Dursun Erbay: Türke, Koch und Journalist

Dursun Erbay -  Koch und Journalist

09.11.2011 | 10:41 | Aysun Bayizitlioglu

Porträt. Dursun Erbay kam wegen der Liebe nach Wien. Heute arbeitet er in der Küchenbrigade im Hotel Ambassador, daneben ist er auch Journalist, Kameramann und Moderator. Sein Traum: ein nobles Restaurant in der Wiener City.

Wien. „Als ich damals die Türkei verließ, hätte ich mir nie träumen lassen, in welches Beschäftigungskarussell ich einmal einsteigen würde“, sagt Dursun Erbay. Der 48-Jährige arbeitet heute in Wien als Koch und Journalist. Und hat schon eine bewegte Laufbahn hinter sich.Vor 20 Jahren begann Erbay in Kappadokien als Fotograf, entdeckte bald seine Liebe zum Kochen, sattelte um und arbeitete sich erfolgreich hoch bis in die Küchen von Tophotels. Doch dann kam die große Wende: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Erbay verliebte sich in eine türkischstämmige Wienerin und folgte ihr 1989 nach Österreich.

Leicht hatte er es hier aber nicht. Trotz hervorragender Zeugnisse musste Erbay ganz unten anfangen – wegen mangelnder Deutschkenntnisse. Als einfacher Commis de cuisine arbeitete er im Ramada Hotel, ehe er sich zum Souschef hocharbeiten konnte. Damals wurde er sogar kurzzeitig als Küchenchef zur „Europa-Schulung“ des Personals in ein neues Ramada Hotel in die Türkei geschickt.

Schließlich zog er mit Frau und Kind in die Türkei – und verwirklichte sich in Istanbul den Traum eines eigenen Lokals. Doch auch hier lief nicht alles glatt – denn 2001 kam es zu einer rasanten Entwertung der türkischen Lira. „Von heute auf morgen war alles weg – und so blieb uns nur der Weg zurück nach Österreich.“

Karriere dank Kampusch

Wieder in Wien, schlug er sich neben Jobs in Küchen auch als Journalist durch. Zunächst nur als Hobby, später wurde er Korrespondent für die türkische Tageszeitung „Sabah Avrupa“ (Beilageblätter für Europa). Dem Fall Natascha Kampusch verdankt er schließlich, dass er einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde. Denn alles, was Erbay darüber berichtete, landete sofort im Hauptteil der Zeitung.

Wenig später fing Erbay auch bei türkischen TV-Sendern in Europa und beim nichtkommerziellen österreichischen Fernsehsender „Okto“ als Journalist, Kameramann, Moderator und Programmmitgestalter an. Seine Arbeit in Küchen geht aber trotz alledem weiter. Bei internationalen Kochwettbewerben hat Erbay schon mehrere Medaillen errungen.

„Und nächstes Jahr würde ich gerne bei der IKA/Culinary Olympics Global Competition Gold für Österreich holen.“ Derzeit ist er Mitglied der Küchenbrigade im Hotel Ambassador – und hofft immer noch auf eine Küchenchef-Karriere in einem Tophotel. „Es sei denn, ich realisiere einen anderen Traum“, meint Erbay. Sein Ziel: „Das erste wirklich noble Restaurant mit türkischer Küche im ersten Bezirk.“

Journalistisch widmet er sich nun vermehrt der Kulinarik. Unter anderem interessiert er sich für Restauranttests und betreibt auch einen Blog mit Kochtipps.

In Planung ist zudem ein Kochbuch der besonderen Art: internationale Gerichte, eingebettet in ihre ganz spezielle Entstehungsgeschichte.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 09.11.2011)


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