22.02.2012
Endstation Dönerstand
Es war wieder einer der Wochenenden, wo mein alter Studienkollege und ich bei unserem Stammdönerstand landeten. Nur nach zehn vergeblichen Versuchen in eine Location einzutreten, hatten wir es aufgegeben – dabei schafften wir früher viel höhere Quoten. Diesmal war es bei ihm die „unpassenden“ Schuhe und bei mir der „böse“ Blick oder auch umgekehrt, die den Türstehern nicht gefiel. Na Gott sei Dank! Die Nerven für die Standardausrede „Nur Stammgäste heute!“ hätte ich nämlich nicht gehabt. Wir zogen uns zum Dönerstand zurück und verzehrten die Dürüms, die uns einen roten, aggressiven Gesichtsausdruck bescherte. Nein, es lag nicht an der Schärfe, sondern es war die Wut wieder einmal abgelehnt zu werden. Wie immer blieben wir einige Stunden beieinander, weil ein frühzeitiges Nachhause gehen nur ein Misstrauen in der Familie [...]
18.02.2012
Heutzutage ist jeder Integrationsexperte
Noch nie zuvor war „Integration“ so populär wie heute, obwohl es in Österreich Zuwanderung schon immer gegeben hat und somit für uns nichts Neues sein sollte. Über sie wird täglich in den Nachrichten berichtet, in den Zeitungen Buchstabe für Buchstabe gelesen und in den Internetforen aktiv gepostet. Sogar ältere, jüngere, zerstrittene Paare und Singles redeten über sie, wodurch sie näher zusammen kommen konnten. Auch Kinder, die diese Thematik passiv konsumierten, sprachen „Integration“ als ihr erstes Wort aus anstatt „Papa“ und „Mama“. Sie hat einfach alle Bereiche quer durch erobert, von Kindergarten bis zu Schulen, wo man nicht nur Kindern das Buchstabieren von „Integration“ oder das „Integrieren“ in Mathematik beibrachte, sondern auch seine unklare Bedeutung im Zusammenhang mit Zuwanderung. Dadurch kommunizierten die in den Parks spielende Kinder und Jugendliche [...]
14.02.2012
Kopftuch versus Nudelsieb
Keine andere „religiöse“ Kopfbedeckung wie das Kopftuch löst in der Gesellschaft so schnell Emotionen aus, wenn es über Frauenunterdrückung oder Integration debattiert wird. Es sei ein „politisches Zeichen“, „fundamentalistisch“ und „frauenfeindlich“, heißt es oft. Dabei vergessen viele, dass das Tragen von Kopftüchern nicht unbedingt auf religiöse Motive zurückzuführen ist. Auch traditionelle oder kulturelle Gründe können Menschen dazu bewirken sich mit einem Stück Tuch identifizieren zu wollen, was nicht unbedingt nur bei muslimischen Frauen vorkommen muss. Wie zum Beispiel der „Turban“ aus dem arabischen Raum, der „Dastar“ aus Indien oder die jüdische „Kippa“, die alle von Männern getragen werden. Dann gibt es die indische Frauenkopfbedeckung „Chunni“ oder „Dupatta“ genannt usw. Trotzdem konzentriert man sich hauptsächlich auf das Kopftuch der Musliminnen – dabei gibt es unzählige Bindemethoden. Entweder handelt es [...]
11.02.2012
Apfelstrudel mit einer Prise Türkophobie
Es ist frühmorgens. Der richtige Zeitpunkt für “ane Melange und an schnitt‘n Apfelstrudl”, die Frau Vilimsky, eine Pensionistin aus Wien, täglich bei ihrer Lieblingskonditorei bestellt und dann wie gewöhnlich mit müden Blicken im Schritttempo sich zu ihrem Stammplatz zurückzieht. Mit voller Genuss schneidet sie mit der Gabelkante Stück für Stück die knusprige Mehlspeise, die sie mit zitternden Handbewegungen in den Mund führt. Zwischendurch, während sie noch langsam am Kauen ist, schlürft sie an ihrer Melange und lehnt sich für einen kurzen Moment mit geschlossenen Augen zurück. Es ist fast wie eine Extase, sie jeden Tag dabei zu beobachten, wie ihre offensichtlich noch gutfunktionierenden Geschmacksrezeptoren auf den warmen mit apfelstückengefüllten, zimtduftenden Blätterteig nach Außen reagieren. Und wie das kleine Schlückchen von der Melange für eine kurze Zeit das Zittern [...]
2.02.2012
Es gibt viele Samuel Kochs
Nach dem Unfall in der Sendung „Wetten, dass..?“: Es gilt, auf die Millionen Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen. Sie war riskant, die Wette, mit Federbeinen über fünf fahrende Autos zu springen. Zu riskant. „Wetten, dass..?“-Kandidat Samuel Koch verlor. Nicht nur die Wette, er verlor sein Gehvermögen – vielleicht für immer. Während Familie und Freunde um Leben und Gesundheit des jungen Mannes fürchteten, bangte eine breite Öffentlichkeit mit ihnen. Denn durch nationale und internationale Medien waren und sind wir alle gut darüber informiert, ob Samuel Koch noch im Koma lag, ob er schon wach war, ob er den Unfall unbeschadet überlebt hat oder doch für immer gelähmt sein wird. Unfälle jenseits des Rummels Nach dem Unfall, der live in einer der meistgesehenen Shows der Fernsehgeschichte im deutschsprachigen Raum [...]
30.01.2012
Integration und Anerkennung
Taxifahren als JuristIn, Putzen als PsychologIn, Kochen und Kellnern als ChirurgIn,… letztendlich Betteln um die Anerkennung des Studienabschlusses. Nicht nur, dass die Qualifikationen vieler MigrantInnen erschwert oder gar nicht anerkannt werden, zudem werden sie vom Arbeitsmarkt meist in unterbezahlten Jobs zugedonnert, die nicht ihrer Qualifikationen entsprechen. Sie kutschieren, bauen, putzen, kochen, servieren, pflegen, arbeiten mit Diplomklasse und sichern unseren Lebensunterhalt. Trotz diesen Umständen bleiben sie dabei, um ihre Existenz zu kämpfen, um Leistung zu erbringen und um Anerkennung, damit Integration funktionieren kann. Ob dieses Opfer seitens der ansässigen Österreicher vollbracht wird, ist nicht gewiss. Tatsache ist, dass Integration weder als eine Einbahnstraße noch als eine Sackgasse funktionieren kann. Sie muss aufklären und Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund fördern, die für das Zusammenleben etwas beitragen. Auch der Wert jener [...]
24.01.2012
4 Vorschläge an die Rot-Grüne Wiener Regierung
Am 25. November 2010 wurde in Wien die erste Rot-Grüne Regierung eines österreichischen Bundeslandes angelobt. In dem rot-grünen Regierungsabkommen “Gemeinsame Wege für Wien” wird auf Seite 38 auf das Thema Diversität und Integration eingegangen. Ein wichtiger Bestandteil dieses Kapitels ist die Formulierung einer “Wiener Charta des Zusammenlebens”. Diese Charta, die es zum Beispiel in Bologna (Italien) schon gibt, soll Spielregeln für ein gutes Zusammenleben zwischen ansässigen Wienern und neu Zugewanderten festlegen. Diese Charta existiert noch nicht und wird demnächst ausgearbeitet. Hier meine Vorschläge an Rot/Grün, damit das Zusammenleben in Wien funktioniert: 1- Bekämpfung von Rassismen und Fremdenfeindlichkeit als oberste Priorität: In Wien des 21. Jahrhunderts gibt es noch Orte zu denen man, aufgrund der Hautfarbe, des Aussehens, keinen Zugang bekommt. Orte, an denen bestimmte Menschen nicht essen, nicht tanzen, nicht [...]
13.01.2012
“Döner-Mord” in “Österreich”
Die „Döner-Morde“ gibt es schon. Seitdem bekannt wurde, dass nicht die „Ausländerkriminalität“, sondern Neonazis die Ursache dieser Mordserie waren, kam der Begriff „Döner-Morde“ in die Kritik. Schließlich wolle man bei ermordeten Deutschen nicht von „Kartoffel-Morden“ sprechen oder bei amerikanischen Opfern von „Hotdog-Morden“. Die Mordserie dieser Neonazis wurde auch derzeit nicht als “Deutschland-Mord” oder “Europa-Mord” bezeichnet. Und wenn nun umgekehrt, der Täter ein US-Amerikaner wäre oder ein Israeli oder Japaner, wären dann die Begriffe „Israel-Mord“, „Amerika-Mord“ oder „Japan-Mord“ für diese Taten zu erwarten? Das wäre eine Respektlosigkeit und Verunglimpfung einer ganzen Nation und ihrer Bürgerinnen und Bürger, die wohl nicht einfach so hingenommen werden würde. Wenn aber eine mögliche Täterin aus einem der afrikanischen Staaten käme, wäre dann der Begriff „Afrika-Mord“ akzeptabel? Die Verantwortlichen der Zeitung „Österreich“ meinen ja. [...]
6.01.2012
Sternsinger: Schwarzes Gesicht und weisse Hände
Jedes Jahr wird in der römisch-katholischen Kirche die Tradition der drei heiligen Könige gefeiert. Immer wieder sehen wir weisse Kinder mit Schwarz bemalten Gesichtern die Rolle der Schwarzen Kinder spielen. Als ob es in der römisch katholischen Kirche in Österreich kein schwarzes Kind gäbe. Alljährlich gehen am 6. Jänner, dem Tag der Heiligen Drei Könige, tausende Kinder in Österreich als Caspar, Melchior und Balthasar von Tür zu Tür, verkünden die Geburt Christi, wünschen Glück und Segen für das neue Jahr und sammeln Spenden für bedürftige Menschen, auch für den Süden dieser Erde. Dieser Tag könnte ein Zeichen für Respekt, Akzeptanz, und Inklusion werden. Die kleinen Könige – verkleidet, wie wir uns heute die drei Heiligen vorstellen – wünschen nicht nur Frieden, sondern singen auch als Botschafter der Nächstenliebe für [...]
3.01.2012
Muslime können laufen
„Was hastn du gmocht um des zu kriegn?“ Gelassen und zugleich stolz kommt die Antwort: „Beim Silvesterlauf habe ich mitgemacht“. Dieser Satz stammt nicht von irgendwem. Nein, er kommt von jemand, von dem man es kaum erwarten würde. Nachdem der Mann sich nach der Laufzeit erkundigt und sie ihm diese kundtut, meint er: „Naja. Müsstest scho ne bessere Laufzeit haben, um an Pokal zu kriegen!“ Ich stehe daneben und frage mich: Erstens woher holt er sich das Recht mit ihr so zu reden? Zweitens warum duzt er sie einfach so? Drittens wer ist er, dass sie sich rechtfertigen muss? Angreifer und Verteidiger – das waren die zwei Positionen, die sich gegenüber standen. Das Mädchen trägt Kopftuch. Ihre Freundin ruft: „Gratuliere!“ Doch der Mann will dies anscheinend nicht akzeptieren [...]
2.01.2012
Der ORF braucht einen Integrationsbeauftragten statt einen Parteisoldaten
In der OTS Aussendung zur personellen Neuerungen im ORF schreibt die Marketing und Kommunikationsabteilung am 23.12.2011: ” Neuer Büroleiter wird der bisherige Stiftungsrat Nikolaus Pelinka (bisher im ORF-Stiftungsrat und bei den ÖBB).” Allerdings wird die wichtigste Tatsache vergessen. Auf der Unternehmensseite des ORF steht, dass Nikolaus Pelinka, auf Vorschlag der SPÖ zum ORF Stiftungsrat nominiert worden ist. Dass die politische Funktion von Nikolaus Pelinka in der Presseaussendung des ORF “verschwindet” gehört zur misslungenen politischen Strategie der PR und Kommunikationsabteilung. In einem offenen Brief drücken mehr als 50 “ZiB-Redakteure, ihre Empörung über diese Nominierung aus, die sie als “unakzeptabel” einstufen. Sie sind es immerhin, die täglich “darum bemüht sind, unabhängig zu arbeiten und sich allen politischen Einflussnahmen zu widersetzen” lautet es weiter. Diese Protestaktion gegen die politische Vereinnahmung des [...]
30.12.2011
Über die neue Modezeitschrift für Muslimas “HABIBE”…
Die Welt der Modezeitschriften wurde um eine weitere bereichert. HABIBE – so heißt das neue Magazin, das von einer neuen Form des Selbstbewusstseins österreichischer Muslimas zeugt. Wie jedoch so oft, teilen nicht alle Mainstream-Österreicher die Freude, dass Muslimas allen Vorurteilen entgegen sich als eigenständige Menschen in der Öffentlichkeit beweisen. Viel mehr werden Muslimas für Diskussionen instrumentalisiert, die die Rollen in der Gesellschaft verdeutlichen sollen, nämlich die der Nicht-Muslime und wie diese im Vergleich zu der der Muslime steht. In dieser Veranschaulichung ergibt sich ein unverhältnismäßiger Maßstab zwischen den beiden oben genannten Rollen. Auf Facebook führte das Bekanntwerden der Entstehung des Modemagazins zu Reaktionen, die gleich auf die Religion der Muslime abzielte. Eine Kommentatorin wollte in ihrer aufklärerischen Missionierung auf die Muslime einwirken und sie von ihren [...]
21.12.2011
Niederländisches Magazin nennt Rihanna eine „N*-Bitch“
Wie das Palour-Magazine berichtet ist die RnB-Sängerin Rihanna in dem niederländischen Fashionmagazin „Jackie“ rassistisch beleidigt worden. Eine Autorin bezeichnet die aus Barbados stammende Sängerin darin als eine „N*bitch“. Nachdem sich aufgebrachte Leser an das Magazin wendeten, reagierte die Chefredakteurin Eva Hoeke mit einer Stellungnahme. Die Wortwahl sei zwar ein Fehler, aber es sei nicht die Intention der Autorin gewesen Rihanna damit zu beleidigen. Man höre das N-Wort immer wieder in den Medien. Das habe dazu geführt, dass die Autorin wohl den Blick dafür verloren habe, dass dieser Begriff nicht in Ordnung ist. Hoeke selbst habe den Artikel vor der Veröffentlichung gar nicht bemerkt. Es sei jedenfalls ein Scherz gewesen. Ein Scherz, der nun jedenfalls Konsequenzen mit sich bringt. Eva Hoeke musste als Chefredakteurin zurücktreten. Was allerdings mit der [...]