Integration: Ein „Prosit“ mit frisch gedruckten Geldscheinen

Nowroz - ©flickr.com
AUF EINEN BLICK
  • Nowruz bedeutet „neuer Tag“. Das Fest entstammt vorislamischer, bäuerlicher Tradition. Am 21.März wird der Übergang vom Winter zum Frühling gefeiert. Wichtigste Tradtition ist Haft Sin (= sieben S). Jedes „S“ steht für ein Symbol: Sabze – Linsen, Gersten oder Weizensprossen (Symbol für Wiedergeburt), Samanu – Mehlspeise aus Malz (Wiedergeburt), Senjed – Frucht des Lotusbaumes (Liebe),Serkeh – Essig (Reife, Geduld), Sib – Apfel (Schönheit, und Gesundheit), Somagh – Sumachbeeren (Farben des Sonnenunterganges), Sekeh – Münzen (Erfolg).

18.03.2008 | 17:55 | Nasila Berangy

Warum manche Migranten jetzt Neujahr feiern, wie diese Traditionen in Wien gelebt werden und welchen besonderen Stellenwert dabei frisch gedruckte Geldscheine haben. Gefeiert wird am Freitag.

WIEN. Jahr für Jahr geht Saboura Ahmadian zum selben Bankangestellten und lässt sich frisch gedruckte Geldscheine geben. Ahmadian ist gebürtige Iranerin und hofft, dass der Banker „nie in Pension geht“. Und das schon seit 20Jahren. Anfangs war das alles für den Bankangestellten nicht nachvollziehbar, heute wünscht er ihr ein frohes, neues Jahr.

Nach dem Jahreswechsel besuchen im Iran Familien und Freunde einander, und bei dieser Gelegenheit bekommen die jüngeren Familienmitglieder von den Älteren frisch gedruckte Geldscheine. „Das Drucken von Scheinen für das Nowruzfest gehört zu einer der Aufgaben der iranischen Nationalbank“, erklärt Javad Parsay, Museumspädagoge, Bildungsreferent am Berufsförderungsinstitut und Exil-Iraner. Frisch gedruckte Geldscheine stehen für beruflichen Erfolg.

Wochen vor dem Ereignis beginnen bereits die Vorbereitungen für das Fest. Ahmadian: „Es ist genauso hektisch wie vor der Weihnachtszeit“. Neue Kleidung und Schuhe für Kinder müssen besorgt werden, ebenso wie ein Frühjahrsputz erledigt gehört.“

„Deine Röte sei mein“

Am letzten Mittwoch des Jahres werden in entlegenen Straßen kleine Feuer entfacht. Über diese Flammen springen Jung und Alt. Immer wieder wird das Prasseln des Feuers von folgenden Worten übertönt: „Meine Blässe möge dir gehören, deine Röte sei mein.“ Blässe steht für alles Schädliche, die Röte für alles Gute. Kurden tanzen auch um das Feuer herum.

Ob auch in Wien dieser Tradition gefolgt wird, weiß Ahmadian nicht, mutmaßt aber, dass einige Iraner privat feiern – vor allem, wenn sie Gärten haben. Der Reigen der Veranstaltungen dieses Tages reicht von Traditionellem bis hin zu Clubbings. Und noch einen Fixpunkt gibt es: Am letzten Freitag des Jahres werden die verstorbenen Verwandten auf den Friedhöfen besucht.

Bildungsreferent Parsay: „Mit der genauen Uhrzeit des Frühlingsbeginns beginnt auch das neue Jahr. Das heißt: Jedes Jahr beginnt zu einem anderen Zeitpunkt“.

Kurden feiern den 21.März auch als Nationalfeiertag. In der Türkei war das Feiern des Nowruz jahrzehntelang verboten – bis es 1995 offiziell als „alttürkisches Fest“ anerkannt worden ist.

Mir Ghousudden, Sprecher des Afghanischen Kulturvereins in Wien: „Auch in Afghanistan war Nowruz unter der Herrschaft der Taliban verboten, heute zelebrieren die Menschen wieder das Fest.“ Seit 1996 organisiert er in Wien eine Nowruzfeier. „Sie ist Teil unserer Kultur und diese wollen wir präsentieren. Auch Flüchtlinge sollen die Möglichkeit haben, Nowruz zu feiern.“

Zum Jahreswechsel sitzt die Familie um den Nowruz-Tisch (siehe Infobox) zusammen. Süßigkeiten machen die Runde. Ahmadian: „Das neue Jahr soll süß beginnen – ein Symbol für ,angenehm‘.“

Was in Wien einen eher kleinen Rahmen findet, wird in Deutschland deutlich größer aufgezogen: Im deutschen Oberhausen in Nordrhein-Westfalen findet eine der größten Nowruz-Feiern außerhalb des Mittleren Ostens statt: Iranische Musiker werden aus den USA eingeflogen. Die Arena von Oberhausen bietet Platz für tausende Personen. Auflagen wie im Iran nach der Revolution von 1979 gibt es nicht – etwa jene, dass Frauen nicht in Anwesenheit von Männern singen dürfen.

Auch österreichische Iraner, Kurden und Afghanen fahren nach Oberhausen, um Nowruz zu feiern. So auch Ahmadian: „Es ist das erste Mal, dass ich in Oberhausen Nowruz feiere. Ich freue mich auf die Atmosphäre.“

Das Fest dauert zwölf Tage. Am dreizehnten Tag unternehmen Familien dann ein Picknick. Dabei wird das „Sabzeh“ (siehe Infobox) – mittlerweile zu zehn Zentimetern langen Grashalmen gewachsen – zusammengeknotet und Wünsche werden ausgesprochen. Danach wird das Sabzeh ins Wasser geworfen, möglichst in ein fließendes Wasser. Damit soll alles Üble davonschwimmen.


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