Liberale Muslime: „Saudis sollen daheim Dialog führen“

Protest (c) Asma Aiad
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17.10.2011 | 19:12 | Nermin Ismail

Am 13.Oktober saßen der saudische und die spanische Außenminister mit Spindelegger an einem Tisch, um den Gründungsvertrag des “King Abdullah bin Abdulaziz international centre for interreligious and intercultural dialogue” zu unterzeichnen. Beabsichtigt der König damit eine Reform oder will er seinem Land ein besseres Image verschaffen? 

Entrüstung und Empörung waren die Reaktionen die das Zentrum schon vor der Vertragsunterzeichnung auslöste. Die kritische Stimmung repräsentierte sich schon vor dem Eingang der Albertina, wo die Unterzeichnungszeremonie des Instituts stattfinden sollte. Einige Menschen waren in traditionell saudischer Tracht versammelt, um ihren Unmut gegen der Errichtung des “centers” zu äußern. Die Protestaktion wurde vom Forum Liberaler Muslime initiiert, für die das Zentrumin Wahrheit ein “wahabitischen Zentrum” darstellt. Mit der Aktion wollten sie auf die verheerende Ausprägung der Demokratie in Saudi-Arabien aufmerksam machen. So stellen sich viele Kritiker die Frage, wieso ein Land, das für das Fahrverbot für Frauen bekannt ist, eine Plattform für interreligiösen Dialog in Wien gründen will. “Sollen sie doch daheim Dialog führen”, meint einer der Protestierenden.

Keine Alternative zum Dialog

In der Albertina hieß es dagegen: “Es gibt keine Alternative zum Dialog” ist Michael Spindelegger überzeugt. Deswegen unterstützte er diese Plattform und lade andere Staaten ein, ein Teil dieser NGO zu werden. Auch Prinz Saud Al- Faisal und Außenminister Saudi-Arabiens meint, die Welt könne ohne einer neuen globalen Ethik nicht überleben, weswegen es notwendig sei, dass “wir alle miteinander arbeiten, um ein Umfeld zu schaffen, indem die Werte des Dialogs, der Toleranz und des Friedens” gelebt werden. Garcia- Herrera, die spanische Außenministerinunterstrich ebenso die Bedeutung des Dialogs in Europa. Dieser habe die Kraft “eine bessere Welt, in der Religion nicht als Rechtfertigung für Gewalt gelten darf” zu schaffen.

Vatikan als Beobachter

In dem Zentrum haben die Saudis keine Vormachtstellung. Sie teilen mit den Mitgliedern der vier weiteren Weltreligionen (Christentum, Judentum, Hinduismus und Buddhismus) das Direktorium. Vertreter des Vatikans waren ebenso anwesend. Sie sollen eine Beobachterrolle inne haben. Ob sich die Ziele des “Kind Abdullah bin Abdulaziz international centre” verwirklichen werden, kann uns nur die Zukunft zeigen. Im Sommer 2012 wird das Zentrum im Palais Sturany seine Tore öffnen.


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