Heiliger Sava Ball 2014: Wiener Serben bitten zum Tanz

Svetosavski bal 2012

22.01.2014 | 11:49 | Tamara Tanasijevic

Diesen Freitag feiern die Wiener Serben ihren traditionsreichsten Ball in Österreich. Tamara Tanasijević wirft einen Blick auf die Ursprünge des Heiligen Sava Balls.

Wien. Am 24.Jänner findet in den historischen Räumlichkeiten des Parkhotel Schönbrunn der 17. Heilige Sava Ball statt. Benannt nach dem Heiligen Sava der orthodoxen Kirche, wird dieses festliche Ereignis seit 2011 von der Österreichisch-Serbischen Gesellschaft (Austrijsko-Srpsko Drustvo) ausgerichtet, die mit der Organisation des Balles eine der ältesten südslawischen Traditionen in Wien fortführt. Die Anfänge dieser Veranstaltung reichen in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, als Wien vor allem für Intellektuelle aus dem südslawischen Raum zum wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Zentrum wurde.

Das Wien des 19. Jahrhunderts stellte eine geistige und kulturelle Hochburg dar. Gelehrte aus ganz Europa zog es in die glorreiche Kaiserstadt, wo sie in enger Zusammenarbeit wissenschaftliche Meilensteine setzten. Darunter auch eine große Anzahl südslawischer Philologen, die in Wien erhebliche Fortschritte für ihre Gemeinschaft und Sprache leisteten. Im Zuge der Aufklärung ermöglichte die Monarchie als Vielvölkerstaat die Etablierung einer gehobenen, intellektuellen südslawischen Schicht, die Wien zu ihrem wissenschaftlichen Mekka machte. Durch großzügige Förderer und zahlreiche Stipendien gelangen diese in die Hauptstadt des Habsburgerreiches, um außerhalb der Grenzen ihrer Heimat die Entwicklung ihrer Kultur und Sprache voranzutreiben.

Der Aufenthalt in Wien diente aber nicht nur dem wissenschaftlichen Zweck, sondern gewann mit der Zeit auch politische Ambitionen. Das Zeitalter der Romantik bat dafür einen Spielraum, in dem sich nationale Strömungen und Forderungen breitmachten. Dies war unter anderem aufgrund der großen südslawischen Gemeinschaft in Wien möglich, die eng zusammenarbeitete und lebte. Traditionen, Kultur und Religion wurden mitgenommen und weiterhin gepflegt.

Eine völkerverbindende Plattform stellten, neben der Kirche, auch Gasthäuser und Vereine dar, wo man miteinander feierte, sang und diskutierte. Auch wenn man das gesellschaftliche Leben untereinander sehr eng zu pflegen bedacht war, bemühte man sich auch gleichzeitig im Wiener Stadt- und Kulturbild einen einprägsamen Eindruck zu hinterlassen. Hierfür gestaltete man pompöse Slawenbälle, an denen die gesamte Wiener Bildungselite teilnahm und unvergessliche Feste zur Musik des Walzerkönigs Johann Strauß-Sohn zelebrierte.

Die Wiener Slawenbälle zählten zu den glänzenden Höhepunkten der Saison. „Dies war eine Veranstaltung, die zweifellos zu einem gesellschaftlichen Ereignis ersten Ranges geworden ist“, schwärmt Dejan Medaković in seiner Publikation „Serben in Wien“ (2001). Zu den Besuchern gehörten die namenhaftesten Vertreter aus Kultur, Wissenschaft und Adel,  darunter der serbische Fürst Miloš Obrenović, sein Landsmann und Sprachreformator Vuk Stefanović Karadžić, der slowenische Philologe Franc Miklošić, der kaisertreue kroatische Ban Jelačić, sowie andere Notabilitäten, bedeutende Staatsbeamte und Generäle.

Der slawische Ball fand im kosmopolitischen Wien großen Anklang und wurde zu einer wichtigen interkulturellen Begebenheit. Auch die Wiener Medienlandschaft nahm Notiz und berichtete von diesen großartigen Festlichkeiten. Den Südslawen gelang damit ihr Versuch sich als ernstzunehmende Wiener Bildungsschicht zu etablieren. Einerseits ermöglichten solche Veranstaltungen natürlich die Pflege von Kontakten untereinander, andererseits rückten sie das Bild der Slawen in der Wiener Gesellschaft in ein rechtes Licht. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Monarchie und den Südslawen erlebten ihren Höhepunkt.

Mit der Wiederaufnahme dieser Tradition wird an das erfolgreiche Zusammenleben erinnert. Heute wird der Ball wieder im Zeichen der Freundschaft zelebriert. In einem Gespräch mit M-MEDIA äußert sich Dr. Marko Stijaković, Präsident der Österreichisch-Serbischen Gesellschaft, zur symbolischen Bedeutung des Heiligen Sava Balls in Wien.


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