Schwarze Menschen in Österreich 2010 – Die Zusammenfassung

Jahresbericht2010
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16.06.2011 | 15:59 | simon INOU und Clara Akinyosoye

Wien, 16. Juni 2011 – Der zweite Jahresbericht zur Situation Schwarzer Menschen in Österreich stellt das Thema Bildung in den Mittelpunkt. Welches Afrikabild transportieren Schulbücher? In welchen Schultypen ist der Großteil afrikanischer SchülerInnen zu finden und wie sieht die Situation von afrikanischen StudentInnen in Österreich aus. Braucht es eine afrikanische Schule in der Alpenrepublik? Fragen wie diesen geht der Lagebericht heuer – im Bildungsjahr – auf den Grund. Der Bericht zeigt auch, dass die Anwesenheit von Schwarzen Menschen in Österreich keine neue Entwicklung ist, sondern sie schon seit der Antike anzutreffen sind. Der Jahresbericht umfasst verschiedene Themenbereiche, die gemeinsam ein vielfältiges Bild der Schwarzen Bevölkerung Österreichs zeichnen. Einer Bevölkerung, deren Angehörige – wie das Kapitel über Afro-BrasilanerInnen zeigt – nicht zwangsläufig afrikanische ZuwanderInnen sein müssen. Der Bericht zeigt eine Community, die österreichweit in Vereinen organisiert und europaweit gut vernetzt ist. Der Bericht gibt Einblick in eine Community, die zwar von rassistischen Rahmenbedingungen behindert wird, aber trotzdem erfolgreiche Vorbilder aufweisen kann.

Der Lagebericht kann in fünf zentrale Punkte zusammengefasst werden:

Bildung: Das Afrikabild in den Schulbüchern ist von Einseitigkeit und negativen Stereotypen geprägt. Afrika wird als ein homogener Raum konstruiert, in dem Probleme und Katastrophen vorherrschen. Kriege, wirtschaftliche und politische Probleme, sowie Armut und sogenannte „Unterentwicklung“ stehen im Vordergrund. AfrikanerInnen werden als wild und aggressiv dargestellt. Die Geschichtsschreibung wird in der Regel mit der Zeit der Kolonialisierung begonnen. Von der vielfältigen Geschichte der verschiedenen afrikanischen Königsreiche wird außer der Hochkultur Ägyptens kaum etwas berichtet. So erhalten SchülerInnen ein Afrikabild, das mit der Realität nicht übereinstimmt und nicht nur ein schlechtes Bild auf Afrika, sondern auch auf MigrantInnen aus afrikanischen Ländern wirft. Darunter müssen auch afrikanische SchülerInnen leiden. Sie bekommen kaum differenzierte Informationen über ihre Herkunftsländer bzw. die Herkunftsländer ihrer Eltern und Großeltern. Gerade deswegen etablieren andere Communities eigene Schulen. In den afrikanischen Communities gibt es so etwas allerdings noch nicht. Im Schuljahr 2009/2010 gab es 1.913 afrikanische SchülerInnen in österreichischen Bildungsinstitutionen. 26 Prozent besuchten eine Hauptschule, 12 Prozent eine AHS. Im Jahr 2009/2010 gab es 699 StudentInnen mit einer afrikanischen Staatsbürgerschaft. Für StudentInnen, die aus afrikanischen Ländern kommen, wird es zukünftig schwieriger werden in Österreich ein Studium zu absolvieren. Denn das Eine-Welt-Stipendienprogramm des Afro-Asiatischen Instituts, das in den letzten Jahrzehnten vielen StudentInnen aus afrikanischen Ländern durch ein Stipendium ein Studium in Österreich ermöglicht hat, wird im Herbst 2011 eingestellt.

Geschichte: Die Anwesenheit Schwarzer Menschen ist nicht nur ein Phänomen der Gegenwart. Schwarze Menschen waren schon vor etwa zweitausend Jahren in Österreich präsent. Sogar schon zur Zeit des römischen Weltreiches kamen bereits Schwarze Menschen ins Land, etwa Legionäre aus Nordafrika. Auch im Mittelalter trafen vereinzelt Schwarze Menschen in Österreich ein. Dies geschah meist im Verlauf der Kreuzzüge. Der staufische Kaiser Friedrich II. (reg. 1212-1250) unterhielt Schwarze Musiker und Soldaten in seinem Hofstaat. Im Mittelalter wurde – durch die Existenz Schwarzer islamischer Truppen – „Schwarz“ mitunter als „feindlich“ angesehen. In der frühen Neuzeit kamen durch Menschenhandel Schwarze SklavInnen nach Europa und durch die guten Verbindungen des portugiesischen Könighaus mit den Habsburger gelangten SklavInnen auch nach Österreich. Allein für Wien sind aus dem 17. und 18. Jahrhundert knapp 50 Schwarze Menschen bekannt. Schwarze Menschen kamen im Laufe der Zeit auf unterschiedlichen Wegen aus unterschiedlichen Gründen – etwa als SklavInnen, Soldaten, Priester u.a. – nach Österreich. Die aktuelle Zuwanderung aus afrikanischen Ländern ist in diesem Sinne als eine Weiterführung der schon immer dagewesenen Migration nach Österreich zu verstehen.

Anti-Schwarze-Rassismus: Im Lagebericht 2009 wurde schon auf den Anti-Schwarze-Rassismus hingewiesen. Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) bestätigte 2010 die Existenz dieser außerordentlichen Form von Rassismus von Anti-Schwarze-Rassismus in ihrem Bericht. Schwarze Menschen sind in Österreich nach wie vor von Rassismus betroffen. Das betrifft alle Lebensbereiche, sowohl im Kontakt mit der Polizei, am Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Alltag und beim Zugang zu öffentlichen Lokalen. Gerade AsylweberInnen aus afrikanischen Ländern sehen sich vermehrt mit einer strukturell diskriminierenden Gesetzgebung konfrontiert, die ihnen die Chance auf Asyl und ein Leben in Österreich erschweren. Die Auswirkungen, die Rassismus auf die Betroffenen hat, sind mitunter verheerend. Rassismus kann etwa negativ auf den Selbstwert einwirken, Depressionen, aber auch Traumata verursachen.

Schwarze Frauen in der EU: Schwarze Frauen sind europaweit gut vernetzt. Der Grundstein dafür wurde im Jahr 2007 in Wien gelegt. AFRA veranstaltete den ersten „Schwarze Europäische Frauenkongress“, bei dem etwa 130 TeilnehmerInnen aus 16 EU-Mitgliedstaaten, der Schweiz und den USA anwesend waren. Im Anschluss an den Kongress wurde die Wiener Deklaration Schwarzer Europäischer Frauen verabschiedet und der Schwarze Europäische Frauenrat (Black European Women’s Council – BEWC) gegründet. Im September 2008 wurde der BEWC offiziell in Brüssel verabschiedet. Zweck von BEWC ist es etwa, Themen die Schwarze Frauen betreffen auf die politische Agenda zu setzen und sicherzustellen, dass Schwarze Frauen in Debatten und bei Maßnahmen auf europäischer Ebene vertreten sind. Auch im Zuge des mehrfach ausgezeichneten „Black Women in Europe Blog“ von der Afro-Amerikanerin Adrienne George werden Schwarze Frauen in Europa miteinander vernetzt. Jährlich wird eine Powerlist erstellt, die die einflussreichsten Schwarzen Frauen Europas nennt. Drei der einflussreichsten Schwarzen Frauen in Europa kommen aus Österreich: AFRA Obfrau und Vorsitzende des BEWC, Beatrice Achaleke, Opernsängerin Grace Bumbry und die stellvertretende Direktorin des International Press Institues in Wien, Alison Bethel McKenzie.

Schwarze Persönlichkeiten: Auch wenn die Rahmenbedingungen in Österreich mitunter ein erfolgreiches Fortkommen von Schwarzen Menschen behindern, können die Schwarzen Communities auf eine Reihe erfolgreicher Vorbilder verweisen. Die Afro-ÖsterreicherInnen, Marie Edwige Hartig (Gemeinderätin), John Okoro (Bischof der altkatholischen Kirche) und Claudia Unterweger (ORF Moderatorin) geben in einem Interview Auskunft darüber, wie sie dahin gekommen sind, wo sie jetzt stehen, ob sie Hindernissen ausweichen mussten und was sie an Österreich kritisieren und schätzen.

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ein Kommentar

  • hirsch

    ok Geschrieben um 1. März 2015 um 17:27 Antworten

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