Von Gläubigen geliebt, von Polizisten verhaftet

Brennende Kerzen - ©Mili Flener
FAKTEN
  • Gemeinden: Allein in Wien gibt es mehr als 30 katholische und sieben evangelische Gemeinden, die nicht deutschsprachig sind
  • Afrikaner: Mehr als 600 Menschen afrikanischer Abstammung besuchen in Wien regelmäßig katholische Messen.
  • Priester: In Österreich sind mehrere Afrikaner als Priester und Seelsorger tätig, allein in Wien sind es 25. In der altkatholischen Kirche gibt es mit dem gebürtigen Nigerianer Johannes Okro sogar einen Bischof.

07.01.2010 | 20:10 | Milagros Martinez-Flener

In ihren Gemeinden ist man stolz auf sie. Doch außerhalb der Kirchenmauern müssen sich Priester mit schwarzer Hautfarbe mit ähnlichen Problemen und Vorurteilen herumschlagen wie viele Afrikaner.

In der U-Bahn wird er immer wieder auf Drogen angesprochen. Und einmal wurde er sogar festgenommen – weil er seinen Reisepass nicht bei sich hatte und den Polizisten sein Studentenausweis nicht ausreichte. Joseph Orji muss sich mit den gleichen Vorurteilen herumschlagen wie viele Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Österreich. Da gilt man schnell einmal als Drogendealer oder Dieb, da wird einem zunächst vor allem mit Argwohn und Misstrauen begegnet.

Und dann kommt regelmäßig die Überraschung – dann nämlich, wenn das Gegenüber bemerkt, dass er es mit einem Priester zu tun hat. Denn Orji ist Kaplan – und der einzige Afrikaner – in der Kirche „Zum Göttlichen Erlöser“ im 20.Wiener Gemeindebezirk. Und damit ist der gebürtige Nigerianer einer jener 25afrikanischen Priester, die sich in Wien um eine Gemeinde kümmern.

Afrikanische Priester für das Land

In den Sechzigerjahren kamen auf Initiative des burgenländischen Bischofs Stefan László die ersten afrikanischen Priester nach Österreich. Seither kümmern sich Geistliche wie Orji um die „österreichische Community“, während andere Priester die Verantwortung für Gruppen übernommen haben, für die sich sonst niemand zuständig fühlt. So etwa auch Fabian Mmagu aus Nigeria, der als Seelsorger für die Roma und Sinti im Burgenland zuständig ist.

Wie Alexander Kraljic, Generalsekretär der für fremdsprachige katholische Gemeinden zuständige Arge AAG, erklärt, kämen die Priester im Rahmen eines Studienprogramms nach Österreich und würden in der Pastorale eingesetzt, bis sie in ihre Heimat zurückberufen würden. Obwohl es nicht das Ziel ist, dass sie in Österreich bleiben, werden einige Geistliche dennoch von der jeweiligen Diözese in Österreich als Pfarrer einer österreichischen Gemeinde zugeteilt. Oder sie erhalten Aufgaben, für die sich kein österreichischer Priester findet.

So wurde Mmagu 2004 von der Bischofskonferenz als hauptverantwortlicher Seelsorger für die Volksgruppen der Roma und Sinti ernannt. Auf seine Frage, warum keinem österreichischen Priester diese Aufgabe zugewiesen wurde, erklärte ihm Bischof Paul Iby, er wäre eine Gallionsfigur.

Mmagu konnte mit diesem Begriff zunächst nicht allzu viel anfangen. Doch er akzeptierte die Aufgabe, schließlich sei er ja in einem gewissen Sinn dafür prädestiniert: „Ich habe den Vorteil, dass ich selber in einer Minderheitenposition bin.“ Seither arbeitet er eng mit dem Roma-Service zusammen und verstärkt die Bewusstseinsbildung dieser Volksgruppe.

Andere afrikanische Priester sind auch als Seelsorger für die Flüchtlinge in Traiskirchen tätig. So arbeitete Pater Patrick Kofi Kodom, ein Missionar aus Ghana, zunächst in der Flüchtlingsbetreuung, während er sich heute um Menschen in Schubhaft kümmert. Reverend Timothy Annoh, evangelischer Pfarrer der ghanaischen Gemeinde in Wien Simmering, bemüht sich seit einiger Zeit um die Erlaubnis, afrikanische Flüchtlinge vor allem aus Nigeria zu unterstützen, die sich sonst niemandem anvertrauen – bis heute allerdings ohne Erfolg.

Trotz anfänglicher Berührungsängste werden die afrikanischen Priester in ihren Kirchengemeinden vollkommen akzeptiert. Sie haben Deutsch gelernt, erzählen über sich und ihre Heimat, besuchen ihre Gemeindemitglieder und haben sogar afrikanische Elemente in die Messen eingefügt, die von den Kirchengängern wohlwollend angenommen werden.

Stolz auf den Pfarrer

Die Akzeptanz der afrikanischen Priester, deren Präsenz den weltkirchlichen Aspekt verstärkt, liegt, so Pater Mmagu, bei den Priestern selbst: „Ich muss versuchen, ich selber zu sein und meine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen zu machen.“ Und wie gut das in der Praxis funktionieren kann, demonstrieren unter anderem die Gemeindemitglieder der Pfarren Manhartsbrunn und Großebersdorf in Oberösterreich, in denen Pater Lawrence Ogunbanwo aus Nigeria Moderator ist, wenn sie mit spürbarem Stolz sagen: „Unser Pfarrer kommt aus Afrika.“

Doch wie kann es sein, dass Afrikaner, die als Priester vorbehaltlos akzeptiert werden, auf der Straße einfach angepöbelt werden? Gudrun Biffl, Leiterin des Zentrums für Migration, Integration und Sicherheit der Donau-Universität Krems, erklärt, dass viele Menschen davon ausgehen, dass ein Priester, auch wenn er schwarz ist, ein guter Mensch sein muss. Ein Schwarzer auf der Straße dagegen müsse das in den Augen der Menschen wohl erst noch beweisen.

Wie so oft in Österreich gilt der Respekt nicht der Person, sondern dem Titel, klagt Pater Mmagu. Aber er hofft – auf eine Zukunft, in der „man nicht Priester sein muss, damit die Polizisten Respekt vor dem Menschen haben“.

(MILAGROS MARTÍNEZ-FLENER, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 07.01.2010)

ein Kommentar

  • Karin Mühl

    ich SAH DIE ARTIKELN ÜBER DIE SCHWARZEN PRIESTER: ICH SELBST BESUCHE EINE AFRIKANISCHE GEMEINSCHAFT UND BIN ÖSTERREICHERIN UND ES STIMMT SIE SIND SEHR SEHR FREUNDLICH UND BESORGT UM EINE FRAU Geschrieben um 17. Dezember 2015 um 10:30 Antworten

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