Ein Austro-Schweizer im Kampf gegen Menschenhandel

Rudi Bogensperger (c) M. Flener
HIN­TER­GRUND:
  • Teil 10 der 16-tei­li­gen Por­t­rät­se­rie „Unsere Hände gegen Gewalt".
  • In Koope­ra­tion mit White Rib­bon Österreich, dem Ver­ein von Män­nern zur Prä­ven­tion von männ­li­cher Gewalt, hat M-MEDIA am 25.11.2012 (Beginn der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen) eine Por­t­rät­se­rie  gestar­tet, in der wöchent­lich Por­träts von Män­nern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, die moderne Männ­lich­kei­ten leben und Por­träts von migran­ti­schen Ver­ei­nen, die Bei­träge und Zugän­gen zu Gleich­be­rech­ti­gung und Gewalt­prä­ven­tion leis­ten,ver­öf­fent­licht wer­den.
  • Die Koope­ra­tion wird vom Bun­des­mi­nis­te­rium für Arbeit, Sozia­les und Kon­su­men­ten­schutz geför­dert

20.02.2013 | 10:00 | Milagros Martinez-Flener

Rudolf Bogensperger engagiert sich sozial und hilft ehrenamtlich im Verein Exit, wo Menschenhandel und Zwangsprostitution bekämpft werden. Der Schweiz-Österreicher ist von Geburt an körperbehindert.

“Auch wenn ich nie geschlagen wurde, in der Klasse hat es häufig Gewalt gegeben” , erinnert sich Rudolf Bogensperger ungern an sein Schuljahr in der Integrationsklasse der Volksschule  in Korneuburg. Rudolf Bogenspergerwurde in Graz geboren. Da seine Mutter und sein Opa die schweizerische Staatsbürgerschaft haben, erhielt auch er den eidgenössischen Pass. Als er neun Jahre alt war, übersiedelte er mit seiner Familie nach Leobendorf bei Wien, wo sein Vater einen neuen Job fand. In Graz besuchte Rudolf eine Vorzeigeintegrationsschule, “wo ganz normal unterrichtet wurde”, erzählt der heute 25-Jährige. In Leobendorf hatte die Schule keinen Platz für Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen und so sahen sich Rudolfs Eltern gezwungen ihn in die Volksschule nach Korneuburg zu schicken. Doch dort mochte er das Ambiente nicht. Er fühlte sich nicht so sehr gefördert wie in Graz und war deshalb froh, als er im Jahr darauf ins Gymnasium in Stockerau gehen konnte.

Sinnkrise

Nachdem er das Gymnasium absolviert hatte, fing Rudolf an, an der Universität Wien Wirtschafts- und Sozialgeschichte und parallel dazu Volkswirtschaft zu studieren. Es stellte sich aber eine kleine Sinnkrise ein, da er sich seine Zukunft nicht konkret vorstellen konnte. Das änderte sich als er in der ÖH Zeitschrift “Progress” ein Interview mit Joanna Adesuwa Reiter, Obfrau des Vereins Exit, las. Er überlegte nicht lange und beschloss 2009 ehrenamtlich im Verein mitzuarbeiten.

Was Rudolf Bogensperger an der Tätigkeit von Exit besonders gefällt, ist dass der Verein Aufklärungsarbeit über Zwangsprostitution macht. Ein Thema, das noch zu wenig bekannt ist, findet Bogensperger. “Ein großes Problem ist, dass zwischen Täter und Opfer oft verwandtschaftliche Beziehungen bestehen”, erklärt der Schweiz-Österreicher. Ein weiterer Aspekt, den er an der Arbeit im Verein sehr schätzt, ist dass Exit versucht, den betroffenen Frauen konkret zu helfen. Sie erhalten etwa Alphabetisierungs- und Deutschkurse. Viele Frauen haben Schulden bei ihren Schleppern, die oft selbst Frauen sind. Also sucht der Verein eine Alternative damit sie Geld verdienen können ohne sich prostituieren zu müssen. Eine dieser Alternativen ist der Verkauf von handgemachten Halsketten. Sollte eine Frau bei der Polizei aussagen wollen, “unterstützen wir sie auch juristisch”, sagt Bogensperger.

Bei der Aufklärung helfen

Die Arbeit mit den betroffenen Frauen wird nur von Frauen im Verein verrichtet werden, da die meisten Opfer schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht haben. Aus diesem Grund kümmert sich der Grazer um die Rechnungsprüfung, um die Übersetzung von englischen Texten ins Deutsche, sowie um die Erstellung und Korrektur von Texten, die für die Webseite, Aufklärungskampagnen oder Förderungsansuchen gedacht sind. “Das ist eine wichtige, aber unbezahlte Arbeit, “, erklärt der junge Mann sein Engagement.

Rudolf Bogenspergerist es nach wie vor ein Anliegen, den Verein zu unterstützen, denn er hat am eigenen Leib erfahren, wie wertvoll Hilfe ist. “Durch die Körperbehinderung bin ich manchmal auch auf die Hilfe von anderen angewiesen. Ich kann nicht so einfach durchs Leben gehen und sagen die anderen sind mir alle egal.“ Und egal sind ihm am wenigsten die Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind.

 

 

 


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