Wien: Kampagne zur Rettung unkontaktierter Völker

Artur Meirelles (c) C.B. Moreno
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21.05.2012 | 12:40 | Carola Bonilla Moreno

Eine Kampagne soll darauf aufmerksam machen, dass unkontaktierte Völker in Brasilien und Peru in Gefahr leben. Etwa Drogenhändler und Goldsucher bedrohen ihre Existenz.

Wien. Mit großem Erfolg startete  José Carlos Meirelles im Museum für Völkerkunde in Wien am 8. Mai die internationale Kampagne zur Rettung unkontaktierter Völker in Brasilien und Peru. Sie wurde in Österreich gestartet, aber es werden noch Deutschland, Schweiz und natürlich Brasilien folgen. Seit 40 Jahren engagiert sich Meirelles, zuletzt auch gemeinsam mit seinem Sohn Artur Meirelles und der Gesellschaft für bedrohte Völker, für den Schutz von in freiwilliger Abgeschiedenheit im Grenzgebiet von Brasilien zu Peru lebenden indigenen Völkern.

Anbauflächen für Drogen

Das Ziel dieser Kampagne ist es, die österreichische Gesellschaft auf das Aussterben bedrohter unkontaktierter Völker aufmerksam zu machen. Diese Völker sind in Gefahr. Denn es gibt viele, auch gewalttätige Eindringlinge in ihr Territorium, die dort auf der Suche nach Gold, Erdöl oder auch nach Anbauflächen für Drogen sind. Letztere werden oftmals direkt vor Ort weiterverarbeitet und teilweise auch gleich verkauft. Ein Großteil des in Europa konsumierten Marihuanas und Kokains kommt aus diesem Gebiet. Ebenso gefährden illegale Abholzung und die Gasindustrie dieses Gebiet.

Ein-Personen-Volk

Ein weiteres, das das Aussterben dieser Völker beschleunigend ist, dass diese mitunter untereinander verfeindet sind. Dazu kommt die politische Grenze zwischen Peru und Brasilien, die fallweise auch einzelne Völker trennt. Momentan gibt es sogar ein Volk, das aus einer einzigen Person besteht. Es ist mit großem Aufwand verbunden, diese Völker zu lokalisieren und zu dokumentieren, Meirelles und sein Team haben bis jetzt 30 Völker auf brasilianischer Seite entdeckt und ca. 30 weitere auf peruanischer Seite. Es gibt Indizien dafür, dass es noch 40 isolierte Völker, deren Existenz noch nicht bestätigt ist gibt, die aber vielleicht auch schon ausgerottet sein könnten.

Man schätzt, dass innerhalb der 30 Völker auf peruanischer Seite rund 600 Menschen leben, diese Zahl birgt einen hohen Unsicherheitsfaktor, weil es sich um Nomaden handelt, während die Menschen auf brasilianischer Seite sesshaft sind. Meirelles und sein Team haben auf Grund angelegter Plantagen und der Häuseranzahl genauere Informationen über die Völker.

Gesetze zum Schutz

Heutzutage gelten 13 Prozent des gesamten brasilianischen Territoriums als Land indigener Völker. Dieses Arial ist größer als Deutschland. Es handelt sich um 140 Millionen Hektar. Die Völker haben gesetzlich das Recht auf Nutzung ihrer Böden, auch wenn der Staat Eigentümer ist. Meirelles und sein Team kämpfen für die Schaffung neuer Gesetze zum Schutz der Rechte der Bevölkerung und für die Durchsetzung und Einhaltung bestehender Gesetze.


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