Studie: Integration im Klassenzimmer

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22.06.2011 | 14:29 | Clara Akinyosoye

Migranten stören oder begünstigen das Klima in der Schulklasse nicht, so eine Studie. Im Rahmen der Untersuchung wurden 3099 Schüler aus verschiedenen Schultypen befragt. Wien und Salzburg lehnten eine Teilnahme ab.

Wien. Begünstigen oder stören Migranten das Klassenklima? Dieser Frage geht „Integration im Klassenzimmer“ nach, eine Studie des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Ein solcher Einfluss – weder positiv noch negativ – konnte grundsätzlich nicht nachgewiesen werden, so das Ergebnis. Allerdings: In den Bereichen Mobbing, Gewalt und schul-deviantes Verhalten (etwa Unpünktlichkeit) gebe es „signifikante Wirkungszusammenhänge“, sagt Studienautorin Monika Potkanski.

In Klassen mit hohem Migrantenanteil (67 bis 80 Prozent) und niedrigem Migrantenanteil (null bis 15 Prozent) kämen Mobbing und Gewalt häufiger vor. Klassen mit 16 bis 35 Prozent Migranten sind hingegen seltener betroffen.

Im Rahmen der Studie wurden 3099 Schüler aus verschiedenen Schultypen befragt. Allerdings nicht in Salzburg und auch nicht in Wien, wo ein Großteil der Schüler mit Migrationshintergrund zu finden ist. Das liegt daran, dass die Stadt- bzw. Landesschulräte für Wien und Salzburg keine Genehmigung für die Befragung erteilten.

Im Wiener Stadtschulrat begründet man die Absage mit Bedenken bezüglich der Methodik und Seriosität der Studie. Einige Fragen seien „doch sehr tendenziös“ gewesen, sagt Mathilde Zeman, Leiterin der Abteilung für Schulpsychologie.

 

„Zu viel Platz für Interpretation“

Schließlich sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Fragen nicht geeignet seien, neue Erkenntnisse für die Förderung von Integration zu ermitteln – und zu viel Platz für Interpretationen der Studienautoren zulassen. Auf Seiten des ÖIF kann man die Kritik nicht nachvollziehen und verweist darauf, dass die sieben anderen Bundesländer teilgenommen haben. Zudem seien die Fragen „in Zusammenarbeit mit Pädagogen, Lehrern und Direktoren erstellt“ worden.

 

(Clara Akinyosoye, „Die Presse“, Print-Ausgabe, 22.06.2011)

 


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