MAIZ: Ein Zentrum von und für MigrantInnen

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  • MAIZ – Autonomes Zentrum von & für Migrantinnen, Hofgasse 11, 4020 Linz

03.09.2008 | 0:37 | REDAKTION

Der Linzer Verein MAIZ versucht, die Lebens- und Arbeitssituation von Migrantinnen zu verbessern.

LINZ. „Die westliche Welt neigt zu glauben, dass das Wissen des Abendlandes mehr Wert ist als jenes der Ex-Kolonien“, sagt Rubia Salgado, „aber das stimmt nicht.“ Es sei unvorstellbar, wie viel Mut und Wissen eine Frau braucht, um allein zu migrieren, um ihre Familie im Herkunftsland unterstützen zu können. Salgado ist Lehrerin und Koordinatorin des Bildungsbereichs Frauen beim Autonomen Zentrum von und für Migrantinnen MAIZ.

Der Verein hat sich auf Beratung und Ausbildung für Migrantinnen im Allgemeinen und Sexarbeiterinnen im Besonderen spezialisiert. Vor allem die Entwicklung eines kritischen Bewusstseins wird groß geschrieben. Die Lebenssituation der Frauen soll unter anderem durch Deutsch-, Alphabetisierungs- und Computerkurse sowie Vorqualifizierung für Gesundheits- und Pflegeberufe (etwa mit einem Massagekurs für Sexarbeiterinnen) gesichert werden. Bei der Beratung werden Fremdenrecht, Arbeits- und Wohnrecht, Betroffenheit von Gewalt und Probleme im Umgang mit Behörden diskutiert.

Die erste Selbstorganisation von und für Migrantinnen in Oberösterreich entstand im Jahr 1994. „Aus eigener Betroffenheit heraus haben wir begonnen, die Situation zu analysieren und uns für eine rechtliche und soziale Besserstellung einzusetzen, insbesondere im Falle der Sexarbeiterinnen“, erklärt die gebürtige Brasilianerin Salgado. Damals kamen Sexarbeiterinnen vor allem aus Lateinamerika: „Sie waren unsichtbar, als hätte es sie nie gegeben.“

Der Informationsbedarf war enorm, viele Frauen fühlten sich angesprochen. Die gewünschten Themen waren Gesundheitsprävention, Verbesserung der deutschen Sprache und Fragen rund um Visa. Heute bietet MAIZ weiter Beratung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit. Durch Weitergabe von Arbeitsmaterialien (Kondome, Schwämmchen, Gleitgel) wird auch ein Beitrag für die Gesundheit der Frauen geleistet. Darüber hinaus werden auch noch spezifische Infobroschüren und Lexika in neun verschiedenen Sprachen weitergegeben. Und ein weiteres Service: anonym und unbürokratisch können Betroffene über Ausstiegs- und Umstiegsmöglichkeiten sprechen.

Förderung aus Brüssel

Das Angebot wird dankbar angenommen, immerhin haben 90Prozent der Sexarbeiterinnen in Oberösterreich Migrationshintergrund. Die Europäische Union stellte die ersten finanziellen Mittel für MAIZ zur Verfügung. Heute noch sichert Brüssel neben nationalen Fördergebern die Subventionen für den Verein. Zahlreiche Auszeichnungen zeigen, wie sehr die Arbeit des Zentrums geschätzt wird: „Preise sind sehr nett, aber sind kein Finanzierungsmittel“, meinen die Mitarbeiterinnen, deren Anzahl heute fast 40 beträgt.

Mittlerweile konzentriert man sich aber nicht mehr nur auf Frauen – auch Jugendliche, die nicht in Österreich geboren sind, gelten heute als Zielgruppe für MAIZ. Sie bekommen Unterstützung bei der Vorbereitung für einen Hauptschulabschluss, der ihnen mehr Chancen und eine Verbesserung der Lebenssituation bringen soll. Der Weg in den Beruf ist aber meistens steinig: „Qualifizierte Jobs zu finden ist sehr schwierig“, so Salgado, „die Migranten sitzen auf der Reservebank.“


(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 03.09.2008)


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