Mehrsprachiges Betreuungszentrum für Kinder eröffnet im September

Jules Mekontchou, Kindergartenassistent, im Evangelischen Kindergarten Neue Donau der Diakonie bei einer Tanz-Choreographie (c) stay tuned new media

21.08.2012 | 12:06 | Alexander Ploberger

Weil Sprache ein wichtiger Faktor für das Produkt Integration ist, weil Hans nimmermehr lernt, was Hänschen nicht lernt, eröffnet im September das Kinder Bildungs- und Integrationszentrum Wien. Auch das aktuelle Migrationsjahrbuch der Statistik Austria weist darauf hin, dass professionelle Betreuung in Kindergärten den sprachlichen Aufholbedarf um mehr als die Hälfte senken kann.

Wien. Die Planung des Projektes Kinder Bildungs- und Integrationszentrum (KIBIZ) Wien begann im Jahr 2010. Renate Taurer, die pädagogische Leiterin des Zentrums, brachte damals bereits neun Jahre Berufserfahrung mit, zuletzt hatte sie drei Jahre in einem ägyptischen Kindergarten gearbeitet. Sie weiß daher auch über die Herausforderungen Bescheid, die multikulturelle Früherziehung mit sich bringt.

„Der 20. Bezirk ist der mit dem vierthöchsten Migrationsanteil in Wien“, erzählt Taurer. 56 Prozent der Kinder im Volksschulalter haben Migrationshintergrund. Bei den noch Jüngeren verhält es sich ähnlich. In den meisten der bestehenden Einrichtungen erfolgt die Betreuung ausschließlich auf Deutsch. Doch selbst wenn die Kinder von klein auf Deutsch erlernen, ist dies nicht zwangsläufig auch bei den Eltern der Fall. So kommt es zu Situationen, in denen Kinder für Eltern und Betreuer dolmetschen müssen, während diese die Probleme des Kindes besprechen.

Von Deutsch bis Indisch

In dem siebenstöckigen Haus des Kinder Bildungs- und Integrationszentrums in der Romanogasse soll das nicht vorkommen. Die Pädagoginnen und Pädagogen, die hier arbeiten, sind wie viele der angemeldeten Kinder mehrsprachig. Neben Deutsch und Englisch soll im KIBIZ unter anderem auch Russisch, Tschetschenisch, Indisch, Serbisch, Türkisch und Spanisch gesprochen werden. Kinder, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, sollen dabei zweisprachig betreut werden. Die bisherigen Anmeldungen deuten auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen österreichischen und Kindern mit Migrationshintergrund hin. „Der Vorteil von gemischten Gruppen ist, dass die Kinder untereinander Deutsch sprechen müssen.“, sagt Taurer.

Sprachfördernde Spiele sollen sowohl auf Deutsch stattfinden, als auch in den diversen Muttersprachen der Kinder. Auch das Morgengedicht, das von den Kindern selbst vorbereitet werden kann, soll dem Credo des KIBIZ entsprechend sowohl in Deutsch, als auch in der jeweiligen Muttersprache aufgesagt werden. Um ein Gebet handelt es sich dabei jedoch nicht. Um das Aufeinandertreffen vieler Kulturen funktionieren zu lassen, ist das Zentrum eine nicht-religiöse Einrichtung. Statt Ramazan Bayram, Weihnachten und Pessach werden deshalb Herbstfest, Winterfest und Frühlingsfest gefeiert.

Beim Start des KIBIZ Wien Mitte bis Ende September sind neun Kindergartengruppen geplant, außerdem bei ausreichender Nachfrage drei Hortgruppen. Das Zentrum wird somit das größte seiner Art in Wien sein.


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