Staatliche Anerkennung des Hinduismus?

Hinduismus Feier in Wien - ©

07.12.2011 | 12:00 | Prerana Dahal Sharma und Ania Haar

Religion. Hindus in Österreich kämpfen darum, dass ihre Religion staatlich anerkannt ist.

Wien. „Es ist wichtig für die Kinder, dass sie ihre Religion auf dem Schulzeugnis angeben können – so, wie es auch die anderen Kinder tun“, betont Christina Kundu, die stellvertretende Generalsekretärin der hinduistischen Religionsgesellschaft (HRÖ). „Denn es geht um ihre Identität.“ Jeden Samstag kommt eine Gruppe von Kindern in das afroasiatische Institut, um ihre hinduistischen Wurzeln zu erkunden. Diese Reise treten sie mit Kundu an, die sie liebevoll „die Oma“ nennen.

Derzeit ist Hinduismus noch nicht Teil des Lehrplans an österreichischen Schulen. Durch die Anerkennung als Bekenntnisgemeinschaft ist es aber möglich, außerhalb der Schule am Religionsunterricht teilzunehmen und diesen anerkennen zu lassen. Dank der HRÖ können hinduistische Kinder ihre Religionszugehörigkeit auf dem Schulzeugnis angeben, was vor einem Jahr noch nicht möglich war, da sie nicht als Gläubige galten. Dabei gehört Hinduismus zu den ältesten Religionen der Welt – auch wenn es keine homogene Religion ist, sondern eine Verschmelzung verschiedener Glaubensrichtungen. Und das scheint eine der Schwierigkeiten zu sein, warum Hinduismus in Österreich bis heute keine gesetzlich anerkannte Religion ist. Ginge es nach Kundu, sollten auch Hindus anerkannt werden. Dadurch könnten unter anderem mehr Priester aus dem Ausland nach Österreich geholt werden, ohne dass sie dem Fremdengesetz unterliegen würden.

Stark abweichende Zahlen

In Österreich ist Hinduismus eine staatlich anerkannte Bekenntnisgemeinschaft. Die meisten Hindus kommen aus Indien, Nepal und Bangladesch. Laut der Volkszählung im Jahr 2001 leben in Österreich 3629 Hindus. Laut HRÖ sind es aber 10.000 bis 12.000. Wie kommt es zu den unterschiedlichen Zahlen? Viele Hindus registrieren sich nicht als Hindu, weil ihnen diese Vorgehensweise nicht bekannt ist. In Indien ist dies nicht üblich. Viele werden damit bis zur Volkszählung nicht konfrontiert. Das Kultusministerium erkennt Kirchen und Religionsgemeinschaften an, die mindestens 16.000 Mitglieder haben. Erst dann genießen sie die vollen Rechte einer staatlich anerkannten Religion.

Also versucht die HRÖ als offizieller Vertreter der Hindus in Österreich, die verschiedenen Strömungen unter ein Dach zu bringen. „Wir müssen sehr viel PR unter Hindus machen, denn sie verstehen nicht, dass man sich hier registrieren lassen muss“, sagt Kundu. Derzeit gibt es 200 registrierte Mitglieder. Es dürften aber weiter mehr sein.

Die Anfänge der hinduistischen Religionsgemeinschaft gehen in die 80er-Jahre zurück, als die Zahl der indischen Zuwanderer angestiegen ist. Im afroasiatischen Institut wurde eine Abstellkammer in einen Gebetsraum adaptiert. Derzeit gibt es in Wien drei hinduistische Mandirs (Tempel).

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 07.12.2011)


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