Mode, Sport & Sommerhitze: 11 Fragen zum Kopftuch

Amani Abuzahra beim Integrationstag 2012 - ©Rudi Froese
ZUR PERSON
  •  Amani Abuzahra, geboren 1983, ist Integrationssprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Sie studierte Philosophie und Intercultural Studies und unterrichtet im privaten Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen.

27.06.2012 | 11:04 | Clara Akinyosoye

Müssen Frauen ein Kopftuch tragen? Ist es im Sommer nicht zu heiß? Amani Abuzahra, Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft, beantwortet häufig gestellte Fragen.

1. Warum tragen Muslimas ein Kopftuch?

Dazu gibt es ein Gebot im Koran. Es ist Zeichen der religiösen sowie der persönlichen Identität. Die Motivationen, warum Frauen Kopftuch tragen, sind so verschieden und vielfältig, genauso wie die Art und Weise das Kopftuch zu binden. Manche tragen es  aus einem religiösen Verständnis heraus, andere auch als Rebellion gegen ihre Eltern, oder aus Modegründen. Weitere wiederum aus Gewohnheit, weil es die Frauen in der Familie tun.

2. Sind Muslimas ohne Kopftuch weniger gläubig?

Nein. Man kann mit dem Kopftuch nicht messen, wie gläubig jemand ist. Das Kopftuch ist nicht das erste und wichtigste Gebot. Es ist eine Kleidungsvorschrift, es ist kein Glaubensgrundpfeiler, wie etwa das Gebet.

3 Werden Muslimas in Österreich zum Kopftuchtragen gezwungen?

Nein, es ist zwar ein religiöses Gebot, aber jede Frau muss selbst entscheiden. Zwang betrifft viel weniger Frauen, als es in den Medien dargestellt wird. Es gibt Einzelfälle, aber das Phänomen betrifft nicht die Allgemeinheit der Muslimas.

4. Kopftuch und sexy Kleidung – ist das nicht ein Widerspruch?

Die Kleidung soll nicht zu eng, nicht durchsichtig sein, aber jede Frau entscheidet selbst, was zu körperbetont, zu eng oder zu kurz ist. Bei tschetschenischen Muslimas ist es etwa üblich, ein kleines Tuch und einen kurzen Rock zu tragen. Es gibt kulturelle Unterschiede.

5. Ab wann soll eine Frau ein Kopftuch tragen?

Aus theologischer Sicht ab der Geschlechtsreife, also ab der Menstruation. Viele Muslimas beginnen aber auch erst später.

6. Vor wem dürfen Frauen es ablegen?

Im familiären Kontext, aber nicht vor jedem. Unproblematisch ist es bei direkten Verwandten – wie etwa vor dem Ehemann, Bruder, Onkel, Sohn oder Schwiegervater. Vor anderen Frauen müssen sich Muslimas nicht bedecken.

7. Ist es im Sommer nicht zu heiß mit dem Kopftuch?

Im Sommer wird ein dünnerer Stoff genommen. Manche Frauen finden, dass es vor der Sonne schützt, aber das ist Geschmackssache.

8. Wie funktioniert Sport mit Kopftuch?

Beim Schwimmen wird ein Burkini getragen. Das ist ein Ganzkörper-Schwimmanzug, der den Körper und die Haare bedeckt. Für andere Sportarten werden Kopftücher aus Jerseystoff verwendet, die nur über den Kopf gezogen werden müssen oder Tücher mit Klettverschluss, die nicht mit Nadeln festgemacht werden.

9. Wie viele Kopftücher hat eine durchschnittliche Muslima?

Die modebewusste Muslima hat viele Tücher, so wie auch T-Shirts. Alle Farben sind erlaubt.

10. Pflegen Muslimas ihre Haare weniger, weil man sie nicht sieht?

Die Haarpflege wird nicht vernachlässigt. Es gibt Frisörinnen, die nach Hause kommen. Es gibt welche, zu denen man nur als Frau gehen kann. Es gibt die verschiedensten Haarprachten unter den Tüchern – gefärbt, getönt, gelockt.

11. Wie lange dauert es, ein Kopftuch zu binden?

Von einigen Sekunden, wenigen Minuten bis hin zu einer Viertelstunde – für die aufwendige Party- oder Hochzeitsvariante.


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