„Ideologisch war ich auf der Seite der Armen“

Isaias Costa
HIN­TER­GRUND:
  • Teil 5 der 16-tei­li­gen Por­t­rät­se­rie „Meine Hände gegen Gewalt".
  • In Koope­ra­tion mit White Rib­bon Öster­reich, dem Ver­ein von Män­nern zur Prä­ven­tion von männ­li­cher Gewalt, hat M-MEDIA am 25.11.2012 (Beginn der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen) eine Por­t­rät­se­rie  gestar­tet, in der wöchent­lich Por­träts von Män­nern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, die moderne Männ­lich­kei­ten leben und Por­träts von migran­ti­schen Ver­ei­nen, die Bei­träge und Zugän­gen zu Gleich­be­rech­ti­gung und Gewalt­prä­ven­tion leis­ten,ver­öf­fent­licht wer­den.
  • Die Koope­ra­tion wird vom Bun­des­mi­nis­te­rium für Arbeit, Sozia­les und Kon­su­men­ten­schutz geför­dert.

04.01.2013 | 18:17 | Silvia Herburger

Der Psychotherapeut Isaias Costa verließ Rio um mit seiner Familie in Österreich zu leben. Es tobe ein gewaltsamer Krieg zwischen „Arm und Reich“, sagt der Brasilianer. 

„Gewalt ist gegen die menschliche Natur“, sagt Isaias Costa. Für den Brasilianer ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Männer keine Gewalt ausüben. Dass ein Leben in Gewalt aber für viele Menschen zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, musste Isaias Costa am eigenen Leib miterleben. Es war der „Krieg zwischen Arm und Reich“, der ihn dazu bewegt hat, Rio zu verlassen. Es sei eine Art „Bürgerkrieg“, sagt der vierfache Familienvater, der 1957 zwar in Brasilien geboren wurde, aber auch in Wien Physik studiert hat. Er kehrte zurück und lebte einige Jahre mit seiner Familie in Rio, doch „es ist nicht mein Lebenskonzept im Krieg zu leben“, sagt der Psychotherapeut. „Dieser Krieg ist gewaltsam und es sterben täglich viele Leute. Wir sind ein bisschen vor diesem Konflikt geflüchtet.“

Von der Naturwissenschaft zur Psychotherapie

Isaias Costa war in Brasilien praktisch auf der Siegerseite, mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet, wäre es für ihn ein leichtes gewesen sich auf der Sonnenseite zu wissen. „Doch ideologisch war ich auf der Seite der Armen“, sagt er. Ein Konflikt, den Isaias Costa nicht zu lösen vermochte, also wanderte er aus. Heute lebt er mit seiner Frau, die Österreicherin mit brasilianischem Wurzeln ist, in Wien. Seine vier Kinder sind mittlerweile erwachsen und haben ihren friedliebenden Vater zu einem friedliebenden Großvater gemacht.

Nachdem die Familie Costa Anfang der 1990er Jahre, nach einigen Jahren in Rio und den USA, nach Wien zurückkehrte, war für den Physiker klar, dass er sich beruflich verändern wollte. Er beschloss eine Ausbildung zum Psychotherapeuten zu machen. Während seiner Ausbildung war er für seine Kinder der erste Ansprechpartner. Denn seine Frau war berufstätig. Es dauerte aber fast ein Jahr, bis die Kinder ihn in dieser Rolle auch wirklich akzeptierten und ernst nahmen, erzählt der Familienvater.

Gemeinsam arbeiten und leben

Für das Ehepaar Costa war es immer wichtig, sich die Aufgaben bei der Kindererziehung und im Haushalt zu teilen. „Anfänglich haben wir jede Aufgabe wirklich halbe-halbe aufgeteilt“, was auf Dauer aber schwer umzusetzen war, sagt Isaias Costa. Es stellte sich als gute Lösung heraus, die Aufgaben nach den jeweiligen Vorlieben zu verteilen, sodass unter dem Strich beide gleich viel am Leben in und außerhalb der Familie beteiligt waren. Doch das Paar teilt nicht nur das Privatleben sondern auch den beruflichen Alltag miteinander. Beide sind im Therapiezentrum Gersthof als PsychotherapeutIn tätig. Isaias Costa kümmert sich vermehrt um den Aufbau von Projekten, das Nacharbeiten von Sitzungen oder die Instandhaltung der technischen Infrastruktur. Seine Frau kümmert sich eher um die Organisation neuer Projekte und um die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den KollegInnen. „Das ist wiederum nicht symmetrisch, aber wir fühlen uns gut damit, weil diese Aufgaben mehr unseren Charakteren, unseren Persönlichkeiten entsprechen“, sagt der Psychotherapeut.

In seinen Texten verwendet er stets eine genderbewusste Sprache. Das sei „unumgänglich“. Solidarität zwischen den Geschlechtern ist Isaias Costa genauso ein Anliegen, wie die Anerkennung des Beitrags den MigrantInnen in Österreich leisten. Er selbst sieht sich – obwohl er bereits zwei Drittel seines Lebens in Österreich verbracht hat – in erster Linie als Brasilianer. Denn seine Persönlichkeit wurde schließlich in seiner Kindheit in Brasilien geprägt.


Kommentieren Sie den Artikel





Weitere Artikel von Silvia Herburger