Volksschulkinder als Brückenbauer

Präsentation die brücke (c) C.B. Moreno

14.10.2011 | 9:00 | Carola Bonilla Moreno

Österreichische Kinder lernen Spanisch, Kinder in Mexiko österreichisches Deutsch. Das Projekt „die Brücke“ macht es möglich.

“Kinder sind verschieden, weil die Kulturen verschieden sind”, sagte die mexikanische Lehrerin Guadalupe Ríos García de León im Rahmen der Zeremonie am 10. Oktober im mexikanischen Kulturinstitut in Wien. Der Botschafter Mexikos in Österreich Sr. Alejandro Díaz Pérez Duarte, überreichte dort Diplome an Schüler der Karl Stingl Volksschule in Mödling, die letztes Jahr am Projekt “die Brücke” (“el Puente”) teilgenommen hatten.

Das Projekt “die  Brücke” läuft seit letztem Schuljahr als Partnerschaft zweier Klassen der Volksschule “Karl Stingl” in Mödling und der Volksschule “Austria” in Mexiko City, wo Kinder die jeweils andere Sprache als Fremdsprache im Ausmaß von zwei Stunden pro Woche lernen. Die Kinder in Mexiko lernen österreichisches Deutsch und bekommen etwas von der dazugehörigen Kultur vermittelt, während die Kinder in Österreich Spanisch und darüber hinaus auch über die mexikanische Kultur lernen.

Brücke zwischen den Kulturen

„Die Brücke“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Die Schöpferin dieses Konzepts ist Gertrude Zhao-Heissenberger, die im BMUKK das Referat „Kultur und Sprache“ leitet. Obwohl Mexiko und Österreich schon seit zehn Jahren viele gemeinsame Projekte in diesem Bereich durchgeführt haben, war es bis zum vergangenen Jahr nicht möglich gewesen, ein Projekt dieser Größe zu realisieren. Mit der Unterstützung des BMUKK wurde die Umsetzung nun möglich. Zhao-Heissenberger ist auch für den Bereich Deutsch als Fremdsprache verantwortlich. Für sie stellt der Unterricht in einer Fremdesprache einen Beitrag zum globalen Lernen und zur Stärkung der interkulturellen Kompetenzen dar. Im konkreten Fall: die Förderung des Deutschunterrichts in Mexiko und des Spanischunterrichts in Österreich. Auch die mexikanische Botschaft in Wien unterstützt das Projekt, das als Brücke zwischen zwei Kulturen dient.

Filmemacher als Deutschlehrer

Der mehrfach ausgezeichnete österreichische Filmemacher Fridolin Schönwiese ist der Projektleiter in Mexiko. Neben seiner Rolle als Deutschlehrer an der mexikanischen Schule half er den Kindern, jeweils einen Film über den Schulalltag in Mexiko und in Österreich zu drehen. Diese waren nun im Rahmen der Präsentation des Projektes im mexikanischen Kulturinstitut zu sehen. Als österreichischer Migrant lebt Schönwiese in Mexiko City, zeitweise aber auch in Wien. Seine Fähigkeit, wechselseitige Sichtweisen wahrzunehmen, hat er eindrucksvoll in seinem Film “Volver la Vista – der umgekehrte Blick” unter Beweis gestellt. Mit Fotos, Zeichnungen, Grußkarten und Briefen der Kinder in Mexiko und Österreich – für ihre “amigos” – gestaltete er eine Installation in Form eines überdimensionalen Kalenders, der die Arbeit und den Umfang des Projekts sichtbar machte.

Die Partnerschule in Mexiko trägt den Namen “Austria” und befindet sich in Mexiko City, im Bezirk Azcapotzalco, im Norden der Stadt. Es gibt weiterhin viel Interesse der Kinder,  der Lehrer, der Eltern und des Bundesministeriums für Unterricht, das Projekt weiter zu führen. Es soll aber nicht nur auf eine Klasse pro Schule beschränkt bleiben, sondern gleich alle Klassen ab dem ersten Volksschuljahr eingebunden werden. Eine große Aufgabe. Die Spanischlehrerin Tarsila Reyes und die Direktorin der Karl Stingl Volksschule in Mödling, Brigitte Steinkellner stehen jedenfalls schon in den Startlöchern.


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