„Göttliche Gnade“ im Friseursalon: Haarkunst aus Afrika

KURZ
  • Grace Exotic Shop
  • Johnstrasse 35
  • A-1160 Wien
  • Tel: 43 1 99 02 495

24.08.2011 | 10:13 | Clara Akinyosoye

Cecile Gnaore kann sich vor Kundinnen kaum retten. Das war nicht immer so. Die Haarverlängerungen auf „Afrikanisch“ sind kostengünstiger als bei österreichischen Friseuren.

Wien. Der Friseursalon „Grace Shop“ liegt inmitten des 15. Bezirks in Wien, jenem Bezirk, der den höchsten Migrantenanteil aufweist. Bunt durchmischt ist auch die Kundschaft in dem Salon für afrikanische Frisuren, der von Cecile Gnaore betrieben wird. Ein großer Teil der Kundinnen aber hat gar keine afrikanischen Wurzeln. Es handelt sich um Österreicherinnen oder Migrantinnen, mehrheitlich aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Die von der Elfenbeinküste stammende 39-Jährige hat viele Kunden, die in den Friseursalon kommen, um sich die Haare zu Zöpfen flechten oder sie verlängern zu lassen. Für Letzteres kommen vor allem viele junge Frauen aus Österreich: Die Haarverlängerungen auf „Afrikanisch“ sind kostengünstiger als bei österreichischen Friseuren. Allein deshalb können sich Gnaore und ihre zwei Mitarbeiter vor Kundinnen fast nicht mehr retten.

Das war nicht immer so. Als sie im April 2008 das Geschäft eröffnete, war sie an vielen Tagen oftmals die Einzige, die den Laden betrat: „In manchen Wochen hatte ich nur ein oder zwei Kunden.“ Der Wunsch, einen Friseurladen zu eröffnen, kam aber nicht von ungefähr: Gnaore hatte bereits in ihrer ehemaligen Heimat einen eigenen Friseurladen. Diesen gab sie allerdings auf und folgte ihrem Mann 2002 nach Österreich. Nach einem Deutschkurs suchte sie Arbeit und fand sie – in einem afrikanischen Friseursalon. Doch der Traum, auch in Wien Hausherrin zu sein, ließ sie nicht los.

Beste Werbung: Mundpropaganda

„Ich habe viel nachgedacht“, sagt Gnaore. Darüber, ob sie den Schritt in die Selbstständigkeit tatsächlich wagen sollte. Dann suchte sie fast fünf Monate nach geeigneten Räumen und wurde schließlich im 15.Bezirk fündig.

Doch die Kundschaft ließ erst mal auf sich warten. Also schaltete Gnaore massenhaft Werbung im Internet und in Bezirksblättern – doch am besten funktionierte die Mundpropaganda, denn viele Kunden kamen auf Empfehlung derer, die sich mit der Zeit doch in den neuen Friseurladen verirrten.

Der Name des Geschäfts – Grace Shop – lässt auf die christlichen Wurzeln von Gnaore schließen. Denn „grâce“ heißt im Französischen „Gnade“ und soll ein Hinweis auf die göttliche Gnade sein.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 24.08.2011)


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