Unglückliche Straßennamen: Mohren, Negerle und Co.

22.09.2011 | 20:12 | Milagros Martinez-Flener

Einige Gassen in der Bundeshauptstadt haben einen Bezug zu Afrika. Marokkanergasse im 3. Bezirk war die erste Wiens. Doch nicht alle Menschen mit afrikanischen Wurzeln sind über so manche Benennung glücklich.

Wien. Die Marokkanergasse im 3. Bezirk war die erste Straße Wiens, die eine afrikanische Bezeichnung hatte. Sie wurde 1790 in Erinnerung an den Besuch einer marokkanischen Abordnung so getauft. Auch eine weitere Gasse, diesmal im 2. Bezirk, wurde zunächst auf diesen Namen getauft – 1862 wurde sie schließlich auf den Namen „Afrikanergasse“ umgetauft – der Hintergrund: Dort logierte ein Gesandter aus Afrika.

1862 und 1876 erhielten zwei Straßen in der Leopoldstadt weitere Namen mit Afrika-Bezug – die Große bzw. Kleine Mohrengasse erhielten ihre Namen in Anlehnung an Hausschilder – vermutlich verbargen sich dahinter Kaffeehäuser. Die Recherchegruppe zur Schwarzen Österreichischen Geschichte hat ihre Umbenennung beantragt – man sieht dahinter eine Diskriminierung.

Als weitere Referenz an Afrika sind auch österreichische Afrikaforscher in Straßennamen zu finden. Im 3. Bezirk erinnert die Hansalgasse an Ludwig Hansal, Vizekonsul in Khartum, die Slatingasse an Rudolf Slatin, Gouverneur im Sudan, die Baumanngasse erhielt ihren Namen von Oscar Baumann, der den Sansibar-Archipel kartierte. Die Marnogasse im 14. Bezirk wiederum ist Ernst Marno, Forscher im Sudan, gewidmet. Die Ludwig-von-Höhnel-Gasse im 10. Bezirk erinnert an jenen Forscher, der den Rudolfsee in Kenia und den Stefaniesee in Äthiopien für die Europäer entdeckte.

Die Makebagasse im 22. Bezirk ist die einzige Gasse in Wien, die einer afrikanischen Persönlichkeit gewidmet ist. Der Gemeinderatsausschuss beschloss im Juni 2011 einstimmig, die Gasse nach der südafrikanischen Sängerin und Kämpferin gegen die Apartheid, Miriam Makeba, zu benennen.

Nichts mit alledem hat übrigens die Negerlegasse im 2. Bezirk zu tun – auch wenn das manche glauben. Sie verdankt ihren Namen nicht schwarzen Kindern, sondern dem Kaufmann Michael Negerle, der 1862 das erste Haus in der Gasse erbaut hat.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 21.09.2011)


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