Gewaltprävention durch Finanzberatung

Imre Siska c M. Flener
HIN­TER­GRUND:
  • Teil 9 der 16-tei­li­gen Por­t­rät­se­rie „Unsere Hände gegen Gewalt".
  • In Koope­ra­tion mit White Rib­bon Öster­reich, dem Ver­ein von Män­nern zur Prä­ven­tion von männ­li­cher Gewalt, hat M-MEDIA am 25.11.2012 (Beginn der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen) eine Por­t­rät­se­rie  gestar­tet, in der wöchent­lich Por­träts von Män­nern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, die moderne Männ­lich­kei­ten leben und Por­träts von migran­ti­schen Ver­ei­nen, die Bei­träge und Zugän­gen zu Gleich­be­rech­ti­gung und Gewalt­prä­ven­tion leis­ten,ver­öf­fent­licht wer­den.
  • Die Koope­ra­tion wird vom Bun­des­mi­nis­te­rium für Arbeit, Sozia­les und Kon­su­men­ten­schutz geför­dert

15.02.2013 | 18:47 | Milagros Martinez-Flener

Der gebürtige Ungar Imre Siska arbeitet seit 2008 für das Österreichische Rote Kreuz in Wien.  Er betreut Menschen, die in finanzielle Not geraten sind, damit die wirtschaftliche Entlastung Gewalt verhindert. Teil 9 der 16-teiligen Porträtserie “Unsere Hände gegen Gewalt”.

“Gewalt in der Familie finde ich am schrecklichsten, weil sie im Geheimen passiert”, sagt Imre Siska, Berater der Spontanhilfe vom Österreichischen Roten Kreuz. Betroffen sind oft Ehepartner oder Kinder, aber auch ältere Menschen, die innerhalb der eigenen Familie betreut werden.

Wille zum Helfen

Imre Siska wurde in Budapest geboren, wo er Rechtswissenschaft und internationale Angelegenheiten studierte. Schon während des Studiums kam ihm die Idee, sich im humanitären Bereich zu engagieren und bald arbeitete er beim ungarischen Roten Kreuz. „Ursprünglich wollte ich ins Ausland gehen und Menschen helfen. In der Hoffnung, diesen Wunsch erfüllen zu können, habe ich mich beim Roten Kreuz in Wien beworben“, erzählt er. 2008 übersiedelte er nach Österreich, wo er seine Arbeit bei der Spontanhilfe im Generalsekretariat des österreichischen Roten Kreuzes antrat. Diese Beratungsstelle unterstützt finanziell in Not geratene Menschen unbürokratisch und schnell dort, wo die soziale Sicherung des Staates auslässt. Siska ist mit seinen Job dermaßen zufrieden, dass er sein Studium als Jurist nicht nostrifizieren will. “Ich bin in der Spontanhilfe sehr glücklich, weil ich Leute treffe, die ich unterstützen kann”.

 

Prekäre Situationen als Nährboden für Gewalt

Auch wenn Imre Siska nicht direkt mit Gewalt zu tun hat, berät er Menschen, die sich in einer finanziellen Notsituation befinden. Leidtragend ist oft die ganze Familie, die daran auch zerbrechen kann. Es gibt vielerlei Gründe für die Schulden, erzählt der 34-jährige Ungar. Suchtproblematik, Jobverlust, Krankheiten, schlechte Wohnverhältnisse, soziale Isolation und belastende Lebenssituationen, wie Pflegeverantwortung sowie angespannte finanzielle Verhältnisse betrachtet Siska als die wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten von Gewalt in der Familie. Die Menschen seien oft in prekären Situationen, die sie psychisch belasten. Ein gefährlicher Nährboden, auf dem „Gewalt stattfinden kann”. Er hofft, dass durch die Entlastung der finanziellen Situation in den Familien auch das Risiko für Gewalt abnimmt.

Familie und Sport

Neben seiner Arbeit absolvierte Siska die Ausbildung als Auslandsdelegierter und Trinkwasseraufbereiter. Er machte auch eine Weiterbildung in Fremdenrecht, da viele Migranten zu seinen Klienten zählen. Im Laufe der Jahre haben sich seine Pläne geändert. Vor drei Jahren wurde er zum ersten Mal Vater, vor einem Jahr zum zweiten Mal. Ein Einsatz im Ausland kommt so bald nicht in Frage, “aber früher oder später wird sich eine Gelegenheit ergeben”, meint er.

Der Job verlangt emotionell sehr viel. “Mich schmerzen besonders jene Fälle, wo Kinder durch die Taten der Erwachsenen leiden müssen”, sagt der zweifache Familienvater. Aus diesem Grund ist Wasserball für ihn ein guter Ausgleich. “In Ungarn ist Wasserball so wie Fußball in Brasilien”, erzählt Imre Siska. Bescheiden bezeichnet er sich als schlechter Spieler, denn er hat zu spät damit angefangen. Dennoch würde er darauf nicht verzichten wollen und kann es nur empfehlen, denn der Sport dient der Ablenkung, hilft, die positive Energien zu kanalisieren und negative Energien von der Familie fernzuhalten.


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