706 Fälle erfasst – 39 weniger als im Vorjahr 2010. Das lässt sich dadurch erklären, dass die Vorfälle mit rassistischen Beschmierungen gesunken sind – von 18% auf 8%. Dafür gibt es einen deutlichen Anstieg von 10% im Internetbereich. [...]
Melih Gördeslis Blog
19.03.2012
Von den Türken niedergemetzelt!
Geschichte gehörte einmal zu meinen Lieblingsfächern in der Schule. Jedes Mal, kurz vor dem Unterrichtsbeginn, stellte ich schon die richtige Körperposition her – mit beiden Armen am Tisch angelehnt, auf die ich sofort meinen Kopf platzierte – und hörte mit großer Aufmerksamkeit der Lehrerin und dem Lehrer zu. Ihr Erzählungsstil versetzten mich in eine andere Welt. Als wir das Kapitel „Türkenbelagerungen“ erreichten, zerplatzte das Luftbläschen, das mich durch die Geschichte transportierte. Die entspannte Körperhaltung änderte sich rasch, das Blut kochte, Schweißtropfen bildeten sich auf der Stirn. Das war nur ein Bruchteil der Symptome, ausgelöst durch die verbalen, „belustigenden“ Attacken von Mitschüler- und LehrerInnen – und das nicht nur im Geschichtsunterricht! Ein „must-do“-Erfahrung, die jeder Schüler und jede Schülerin mit türkischen Wurzeln durchmachen muss. Gehirnwäscherei vom Feinsten Seit der letzten [...]
Amin Elfeshawis Blog
14.03.2012
Österreichs erster jüdischer Präsident – eine Utopie
Hans Kelsen, Paul Lazarsfeld, Siegmund Freud, Victor Adler – Namen von großen  österreichischen Persönlichkeiten, die zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert große Verdienste in der Wissenschaft als auch Politik erworben haben. Einen der Grundpfeiler der österreichischen Bundesverfassung setzte niemand anderer als Hans Kelsen, der einen wesentlichen Beitrag zu den österreichischen Bundes-Verfassungsgesetzen geleistet hat. Paul Lazarsfeld, ein Soziologe, der soziographische Methoden in einer Art und Weise modifiziert hat, wie sie der modernen Soziologie noch heute bekannt sind, muss auch erwähnt werden. Die Psychoanalyse verdankt ihre Bedeutung den geistigen Leistungen des weltweit bekannten Sigmund Freuds. Eine österreichische Sozialdemokratie mit ihren sozialpolitischen  Errungenschaften wäre in dieser Form nicht existent, wären die damaligen sozialdemokratischen Strömungen nicht von einem Victor Adler vereint worden. Was haben diese vier angeführten Herrschaften gemein? Nicht nur, dass sie alle in [...]
simon INOUs Blog
9.03.2012
Vor 5 Jahren: Warum der MiA-Award für uns MigrantInnen wichtig ist
Wien, 9.3.2008 – Warum ist für manche NGOs die Anerkennung der Arbeit von Migrantinnen plötzlich ein Anlass, alles zu kritisieren? – Eine Entgegnung von Simon Inou* Die repressive Gesetzgebung gegenüber MigrantInnen aufs Schärfste zu kritisieren ist eines. Die VeranstalterInnen des MIA-Awards für Migrantinnen – u.a. DER STANDARD, Akakiko, die Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer Österreich – mit der fremdenfeindlichen Politik des Bundesregierung in einen Topf zu werfen, ist ein grober Fehler der NGOs, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Warum M-MEDIA den MIA Award als wichtiges Signal sieht. Die Arbeit von Migrantinnen anerkennen und adäquat wertschätzen – das war das Ziel des ersten Migrantinnen-Awards 2008. Der Award wurde von Christine Marek, Staatsekretärin für Wirtschaft und Arbeit, ins Leben gerufen. Letzten Freitag wurden daher Frauen mit Migrationshintergrund, die in Österreich etwas [...]
Melih Gördeslis Blog
5.03.2012
Wie wir aus Integration Tsatsiki machen
Wenn es um kalte, südländische Vorspeisen anbelangt, wird uns wahrscheinlich der bekannte Tsatsiki als erstes in den Sinn kommen. Sie wissen ja, das mit dem Joghurt und den Gurken, was von Balkan bis nach Indien verbreitet ist. Wie auch immer, bei uns zu Hause heißt er „cacık“, der früher in meiner Kindheit zu jedem fleischlastigen Mahl als Beilage diente. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich ihn öfters aus dem Glas trank – aus Protest gegen meinen Vater, weil er ihn immer stark verdünnt von meiner Mutter orderte. Es war nämlich sehr mühsam die flüssige Konsistenz auszulöffeln – bei der Suppe ging es ja noch. Jedenfalls fand meine Mutter meine Reaktion etwas übertrieben und warnte mich jedesmal mit dem dazu passenden türkischen Spruch, ich soll [...]
Melih Gördeslis Blog
22.02.2012
Endstation Dönerstand
Es war wieder eines der Wochenenden, wo mein alter Studienkollege und ich bei unserem Stammdönerstand landeten. Nur nach zehn vergeblichen Versuchen in eine Location einzutreten, hatten wir es aufgegeben – früher schafften wir viel höhere Quoten. Diesmal war es bei ihm die „unpassenden“ Schuhe und bei mir der „böse“ Blick oder auch umgekehrt, die den Türstehern nicht gefiel. Na Gott sei Dank! Die Nerven für die Standardausrede „Nur Stammgäste heute!“ hätte ich nämlich nicht gehabt. Wir zogen uns zum Dönerstand zurück und verzehrten die Dürüms, die uns einen roten, aggressiven Gesichtsausdruck bescherten. Nein, es lag nicht an der Schärfe, sondern es war die Wut wieder einmal abgelehnt zu werden. Wie immer blieben wir einige Stunden beieinander, weil ein frühzeitiges Nachhause gehen nur ein Misstrauen in der Familie erweckt [...]
Melih Gördeslis Blog
18.02.2012
Heutzutage ist jeder Integrationsexperte
Noch nie zuvor war „Integration“ so populär wie heute, obwohl es in Österreich Zuwanderung schon immer gegeben hat und somit für uns nichts Neues sein sollte. Über sie wird täglich in den Nachrichten berichtet, in den Zeitungen Buchstabe für Buchstabe gelesen und in den Internetforen aktiv gepostet. Sogar ältere, jüngere, zerstrittene Paare und Singles redeten über sie, wodurch sie näher zusammen kommen konnten. Auch Kinder, die diese Thematik passiv konsumierten, sprachen „Integration“ als ihr erstes Wort aus anstatt „Papa“ und „Mama“. Sie hat einfach alle Bereiche quer durch erobert, von Kindergarten bis zu Schulen, wo man nicht nur Kindern das Buchstabieren von „Integration“ oder das „Integrieren“ in Mathematik beibrachte, sondern auch seine unklare Bedeutung im Zusammenhang mit Zuwanderung. Dadurch kommunizierten die in den Parks spielende Kinder und Jugendliche [...]
Melih Gördeslis Blog
14.02.2012
Kopftuch versus Nudelsieb
Keine andere „religiöse“ Kopfbedeckung wie das Kopftuch löst in der Gesellschaft so schnell Emotionen aus, wenn es über Frauenunterdrückung oder Integration debattiert wird. Es sei ein „politisches Zeichen“, „fundamentalistisch“ und „frauenfeindlich“, heißt es oft. Dabei vergessen viele, dass das Tragen von Kopftüchern nicht unbedingt auf religiöse Motive zurückzuführen ist. Auch traditionelle oder kulturelle Gründe können Menschen dazu bewirken sich mit einem Stück Tuch identifizieren zu wollen, was nicht unbedingt nur bei muslimischen Frauen vorkommen muss. Wie zum Beispiel der „Turban“ aus dem arabischen Raum, der „Dastar“ aus Indien oder die jüdische „Kippa“, die alle von Männern getragen werden. Dann gibt es die indische Frauenkopfbedeckung „Chunni“ oder „Dupatta“ genannt usw. Trotzdem konzentriert man sich hauptsächlich auf das Kopftuch der Musliminnen – dabei gibt es unzählige Bindemethoden. Entweder handelt es [...]
Melih Gördeslis Blog
11.02.2012
Apfelstrudel mit einer Prise Türkophobie
Es ist frühmorgens. Der richtige Zeitpunkt für “ane Melange und an schnitt‘n Apfelstrudl”, die Frau Vilimsky, eine Pensionistin aus Wien, täglich bei ihrer Lieblingskonditorei bestellt und dann wie gewöhnlich mit müden Blicken im Schritttempo sich zu ihrem Stammplatz zurückzieht. Mit voller Genuss schneidet sie mit der Gabelkante Stück für Stück die knusprige Mehlspeise, die sie mit zitternden Handbewegungen in den Mund führt. Zwischendurch, während sie noch langsam am Kauen ist, schlürft sie an ihrer Melange und lehnt sich für einen kurzen Moment mit geschlossenen Augen zurück. Es ist fast wie eine Extase, sie jeden Tag dabei zu beobachten, wie ihre offensichtlich noch gutfunktionierenden Geschmacksrezeptoren auf den warmen mit apfelstückengefüllten, zimtduftenden Blätterteig nach Außen reagieren. Und wie das kleine Schlückchen von der Melange für eine kurze Zeit das Zittern [...]
simon INOUs Blog
2.02.2012
Es gibt viele Samuel Kochs
Nach dem Unfall in der Sendung „Wetten, dass..?“: Es gilt, auf die Millionen Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen. Sie war riskant, die Wette, mit Federbeinen über fünf fahrende Autos zu springen. Zu riskant. „Wetten, dass..?“-Kandidat Samuel Koch verlor. Nicht nur die Wette, er verlor sein Gehvermögen – vielleicht für immer. Während Familie und Freunde um Leben und Gesundheit des jungen Mannes fürchteten, bangte eine breite Öffentlichkeit mit ihnen. Denn durch nationale und internationale Medien waren und sind wir alle gut darüber informiert, ob Samuel Koch noch im Koma lag, ob er schon wach war, ob er den Unfall unbeschadet überlebt hat oder doch für immer gelähmt sein wird. Unfälle jenseits des Rummels Nach dem Unfall, der live in einer der meistgesehenen Shows der Fernsehgeschichte im deutschsprachigen Raum [...]

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    Angespuckte Musliminnen mit Kopftuch, die „aufgehängt“ oder „verbrannt“ werden sollen. Schwarze Menschen, die beschimpft oder ohne triftigen Grund [...]
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