Religion: Wie Muslime Weihnachten feiern

Muslime-Weihnachten - ©Asma Aiad
AUF EINEN BLICK:
  • Weihnachten: In der islamischen Welt spielt Weihnachten keine Rolle. Für Muslime ist Jesus ein Prophet, nicht der Sohn Gottes. Junge Muslime in Österreich sind aber mit dem Brauch aufgewachsen und feiern zum Teil auch mit. Beim Gang auf den Christkindlmarkt dürfen gläubige Muslime auch Punsch trinken – allerdings nur alkoholfreien Kinderpunsch.

18.12.2012 | 21:16 | Nermin Ismail

Junge Muslime in Österreich sehen Weihnachten als eine österreichische Tradition, die sie auch zelebrieren wollen. Nur eine religiöse Bedeutung messen sie dem Fest nicht bei.

„Ich liebe Weihnachten“, sagt Salma. Wenn der Geruch von Apfel, Zimt und Weihnachtsgebäck in der Luft liegt und die Straßen liebevoll geschmückt und mit Lichterketten beleuchtet werden, freut sich die 20-Jährige. Salma ist keine Christin, aber in Wien geboren und groß geworden. Und für sie ist die Weihnachtszeit eine schöne Tradition. Der Frage, ob denn auch Muslime Weihnachten feiern, begegnet Salma zu dieser Jahreszeit nicht selten.

Welche Antwort man auf eine solche Frage bekommt, ist natürlich individuell verschieden, die einen feiern, die anderen nicht. In Salmas Fall ist es aber klar – sie sieht Weihnachten als eine österreichische Tradition. Und als Österreicherin will sie sie auch in ihrer Art und Weise ausleben – ohne dass sich dahinter eine religiöse Motivation verbirgt. „Ich muss ja keinen Weihnachtsbaum kaufen und nicht mit der Familie eine Weihnachtsgans verspeisen.“ Seit der Schulzeit beschenkt sie Freunde, backt Kekse, schaut sich Weihnachtsfilme an und spaziert über den Christkindlmarkt.

„Respekt und Anerkennung“

Auch Sally Yacoub (Name geändert) ist Muslima, und auch sie genießt Weihnachten. Wobei die Sache bei ihr komplizierter ist. Ihre Familie ist nicht nur multiethnisch, sondern auch multireligiös: Die Mutter ist christlich, Vater und Kinder sind muslimisch. Zu Weihnachten besuchen sie ihre Großmutter und treffen die christliche Seite der Familie. „Wir sitzen zusammen, naschen vom Weihnachtsbaum und bekommen von der Omi ein bisschen Geld“, erzählt Sally. Selbst gebastelte Geschenke, Kekse und Lebkuchen sind unverzichtbare Bestandteile des Festes. Den christlichen Verwandten werden Karten geschickt – „als Zeichen von Respekt und Anerkennung“, sagt die 16-Jährige.

Die islamischen Feiertage kennt Sally „nicht genau“. Nur das Ende des Fastenmonats Ramadan ist immer ein besonderer Tag, an dem die Familie zusammenkommt und im kleinen Kreis feiert. Geschenke sind Sally im Zusammenhang mit religiösen Feiertagen aber eher fremd: „Wir fasten ja nicht für Geschenke.“ Nur in der Schule, da wird jedes Jahr Engerl Bengerl gespielt. Jeder Schüler zieht einen Namen und schenkt dem Mitschüler eine Kleinigkeit am letzten Schultag vor den Ferien – egal, ob Christen oder Muslime.

Derya Seker ist zweifache Mutter. Auch ihre Tochter und ihr Sohn feiern in der Schule mit und bringen gebastelte Geschenke mit nach Hause. Seker findet das in Ordnung. Was sie aber nicht versteht ist, warum Weihnachten so groß gefeiert wird – während andere religiös begründete Festlichkeiten in der Schule kaum zelebriert werden. „Das ist sehr schade, wenn man die Feste der muslimischen und andersgläubigen Kinder ignoriert“, meint die 29-jährige Pädagogikstudentin. Für sie sei es ein Zeichen von Realitätsverweigerung, wenn die Hälfte der Klasse aus Muslimen besteht – und trotzdem niemand zum Opferfest gratuliert. Obwohl es nicht ihre Religion sei, werde den Kindern gewissermaßen aufgezwungen, Weihnachten zu feiern. „Es stört mich nicht, aber andere Religionen sollten gleichberechtigt behandelt werden.“

Brauchtum statt Religion

Mona Egarter hat die Schulzeit bereits hinter sich. Damals hat sie Weihnachten gefeiert und ist auch regelmäßig in die Kirche gegangen. Heute ist sie zum Islam konvertiert. „Die religiöse Bedeutung von Weihnachten war mir nie so ganz klar, aber es ist das Brauchtum dem ich mich verbunden fühle und mit dem ich aufgewachsen bin“, meint sie. Die letzten drei Jahre verbrachte die 23-jährige Muslimin nicht in Wien – und nun freut sie sich „wie ein kleines Kind endlich wieder auf Weihnachtstage im Kreise meiner Familie“.

Wobei, ein Aspekt am Feiern von Weihnachten stört sie – dass nämlich in der österreichischen Gesellschaft daraus „Konsumrausch und ein wahnsinniger Einkaufsstress“ werden. Bewusst versucht sie, sich dem zu entziehen. Denn auch wenn Weihnachten eine schöne Tradition sei, müsse man kritisch damit umgehen und den Sinn der Sache nicht aus den Augen verlieren. Für Mona Egarter ist es keine „heilige Nacht in dem Sinne, aber es ist eine nette Erinnerung an die Kindheit“. Weihnachten hat eine Bedeutung – „keine religiöse, aber eine stark emotionale“.


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