„Österreich ist auch unser Land“

Béatrice Achaleke - ©afrikanet.info

04.03.2008 | 8:12 | Nasila Berangy

Wie Vereine von Migrantinnen Frauen zur Selbsthilfe motivieren, wie sie entmutigt werden, und wie sie Krisen überwinden.

WIEN. „Geht zurück nach Afrika!“ Aufforderungen wie diese erhält Beatrice Achaleke nicht selten. Sie ist Obfrau des Vereins „International Centre for Black Women’s Perspectives“ (Afra) und nimmt solche Sätze keineswegs persönlich. Viel eher ist sie davon überzeugt, dass „die Botschaft unserer Arbeit angekommen ist, aber nicht angenommen wurde“.

Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wie Imagekampagnen versucht der Verein, ein positives Bild von schwarzen Menschen zu zeigen. „Wir geben keine Ruhe, solange keine Chancengleichheit zwischen Schwarz und Weiß besteht“, sagt die 37-jährige Österreicherin. Ein wichtiger Teil gelungener Integration ist in ihren Augen, wenn sich Migranten für ihre eigenen Angelegenheiten engagieren. Achaleke: „Dadurch setzen wir ein Zeichen, dass Österreich auch unser Land ist.“

Das Organisieren von internationalen Kongressen führte dazu, dass sich Afra mit anderen Organisationen über Österreichs Grenzen hinweg vernetzt hat. Schließlich wollen die Aktivistinnen ihre Inhalte auch in der EU positionieren. Es war auch Afra, das den ersten Frauenkongress veranstaltet hat – mit Teilnehmern aus 16 EU-Staaten und den USA. „Trotz des Erfolgs kämpfen wir ums Überleben.“ Unterstützung von Österreich gebe es nur sehr begrenzt, denn die Projekte werden als EU-Agenden gehandhabt. Dass das Engagement hierzulande kaum honoriert werde, empfindet sie als „bedenklich“.

Auch Shiva Badhihi-Nejad arbeitet seit langem daran, Integration in die tägliche Praxis umzusetzen. Sie ist biomedizinische Analytikerin und setzt sich ehrenamtlich als Obfrau des Vereins „Gesellschaft unabhängiger iranischer Frauen“ (GIF) ein. Der Verein besteht seit mehr als 20 Jahren – er war bald nach der islamischen Revolution und dem Sturz des Schah 1979 gegründet worden. In den 1980er Jahren haben viele Iraner aufgrund der Revolution das Land verlassen.

Die Organisation, die vor allem in den ersten Jahren einen starken Zustrom von Studentinnen erlebt hat, setzt sich für iranische Familien ein und unterstützt sie bei allen Amtswegen und Integrationsproblemen. Heute konzentrieren sich die Mitarbeiterinnen des Vereins vor allem auf den Farsi-Unterricht für Kinder der zweiten Generation.

Ein weiterer Schwerpunkt: Information der Frauen über ihre Rechte. „Wichtig ist: Der Verein ist unabhängig von jeglicher Konfession und jeglicher politischer Partei – sowohl im Iran als auch in Österreich.“

Shiva Badhihi-Nejad: „Unser wichtigstes Projekt ist der Unterricht in Farsi, der Muttersprache der Zuwanderer.“ Unter Experten sei es völlig unstrittig, dass Kinder mit Migrationshintergrund erst einmal ihre Muttersprache beherrschen müssen, um dann gut Deutsch lernen zu können. „In anderen EU Ländern – in Schweden etwa – haben dies Regierungen längst erkannt.“ Vor diesem Hintergrund fordert Badhihi-Nejad „mehr als zwei Stunden muttersprachlichen Unterricht und Chancengleichheit für alle Kinder“.

Die GIF hat im Vorjahr den Dr.Karl-Renner-Preis erhalten und Afra ist für den „MiA Award“ der Wirtschaftskammer nominiert. Die Entscheidung der Jury wird am Freitag bekannt gegeben.

(NASILA BERANGY, Die Presse, 5. März 2008)


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