“Schokohupf mit Schlag” & Co – Wiens Lokale kreieren neue Namen

Ein Lokal in Wien - ©Milagros Martinez-Flener

21.03.2012 | 14:04 | Armand Feka

Viele Lokale und Restaurants in Wien haben aus eigener Initiative Neuschöpfungen für diskriminierende Speisenamen eingeführt. Zum Beispiel die Neuformulierung: „Schokohupf mit Schlag“.

Wien. Während die Diskussion um diskriminierende Bezeichnungen, wie „Mohr im Hemd“ weiter an Fahrt aufnimmt, gibt es auch einige Lokale in Wien, die schon mit positivem Beispiel vorangegangen sind. Das Hawidere im neunten Wiener Gemeindebezirk hat etwa die Bezeichnung von „Mohr im Hemd“ bereits 2007 aus eigener Motivation geändert. Geschäftsführer Adalbert Windisch hält die Argumente der Umbenennungsgegner in der aktuellen Debatte für „unerträglich“: „Die Rückmeldungen unserer Gäste waren durchwegs positiv, das hat unsere Entscheidung nachträglich bestätigt“, sagt er. Und: Beim Umsatz habe es keinerlei Einbrüche gegeben.

Einige Lokale ergriffen selbst die Initiative, wieder andere wurden erst durch Gastronomieverbände und Medien auf das Thema aufmerksam. So wie etwa Rupert Hutter, Inhaber des Rupp’s im fünften Bezirk. Wie andere Gaststätten auch, hat er den Namen für die Süßspeise vor über einem Jahr geändert – weil es ihm empfohlen wurde. Die Neuformulierung „Schokohupf mit Schlag“ machte ihm nichts aus, er bediente sich bei der Suche bei Wikipedia. Hutter sieht aber auch die Hersteller der Süßspeisen in die Pflicht genommen. „Wenn man in die Kühlregale schaut, heißen die Produkte nach wie vor ,Mohr im Hemd‘, da hat sich nichts geändert.“ Einige Gastronomen meinen wiederum, man solle sich eher um faktische Diskriminierung kümmern. Berndt Querfeld, Geschäftsführer des Café Landtmann, hat die Süßspeise zwar schon länger nicht mehr auf der Karte. Dennoch meint er: „Zunächst sollten wir einmal richtigen Rassismus ansprechen, also die wirklichen Probleme, die wir haben.“

„Kontraproduktive Diskussion“

Gernot Liska, stellvertretender Geschäftsführer des Gastronomie-Fachverbandes in der Wirtschaftskammer (WKÖ), der mit SOS-Mitmensch das Thema ins Rollen gebracht hat, fühlt sich etwas überwältigt. „Wir wollten die Leute sensibilisieren, daher auch der interne Newsletter.“ Man sei eine weltoffene und multiethnische Branche, „die derzeitige Debatte ist eher kontraproduktiv.“ Tatsächlich ist Liska eher mit Rückmeldungen der Mitglieder konfrontiert, die fragen, ob die WKÖ nichts Besseres zu tun habe.

Beispiele wie das „Hawidere“ zeigen aber, dass das längst nicht alle Mitglieder so sehen. Auch das „Top Kino“ in der Schleifmühlgasse hat die Bezeichnung bereits vor mehr als sechs Jahren aus den Karten gestrichen. Geschäftsführer Joachim Wegenstein beschreibt das mit zwei Worten: „moralische Verantwortung“.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 21.03.2012)


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