Forscher ohne Tisch & PC

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02.12.2009 | 15:47 | Ania Haar

Ausländische Stipendiaten fühlen sich allzu oft an Österreichs Universitäten nicht willkommen.

Im Büro gab es keinen Schreibtisch, keinen Computer und auch keinen Telefonanschluss“, sagt eine Wissenschaftlerin, die mit einem Postdoktorandenstipendium aus Deutschland nach Wien gekommen ist. Aus Angst um ihren Arbeitsplatz will sie ihren Namen nicht nennen.

Den Büroplatz hat sie schließlich Monate später doch noch bekommen, allerdings nur tageweise und mit anderen Stipendianten geteilt. Dabei steht es in den Arbeitsverträgen, dass Forschern ein Arbeitsplatz zusteht. Und sie ist bei Weitem nicht die Einzige, die über schlechte Bedingungen für Wissenschaftler aus dem Ausland berichtet. Eine andere Wissenschaftlerin klagt, dass der Professor ganz selbstverständlich einen seiner festen Mitarbeiter als Koautor eines Fachartikels dazugeschrieben hat. „Und das, ohne dass er ein einziges Wort geschrieben hat“, klagt sie.

Aber auch, wenn es ausländische Stipendiaten gibt, die über ihre Situation nicht klagen, scheint eines festzustehen: Nicht alle hoch qualifizierten Wissenschaftler sind an heimischen Unis willkommen. Dabei ist Österreich auf sie angewiesen, um international konkurrenzfähig zu sein und den österreichischen Forschungsstand in der EU zu erhöhen.

Lästige Konkurrenz?

Weil es beispielsweise keine Publikationspflicht für Doktor- und teilweise auch Habilitationsarbeiten gibt, bleibt die Qualität mancher österreichischer Publikationen auf der Strecke. Denn solange sie unveröffentlicht sind, bleiben sie international undiskutiert. So entziehen sich viele der verbeamteten Universitätsangehörigen der Beurteilung. Die Kollegen aus dem Ausland gelten dabei als lästige Konkurrenz, da sie die übliche 35-Stunden-Woche für Wissenschaftler überbieten und international publizieren.

(ANIA HAAR, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 02.12.2009)


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