Onlineplattform Airbnb vernetzt Menschen auf der ganzen Welt

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© Airbnb Gründer: Joe Gebbia, Brian Chesky und Nathan Blecharczyk© Airbnb

27.06.2014 | 11:45 | Julia Cicona

Über 34.000 Städte in 190 Ländern- damit wirbt das Onlinenetzwerk „Airbnb“. Das Portal bietet eine Plattform, wo Unterkünfte auf der ganzen Welt inseriert oder gebucht werden können. Welche Erfahrungen Menschen aus Österreich gemacht haben, lesen Sie hier.

Letzten Oktober waren die zwei Oberösterreicher Geri und Dominik zwei Wochen zum Surfen auf Hawaii. Geri erinnert sich an seine Ankunft, als sie den Flughafen in Honolulu verlassen… „We are here,“ sagt Geri in sein Telefon. Sie stehen vor dem Flughafen, sehen sich um. Ein Mann kommt auf sie zu- kurze, blonde Haare, breite Schultern, stämmig, aber nicht durchtrainiert. „You must be Geri and Dominik“, sagt er. „And you are Thomas”, antwortet Geri. Der Amerikaner führt sie zu seinem Jeep. Blau ist dieser. Thomas ist in der US Navy als Ausbildner tätig. Geri und Dominik laden ihr Gepäck in den Jeep und steigen ein. Für die nächsten paar Tage sind Geri und Dominik seine Gäste.

Thomas ist einer von 600.000 Inserenten bei der Online Plattform „Airbnb“. 2008 kamen die Gründer Joe Gebbia und Brian Chesky (später auch Nathan Blecharczyk) auf die Idee der Plattform, als sie ihre Wohnung während einer großen Design-Messe in San Francisco online anboten. Auf dieser Plattform können Menschen auf der ganzen Welt Unterkünfte inserieren oder buchen. Dabei können die Behausungen verschiedenster Art sein: Wohnung, Villa, Baumhaus, Windmühle, Schloss- alles ist dabei. In Österreich gibt es rund 3.500 Airbnb Anzeigen. Die Anzahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 80% gestiegen. Auch die Anzahl der sogenannten „Empty-Nester“. Dies sind ältere Menschen, deren Kinder längst ausgezogen sind und welche sich mit Airbnb wieder Leben ins Haus holen wollen. Der Preis richtet sich nach dem Angebot, beispielsweise ob Handtücher vorhanden sind. Bei den Luxuswohnungen kann es vorkommen, dass auch ein Whirlpool oder Pförtner im Angebot stehen.

Der gute Gastgeber

Geri und Dominik haben zum ersten Mal bei Airbnb gebucht. Sie haben es gut erwischt. Thomas ist ein guter Gastgeber. Seine Gäste wohnen in einem sauberen, schönen Zimmer. Freundlich zeigt er ihnen alles. Im Garten wird gegrillt und Thomas lädt sie zum Essen ein. Hilfsbereit fährt er sie auch zum nächsten Supermarkt, schließlich kennen sich die Neuankömmlinge in der Gegend nicht aus.

Airbnb beschreibt auf seiner Seite, was ein Gastgeber tun kann, damit sich seine Gäste wohlfühlen. Thomas hat sich das zu Herzen genommen. „Wir haben 9 Gastgeber Standards, an die sich die Gastgeber bei Airbnb halten müssen. Darunter fallen zum Beispiel Sicherheit und Sauberkeit der Unterkunft. Wir haben ein 80-köpfiges Team, dass weltweit tätig ist und unser Angebot kontinuierlich nach diesen Kriterien analysiert. Gäste, die mit Airbnb reisen, sollen sich auf der ganzen Welt wie zu Hause fühlen können, daher legen wir großen wert auf die Sicherheit und das Erlebnis unserer Gäste bei ihrem Gastgeber.”, sagt Julian Trautwein, Head of Communications von Airbnb in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Zusätzlich füllen viele Gastgeber ihren Kühlschrank noch an, besorgen Kaffee oder Stadtpläne für ihre Gäste. Bei der Schlüsselübergabe lernen sich Gastgeber und Gast kennen und Einzelheiten, wie die Funktionsweisen von elektronischen Geräten, können noch geklärt werden. Gastgeber geben häufig auch nützliche Insider Tipps, wo man gut essen kann oder sich die aufregendsten Plätze der Stadt befinden. Somit fühlt sich der Gast auch nicht mehr als Tourist. Viele der Airbnb Nutzer sehen das als großes Plus.

Gastgeber können entscheiden, ob sie eine Anfrage beantworten und einen Gast aufnehmen wollen. „ Wenn jemand sein Profil nicht ausfüllt oder nur eine kurze Nachricht schreibt, ob das Zimmer noch frei ist, dann ist das komisch. Auf so dubiöse Anfragen antworten wir nicht“, erzählen Betti und Orlando. Sie sind ein Paar aus Wien und vermieten ihre Wohnung, wenn sie übers Wochenende zu ihren Familien fahren. Sie selbst haben ihr Profil auf Airbnb vollständig ausgefüllt. Sogar ihren Reisepass hat Betti eingescannt, als Identitätsbeweis. „Ein Freund hat uns Airbnb empfohlen. Er hat sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Bisher waren Leute aus Frankreich und Russland bei uns. Den Preis kann man individuell festlegen, je nach Ausstattung und Lage der Wohnung. Wir verlangen 55 Euro pro Gast“, erklärt Betti. Die Inserate auf Airbnb selbst sind kostenlos, das Unternehmen finanziet sich rein über eine Servicegebühr. Die beträgt für Gäste 6-12 Prozent (je nach Höhe des Preises), für Gastgeber 3 Prozent.

Ökologisch Gut

Nach dem Aufenthalt kann der Gast den Gastgeber beurteilen und umgekehrt. So steigt man auch in der Wertung und bekommt mehr Buchungen. Auf diese Weise lassen sich auch schwarze Schafe gut erkennen. Betti und Orlando sehen in Airbnb nicht nur eine Möglichkeit sparsam zu leben, sie finden Airbnb auch ökologisch gut. „Wir finden das sinnvoll, wenn nicht hunderte Hotels aus dem Boden gestampft werden müssen. Und wenn wir verreisen, steht unsere Wohnung leer. Das kann man besser nützen“, meint Orlando.

Airbnb ist Teil der „Sharing Economy“- eine Bezeichnung, die das Teilen von persönlichen Gegenständen mit anderen Menschen über das Internet bezeichnet. Mittlerweile kann man alles anbieten und austauschen: Menschen teilen ihr Auto bei „Carsharing“, tauschen oder verkaufen Kleidung bei „Kleiderkreisel“, bei „Kinderbox“ kann man alte Kinderbücher und Kleidung austauschen, sogar übriggebliebenes Essen lässt sich einfach bei „Foodsharing“ verschenken. Es ist ein Appell an die Menschen, ihre Ressourcen nicht zu verschwenden. Das macht Sinn, finden Betti und Orlando. Auch Karo hält das für eine gute Idee. Sie vermietet ihre Wohnungen in Hamburg und Wien. Ihr geht es aber primär ums Geld sparen. „Ich habe sicher schon 15 Mal mit Airbnb vermietet. Für Reisende ist das einfach günstiger. Auch für mich lohnt es sich. In Hamburg habe ich eine Eigentumswohnung, in Wien eine Mietwohnung. Die Mieten sind hier extrem teuer“, erzählt sie.

Wenn etwas schief geht

Karo hat nicht nur gute Erfahrungen mit den Mietern gemacht. „Manche Leute lassen ihre Haare im Abfluss liegen- das finde ich eklig. Gestohlen wurde mir noch nichts. Aber meine weiße Ledercouch in meiner Wohnung in Hamburg wurde ruiniert. Ich hatte zwei Mieter in der Wohnung, dazwischen aber leider keine Zeit, die Wohnung zu prüfen. Als ich dann die Couch sah, war das Leder zerkratzt, der Schaumstoff quoll raus. Ich habe beiden Mietern geschrieben. Die haben natürlich gesagt, es nicht gewesen zu sein. Ich habe alle verlangten Dokumente an Airbnb geschickt und um eine Entschädigung gebeten. Bekommen habe ich nichts“, erzählt Karo.

Nachdem in San Francisco die Wohnung einer Frau, die sie über Airbnb vermietet hatte, von den Mietern verwüstet wurde, entschloss sich das Unternehmen eine Gastgeber-Garantie einzurichten. Diese solle als Absicherung dienen, im Falle, dass Eigentum beschädigt worden war oder gar fehle. Bis zu 700.000 soll die Versicherung abdecken. Wer sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) genauer durchliest, bemerkt schnell, dass die Airbnb Gastgebergarantie bei vielen Dingen Fragen offenlässt. Beispielsweise wird nicht erklärt, was unter „gewöhnliche Abnutzungserscheinungen“ verstanden wird. Die Schäden an Karos Couch wurden vom Unternehmen als solche eingestuft. Karo ist unzufrieden- für sie sehen gewöhnliche Abnutzungserscheinungen anders aus.

„Unter gewöhnliche Abnutzungserscheinungen fallen Dinge, wie z.B. ein zerbrochenes Glas oder gewöhnliche Gebrauchsspuren. Alles was mutwillig passiert fällt nicht darunter. Wir prüfen jede Anfrage individuell. Für den Fall, dass doch einmal etwas zu Bruch geht, haben wir unsere Gastgeber-Garantie eingeführt“, erklärt Julian Trautwein. Laut AGB’s muss aber jeder Gastgeber für Zerstörtes oder Fehlendes Beweise vorlegen, am Besten also die Wohnung abfotografieren. Wer ganz genau wissen will, was mit manchen AGB Bestimmungen gemeint ist, muss das in der jeweiligen Judikatur des Landes nachlesen.

Das Unternehmen empfiehlt ebenfalls, dass sich Gastgeber und Gast selbst gut über die Rechtslage in ihrem Land informieren und eine Kaution von den Gästen zu verlangen, die solche Schäden abdeckt. Wichtig ist, sich zusätzlich zu versichern. Denn die Garantie, welche Airbnb anbietet, ersetzt keine Haushaltsversicherung oder Haftpflichtversicherung. Karo hatte eine Haushaltsversicherung, jedoch deckt diese ebenso wenig die Schäden ab. Auch hier gilt, genau nachlesen. Karo bleiben also nur zwei Möglichkeiten: akzeptieren, dass die Couch nicht ersetzt wird oder den Fall vor Gericht austragen.

Man kann überall Glück und Pech haben

Auch Heidi war mit Airbnb in Hawaii unterwegs: „Ich hatte das Gefühl, dass manche Wohnungen nur gebaut oder gekauft werden, um sie professionell zu vermieten. Die Zimmer waren sauber, aber bei den Betten und Duschen merkte man, dass sie älter und abgerockter waren, als auf den Fotos im Internet“, erzählt sie. Laut Julian Trautwein sind 75 Prozent der Unterkünfte die Erstwohnsitze der Gastgeber. Auch Ferienwohnungen sind über Airbnb zu finden. Er rät sich die Bewertungen anzusehen, diese gäben oft Aufschluss über den tatsächlichen Standard der Wohnung. Heidi ist aber dennoch zufrieden mit dem Angebot: „Wir hatten auch ein Hotel in einem Reisebüro gebucht, das letztendlich wesentlich älter war, als beschrieben. Man kann überall Glück und Pech haben. Ich finde die Idee von Airbnb super und würde es trotzdem weiterempfehlen.“


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