Just 4 Girls – Zu Besuch im feministischen Mädchencafé

INFO:
  • Offen sind die Türen im flash an folgenden Tagen: Mittwoch, Freitag, Samstag jeweils von 16 bis 21 Uhr und Donnerstags von 17 bis 20 Uhr.
  •  Mädchencafe
 

13.04.2012 | 16:29 | Andrea Heider

Männer müssen draußen bleiben, denn das „flash – Mädchencafé“ ist eine just for girls“ Zone. Das feministische Mädchencafé ist ein Modellprojekt der Bezirksvorstehung Neubau, der Stadt Wien und der Wiener Jugendzentren.

„Hier können wir uns treffen, Freunde finden, Spass haben, entspannen über unsere Probleme sprechen“, erklärt Marigona (12), die regelmäßig ins flash Mädchencafé in der Zieglergasse im 7. Wiener Gemeindebezirk kommt. „Oder uns einfach nur zurückziehen vor Eltern und Burschen“ ergänzt Dina (12), die mit ihrer Schwester ebenfalls häufig das Mädchencafé besucht. Denn das flash ist ein Treffpunkt nur für Mädchen – girls only.

Feministische Mädchenarbeit

Im Rahmen der Frauenbewegung entwickelten Sozialarbeiterinnen das Konzept der feministischen Mädchenarbeit bereits Anfang der 1970er Jahre. Die Idee war, ein feministisches Gegenmodell zu patriarchalen Denkmustern, die sich in der offenen Jugendarbeit der damaligen Zeit wiederfanden, zu entwerfen. Es galt Mädchen aus der Marginalisierung zu holen, auf deren Bedürfnisse einzugehen und ein positives Mädchen- und damit Selbstbild zu schaffen. Was vor gut 40 Jahren radikal war – nämlich die Einforderung eines selbstbestimmten Lebens für Mädchen und Frauen – gilt heute größtenteils als selbstverständlich.

Im flash wird das positive Mädchenbild vor allem durch die Begriffe Toleranz und Vielfalt geprägt. Denn „es gibt eine Vielfalt weiblicher Lebensentwürfe und Lebenssituationen sowie Geschlechter- und Geschlechtssituationen,“ erläutert Isabella Sedlak, Mädchenbetreuerin im flash, „Wir wollen einen Raum schaffen, wo sich Alle wohlfühlen. Niemand soll Angst vor Mobbing, Ausschluss oder Diskriminierung haben.“ Religion, Herkunft oder sozialer Status sind dabei nebensächlich. Einzige Bedingung: „ohne Männer!“

Demokratie lernen

Das flash ist Wiens erstes partizipatives Mädchencafé. Die Mädchen sind in Entscheidungsprozesse eingebunden, können Ideen und Impulse einbringen und weiterentwickeln. Durch den partizipativen Ansatz wird die Entfaltung von emanzipatorischem und vor allem demokratischem Denken gefördert. Bei sogenannten „flash uns“ Abenden erarbeiten die Mädchenbetreuerinnen mit den Mädchen gemeinsam Themenschwerpunkte und das Programmangebot. Auch die Öffnungszeiten und der Name des Cafés wurden von den Mädchen selbst bestimmt. Partizipative Sozialarbeit ist also in erster Linie gemeinsamer Dialog und Kommunikation auf Augenhöhe. Die Mädchen lernen so nicht nur ihr Umfeld zu gestalten und sich aktiv einzubringen, sondern auch, wie Demokratie funktioniert. Das flash soll dabei ein positiv besetzter Ort sein, die Mädchen können Raum einnehmen, sie selbst sein und sich zu Hause fühlen. Das partizipative Konzept wird sehr positiv aufgenommen: „Hier gibt es keine Verlierer“, so Marigona, „denn die besten Vorschläge werden immer gemeinsam ausgesucht“.

Mädchen aus aller Frauen Länder

„Respekt und Toleranz sind wichtige Schwerpunkte im flash“, erklärt Aysun Ҫelik, ebenfalls Betreuerin im Mädchencafé. Hinter dem Begriff Mädchen verbirgt sich eine Vielzahl weiblicher Identitäten, die von den Mädchen selbst entdeckt werden können. Diversität und Vielfalt spiegeln sich auch in den unterschiedlichen Mädchen, die ins flash kommen, wider. So haben etwas mehr als die Häfte Migrationshintergrund. Ob aus dem Kosovo, Serbien, der Türkei oder einfach aus dem 7. Wiener Bezirk, Vielfalt wird als Bereicherung betrachtet und als Teil der weiblichen Identität positiv bewertet. Das flash soll für alle Mädchen ein Ort zum Ankommen sein, egal wo sie herkommen.

“Miniröcke sind pervers”

Neben Themen wie Mobbing, Gewalt, Sexismus und der Entwicklung weiblicher Identitäten, werden daher auch unterschiedliche Aspekte von Ausgrenzung oder Rassismus bewusst aufgegriffen und ausdiskutiert. Die selbstbewussten Mädchen haben diesbezüglich durchaus Meinungen, von denen sich so manch Volljähriger etwas abschauen könnte. Zum Thema Rassismus meint die 12-jährige Marigona, die selbst kosovarisch-albanischen Migrationshintergrund hat: „Rassisten haben kein Niveau, sondern nur Probleme mit sich selbst“. In ihrem Freundeskreis gebe es auch Personen, die HC Strache gut fänden „da fühle ich mich schon angegriffen,“ meint sie nachdenklich. Die ebenfalls 12-jährige Jenny bringt das Thema „Kopftuch“ ein. „Das schadet doch niemandem. Für Religion muss man Verständnis haben“. Weniger Verständis habe sie hingegen für junge Mädchen, die sich zu sexy kleiden. „Miniröcke sind pervers“, stellt sie kompromisslos fest, „und sexistisch“. Da merkt man, dass die feministische Mädchenarbeit bereits Früchte trägt.

Starke Mädchen – Starke Frauen

Starke Frauen, sind für die Mädchen in erster Linie Frauen aus den (Massen)medien und der Popkultur, die sich auch sozial engagieren. Erwähnt werden zum Beispiel Rihanna, Waris Dirie, Whiteny Houston oder Lady Gaga: „die sind cool, weil sie sich einsetzen für Opfer von Gewalt und Mobbing,“ meinen die Mädchen im Konsens, „und eine starke Persönlichkeit haben“. Was eine starke Frau ausmache? „Ideale verfolgen, nicht aufgeben, an sich glauben“, zählt Jenny auf, „sich durchsetzen, einen starken Willen haben und sich nicht herumkommandieren lassen,“ ergänzt Marigona. Das seien nur einige Eigenschaften starker Frauen. Es sei allerdings nicht immer leicht, eine starke Frau zu sein, so Dina, da Frauen beispielsweise bei gleicher Arbeit weniger verdienen als Männer. „Frauen, die dagegen demonstrieren und sich zur Wehr setzen sind bewundernswert“, meint sie abschließend. Der offene Umgang mit unterschiedlichen weiblichen Identitäten, hilft den Mädchen dabei, selbst herauszufinden, was es bedeutet ein Mädchen oder eine starke Frau zu sein. Dabei werden natürlich auch gängige Schöhnheitsideale hinterfragt, denn man muss nicht immer „schön, sexy und perfekt sein“, da sind sich die Mädchen aus dem flash einig. Dies ist auch ganz im Sinne des Konzepts der feministischen, partizipativen Mädchen- und Sozialarbeit.

 


Kommentieren Sie den Artikel





Weitere Artikel von Andrea Heider