Dongdongfan moving food in Wien: Essen auf Rädern reloaded

© Nora Sahr

29.04.2014 | 12:27 | Marlies Kastenhofer

Mit dem Projekt „dongdongfan/ moving food“ wollen eine Sinologin und eine Architekturstudentin mit Klischees über chinesische Esskultur aufräumen.

In China sind die kleinen Gefährte aus dem Stadtbild kaum wegzudenken: Dreiräder, meist pedalbetrieben, mit einer integrierten Ladefläche. Sie dienen zum Transport verschiedenster Gegenstände, wie Abfall oder Waren. Häufig werden sie aber auch als mobile Küchen verwendet, auf denen die unterschiedlichsten Gerichte zubereitet werden. Ein von diesen „sanlunche“ inspiriertes Gefährt soll die kommenden Monate durch Wien touren und so einen neuen Zugang zu chinesischer Esskultur ermöglichen. Verkauft wird typisch chinesisches Straßenessen.

Den Auftakt lieferte die mobile Küche anlässlich des Gesellschaftsklimatages mit „liangmian“, einer kalten Nudelspeise. Designt wurde das Dreirad von der Architekturstudentin Nora Sahr im Rahmen ihrer Diplomarbeit. Sie ist eine der Initiatorinnen von „dongdongfan/ moving food“. Das Gefährt wurde erst kürzlich von ihr in Shanghai fertiggestellt.

„Das Dreirad ist für mich ein Leerraum, der von Shanghai nach Wien importiert wurde. Ich will Leute finden, die diesen 2,5 Kubikmeter großen Raum bespielen“, erklärt Sahr. Damit soll gezeigt werden, wie sich die Bevölkerung städtischen Raum aneignet, der sonst nur vom Verkehr dominiert wird. Daher soll das Dreirad bevorzugt an Orten aktiv werden, die im Stadtbild verlassen und verwaist wahrgenommenen werden. Auf diese Weise, meint sie, sollen die Orte aufgewertet und der „Leerraum Stadt“ bespielt werden.

Auch Katharina Idam war maßgeblich an der Gründung des Projekts beteiligt. Sie betont, dass man sich mit „dongdongfan“ von anderen Integrationsprojekten unterscheiden wollte. Statt mit viel Ernst an die Sache heranzugehen, sollte ein „einfacher, lustvoller Ansatz“ geschaffen werden. „Es soll ein privates Bild von ChinesInnen vermittelt werden. Es geht nicht nur um die oder den, der in der Küche steht oder etwas serviert, sondern darum, dass Essen und Kochen etwas sehr persönliches ist“, erläutert die Sinologin.

Gugelhupf statt gebackene Bananen

Dabei ist das Kochen am Dreirad laut Idam nur eine mobile Version des eigentlichen Projekts. Geplant sind Kochveranstaltungen in verschiedenen Lokalitäten, bei denen vorwiegend Laienköche tätig werden. Im Rahmen dieser Veranstaltungen soll über Themen rund um Essen und Kochen diskutiert werden.

Ein besonderes Anliegen der beiden Initiatorinnen war hierbei, Privatpersonen zu ermöglichen, ihre persönlichen Interpretationen chinesischer Küche im österreichischen Umfeld vermitteln zu können. Es gehe nicht darum, die „typisch chinesische Küche“ zu repräsentieren. Daher sollen die Köche bei den Veranstaltungen explizit vorgestellt werden und dem Publikum ihren eigenen Zugang zu chinesischer Küche näherbringen.

Der Grund für die Gründung des Projekts war für Katharina Idam zu zeigen, wie ChinesInnen in Österreich kochen. Dass hier Klischees fehl am Platz sind, kann sie aus eigener Erfahrung berichten. Bei ihrer Arbeit als Deutschlehrerin für Chinesen, habe eine Schülerin einmal einen Gugelhupf gebacken. „Es war womöglich der beste, den ich jemals gegessen habe“, schildert sie.


2 Kommentare

  • Meyer Jos.

    Als Gastronomie-Fachjournalist finde ich die Idee einfach genial. Ich würde den beiden kreativen Leuten anraten sich die Idee patentieren zu lassen, denn eigentlich gehört die fahrbare Miniküche in jede grössere Stadt. Damit ist gutes Geld zu verdienen. Geschrieben um 1. Mai 2014 um 07:45 Antworten
  • Wolff christiane

    Tolles Projekt, dem ich viel Erfolg wünsche. Glückwünsche an die kreativen Künstlerinnen für die einfallsreiche Idee einer anderer Nutzung des Strassenraumes im braven Wien. Wo erfährt man wann und wo die Kochveranstaltungen stattfinden? Besten Dank für eine eventuelle Rückmeldung Geschrieben um 30. April 2014 um 15:19 Antworten

Kommentieren Sie den Artikel





Weitere Artikel von Marlies Kastenhofer