US-Botschaft: „Österreich muss seinen eigenen Weg finden“

jan krc foto

17.07.2011 | 23:44 | Nermin Ismail

Vielfalt und Toleranz – unter diesem Motto steht ein Wettbewerb der US. Botschaft in Wien. Wie die Idee entstanden ist und welche Rolle die Botschaft in den Integrationsdebatten in Österreich leisten kann erzählt der Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten Jan Krč. Die Fragen stellte Nermin Ismail.

M-MEDIA: Die Schlagwörter des Video Wettbewerbes lauten “Toleranz und Diversität”. Woher kam die Idee für das Preisausschreiben?

Krč: Die Förderung der Menschenrechte ist seit langem eines der Hauptanliegen der U.S. Außenpolitik. Während wir in der U.S. Botschaft Veranstaltungen zu diesem Thema abhalten, mit dem Ziel, verschiedene Hörerkreise damit anzusprechen, wird trotzdem manchmal das jüngere Publikum damit nicht erreicht. Daher sind wir auf  die Idee gekommen, österreichische Teenager auf die Themen Toleranz und Diversität aufmerksam zu machen und ihre Auseinandersetzung damit zu fördern. Das erreicht man am besten durch einen Video Wettbewerb, mit der Aussicht auf einen Preis und eine Siegerehrung, wo die besten Beiträge gewürdigt werden.

M-MEDIA: Was ist der Zweck und die Motivation des Projekts?

Krč: In einer Zeit in der schon zu viele Politiker und Parteien an fremdenfeindliche, rassistische und homophobe Impulse appellieren, wollten wir jungen Menschen eine Möglichkeit geben, sich gegen diesen beunruhigenden Trend zu stellen und sich für Toleranz und Diversität einzusetzen. Die neuen Technologien machen es uns möglich mit YouTube viele Menschen zu erreichen.

M-MEDIA: Visuelle Medien spielen eine große Rolle auch hinsichtlich der Demokratisierungsprozesse in der arabischen Region – warum haben Sie speziell dieses Medium gewählt?

Krč: Visuelle Medien sind äußerst beliebt. Das Sprichwort “Ein Bild zählt mehr als tausend Worte” ist heutzutage passender als je zuvor. Außerdem können visuelle Bilder oft über das geschriebene Wort hinausgehen, weil letzteres das Publikum auf eine bestimmte Sprache festlegt.

M-MEDIA: Welche Rolle spielt die U.S. Botschaft in der österreichischen Integrationsdebatte?

Krč: Die U.S. Botschaft spielt keine direkte Rolle in internen österreichischen politischen Auseinandersetzungen. Das heißt jedoch nicht, dass wir darauf verzichten, Anliegen über Themen gegenseitigen Interesses zum Ausdruck zu bringen, die Werte und Einstellungen, die uns und unserer Gesellschaft wichtig sind, zu vertreten und mit einem österreichischen Publikum zu interagieren, um unseren Standpunkt klarzumachen.

M-MEDIA:“Respekt für Diversität” und “Toleranz gegenüber Anderen” werden in den USA großgeschrieben und spiegeln sich auch im gesellschaftlichen Leben wieder. Dieses Land gilt als Pionier und Wegbereiter, wenn es um ethnische, religiöse oder geschlechtsspezifische Toleranz geht. Kann Integration in Europa und speziell in Österreich nach diesem Modell funktionieren? Kann sich Österreich nach dem US-amerikanischen Vorbild entwickeln?

Krč: Jedes Land ist anders und es wäre naiv zu denken, dass unser Modell für alle anderen funktioniert. Österreich muss seinen eigenen Weg finden, eine tolerante und vielseitige Gesellschaft aufzubauen. Dennoch sind Toleranz und Diversität  universelle Werte, die jedes Land respektieren sollte. Wann immer wir durch unsere diplomatische Öffentlichkeitsarbeit dazu beitragen können, werden wir das tun. Dabei berücksichtigen wir, dass unser Weg nicht der einzige ist, um eine demokratische Zivilgesellschaft, die alle ihre Mitglieder schätzt und beschützt, aufzubauen und zu erhalten.

M-MEDIA: Ein formaler Aspekt: Wer ist die Zielgruppe des Wettbewerbs?

Krč: Die Zielgruppe sind SchülerInnen der Mittelschule und des Gymnasiums zwischen 14 und 19 Jahren.

M-MEDIA: Und noch eine letzte Frage: Warum sollten österreichische Jugendliche motiviert sein teilzunehmen?

Krč: Abgesehen von dem  offensichtlichen Anreiz, Preise zu gewinnen, wollen junge ÖsterreicherInnen, genau wie junge Menschen überall auf der Welt, dass ihre Meinung gehört und geschätzt wird. Junge Menschen sind außerdem geschickter als ihre Eltern, wenn es um neue Medien, wie YouTube geht. Dieser Wettbewerb gibt ihnen die Möglichkeit sich für ein wichtiges soziales Thema einzusetzen und dieses Engagement in der Öffentlichkeit und außerhalb des eigenen Landes zu demonstrieren. Letztlich geht es wie bei jeder Freizeitbetätigung natürlich auch darum, dass es Spaß machen soll und sich das auch in den Video Clips widerspiegelt.


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