Berufswahl von Mädchen: Verein Sprungbrett bricht mit Klischees

Sprungbrett Mädchen - ©sprungbrett.at

09.03.2011 | 9:37 | Ana Znidar

Verein Sprungbrett hilft Mädchen bei der Arbeitsplatzsuche – besonders oft Migrantinnen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mädchen auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft den Rücken zu stärken.

Wien. „Als Frau musst du dich gar nicht erst bewerben.“ Sprüche wie diese bekommen Mädchen gar nicht so selten zu hören, wenn sie mit der Idee spielen, Tischlerin, Spenglerin, Kfz-Mechanikerin oder EDV-Technikerin zu werden. Das muss nicht sein – mit der richtigen Ausbildung und etwas Unterstützung bei der Lehr- oder Arbeitsplatzsuche öffnen sich Türen.

Hilfe gibt es etwa beim Verein Sprungbrett. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mädchen auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft den Rücken zu stärken. Die kostenlosen Angebote des Vereins sind eigentlich für alle Mädchen da – aber 80 Prozent haben Migrationshintergrund. Gerade sie kämpfen beim Einstieg ins Erwerbsleben mit doppelten Hürden. Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist die Geschlechtszugehörigkeit, dicht gefolgt vom Migrationshintergrund, ganz oben auf der Liste der Benachteiligungsfaktoren.

Dazu kommt, dass junge Migrantinnen seltener als Einheimische auf das soziale Umfeld als Unterstützung bei der Ausbildungs- oder Arbeitsplatzsuche zugreifen können. Ihr Umfeld ist oft auch nicht in der Lage, die Mädchen bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben zu unterstützen und gegen negative Entwicklungen wie schlechte Noten und Schulabbruch zu arbeiten.

„Gibt es Probleme in der Schule, hat das oft soziale Gründe“, sagt Susanne Gugrel vom Sprungbrett. „Nicht selten sind Gewalt, Sexualität und die Förderung des Selbstbewusstseins Thema der Beratungen.“ Der Schwerpunkt liegt zwar auf Ausbildung und Berufswahl, aber es wird auch eine ganzheitliche Beratung angeboten.

Neue Möglichkeiten

„Gerade Mädchen mit Migrationshintergrund haben tendenziell weniger Scheu vor technischen Berufen – wenn die Ausbildung passt“, sagt Gugrel. In Jobwerkstätten können sie in einem geschützten Rahmen herausfinden, was ihnen Spaß macht: bohren, Modelle entwerfen, bauen, verkabeln und mehr. Sprungbrett sorgt auch bei der Gegenseite für Mitarbeit: Ein Betriebsconsulting entkräftet Vorurteile bei den Betrieben gegenüber einer Einstellung von Mädchen und schafft so neue Möglichkeiten für deren Zukunft.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

http://www.sprungbrett.or.at

(ANA ZNIDAR, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 09.03.2011)


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