Fehlende Netzwerke erschweren Integration

Rassismus und Anti-rassismus

05.12.2012 | 8:29 | Clara Akinyosoye

Immer mehr Initiativen wollen Wirtschaftstreibende und Migranten miteinander vernetzen.

Wien. „Netzwerke prägen die Chancen, die man in einer Gesellschaft hat“, sagt Netzwerkanalytiker und Soziologe Harald Katzmair. Sprich: Menschen, die über keine Netzwerke verfügen, haben es auch auf dem Arbeitsmarkt schwerer. Das sei ein „Unterschichtenproblem“, treffe aber auch auf Menschen zu, die neu in eine Gesellschaft kommen.

Einige Initiativen haben sich nun zum Ziel gesetzt, Migranten und Wirtschaftstreibende zusammenzubringen. So wie „Austrian Talent Network“, eine Plattform, die kostenlos Jobs und Praktika in der Kreativbranche vermittelt. „Das Projekt soll Menschen, die keine natürlich gewachsenen Netzwerke haben, mit den Creative Industries vernetzen“, sagt Geronimo-Noah Hirschal.

Zwar ist das Netzwerk für alle offen, es besteht aber der Fokus auf die Vermittlung von „High Potentials“ mit Migrationshintergrund. Weil gerade bei ihnen das Bildungsniveau und der berufliche Hintergrund ihrer Eltern eine erschwerende Rolle für die berufliche Integration spielen würden.

Da Klein-, Mittel- und Einzelunternehmen meist kein Personalmanagement betreiben, würden sie beim Rekrutieren neuer Mitarbeiter auf Menschen aus dem Bekanntenkreis zurückgreifen. Von den Jobausschreibungen innerhalb der Kreativindustrie bekämen branchenferne Menschen mit Migrationshintergrund gar nichts mit. Ein „strukturelles Problem“, wie Hirschal sagt, das durch „Austrian Talent Network“ gelöst werden soll. „Wir sehen uns nicht als ein Sozialprojekt, sondern als ein informelles Netzwerk, um Talente mit Arbeitgebern zusammenzubringen.“ Denn besonders die Kreativwirtschaft würde von mehrsprachigen Mitarbeitern profitieren.

Relevante Informationen

Ähnlich sieht das auch Adela Kuliga, Geschäftsführerin von „Networking Youth Career“. Die gebürtige Polin gründete vor einem Jahr einen Verein, der junge Migranten mit öffentlichen Institutionen und Privatunternehmen vernetzen will.

„Nach einigen Jahren in Österreich und jahrelanger Arbeit im Integrationssektor wurde mir bewusst, dass man ohne die relevanten Netzwerke in Österreich nur schwer an die relevanten Informationen und Jobstellen kommt“, sagt Kuliga. Viele Migranten seien zwar in den türkischen und serbischen Communitys gut vernetzt, doch um Karriere in Österreich zu machen, brauche es Netzwerke, die über die ethnischen Communitys hinausreichen.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 05.12.2012)


Kommentieren Sie den Artikel





Weitere Artikel von Clara Akinyosoye