Siebenten-Tags-Adventisten in Österreich

Orlin Dimitrov im Adventhaus Wien. Mitglied des Kirchenrates - ©Mili Flener
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  • Die Kirche geht auf amerikanische Erweckungsbewegungen des 19 Jahrhundert und den Baptistenprediger William Miller zurück. 1863 als Kirche der Siebenten-Tages-Adventisten konstituiert. Derzeit leben 3.871 getaufte Gemeindemitglieder Österreichweit davon sind an die 80 Bulgaren. Die meisten Adventisten mit Migrationshintergrund kommen aus dem ehemalige Jugoslawien (an die 500) und Rumänien (an die 300).

05.04.2011 | 17:48 | Milena Borovska

In Österreich leben rund 3800 Menschen, die der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten angehören. Der Großteil kommt aus Ex-Jugoslawien und Rumänien, besonders aktiv sind auch die rund 80 Bulgaren.

Wien. Lyuba Toncheva wurde der Adventismus nicht in die Wiege gelegt: „Mein Vater hat nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Bulgarien nach Gott gesucht, die Antworten auf seine Fragen hat er nur in der Siebenten-Tags-Adventisten-Kirche gefunden“ – einer Glaubensgemeinschaft, die ihren Glauben ausschließlich auf die Bibel stützt.

„Es ist eine strenge Glaubensrichtung, aber unsere Statuten beruhen auf dem Wort Gottes und sind nicht willkürlich“, sagt die junge Bulgarin. Das adventistische Menschenbild verlangt Gebotserfüllung und gesunden Lebenswandel. Missionarisches und soziales Engagement sind erwünscht.

Die Kirche, die in Österreich den Status einer staatlich eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaft hat, geht auf amerikanische Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts und den Baptistenprediger William Miller zurück. 1863 wurde die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten konstituiert. Derzeit leben 3871 getaufte Gemeindemitglieder österreichweit, unter ihnen rund 80 Bulgaren. Die meisten Adventisten mit Migrationshintergrund kommen aus dem ehemaligen Jugoslawien (an die 500) und Rumänien (an die 300).

Sabbat wird eingehalten

Hans Jürgen Cihak arbeitet in der Adventistischen Privatschule Arche Noah: „Wir sind eine christliche Weltkirche mit rund 17 Millionen Gemeindegliedern in 206 Ländern.“ Rund um den Erdball halten die Adventisten den Sabbat, den siebenten Tag der Woche, heilig. Gottesdienst und Bibelgespräch sind die wichtigsten Pfeiler des Gemeindelebens.

Bei der Predigt im Wiener Adventhaus in Wien Alsergrund gibt es für Fremdsprachige eine Simultanübersetzung via Funk. Sie wird per Stream im Internet übertragen. Danach werden Bibelgespräche in Gruppen und verschiedenen Sprachen abgehalten. Finanziert wird die Tätigkeit der Kirche durch den „Zehnten“ (zehn Prozent des Einkommens der Gläubigen). Damit sind die Kosten für Pastor, Infrastruktur und Mission gedeckt.

Die Gruppe der Bulgaren ist zwar klein, aber sehr aktiv. „Im Kirchenrat des Adventhauses, der das Kirchenleben organisiert, sitzt fast immer irgendwo ein Bulgare“, scherzt Gemeindemitglied und Musiker Orlin Dimitrov. Auch Lyuba Toncheva fühlt sich hier wohl: „Die meisten unserer Freunde sind aus der Kirche. Wir haben auch Freunde außerhalb, aber wenn man mit denen weggeht, fühlt man sich manchmal etwas merkwürdig, weil man ja keinen Alkohol trinkt.“

Kirchenrechtsexperte Richard Potz sieht die Integrationsleistung der Bekenntnisgemeinschaft der Adventisten etwas kritischer: „Es kommt zur Integration in eine anerkannte Gruppierung. Es kann aber auch ein Nachteil sein, denn wenn man in einer kleinen Gruppe stark eingebunden ist, kann es zu einer Isolierung kommen. Das führt zu einem Phänomen, das vor allem im Zusammenhang mit muslimischen Migranten verwendet wird, der ,Parallelgesellschaft‘.“

(MILENA BOROVSKA, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 06.04.2011)

 


ein Kommentar

  • CB Schäffler

    Gut redigierter Artikel. Ohne Vorurteile. Etwas zu kurz kommen die zwischenkirchlichen Beziehungen auf Weltebene (Dialoge mit Lutheranern, Reformierten, Prsbyterianern, Heilsarmee, mit dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen, der Weltweiten Evangelischen Allianz und den Mennonite). Diese Lücke ist verständlich, weil es leider in Österreich kaum Kontakte zu anderen christlichen Kirchen bzw. zum ÖRKÖ gibt. Das hängt damit zusammen, dass die derzeitige Kirchenleitung in Österreich solche "Verbindungen" meidet, obwohl die Weltkirche "jede Organisation" anerkennt, "die Christus vor den Menschen erhöht, als Bestandteil des göttlichen Plans zur Evangelisierung der Welt". Adventisten "haben höchste Achtung vor den christlichen Männern und Frauen in anderen Gemeinschaften, die sich darum bemühen, Menschen für Christus zu gewinnen." (Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten, Arbeitsrichtlinien, 1985, 0 75.) Vielleicht gibt es auch einmal einen adventistischen Kirchenfrühling in Österreich! Geschrieben um 3. Juni 2011 um 16:35 Antworten

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