Vorarlberger Projekt: Heimat neu überdenken

Heimatshuttle (c) Ulrich Gabriel

23.03.2012 | 14:33 | Silvia Herburger

Kürzlich wurde in Vorarlberg ein neues Projekt der Öffentlichkeit präsentiert. Unter dem Titel ‚HEIMATABEND oder wie fremd heimisch wird‘ finden verschiedene Veranstaltungen, die sich alle mit dem Themengebiet ‚Heimat‘ beschäftigen, statt. Mit dem Projekt soll eine zeitgemäße Renovierung und Adaptierung des Heimatbegriffes stattfinden. Aktive und kreative Beteiligung von Seiten des Publikums ist dabei erwünscht.

Laut Statistik Austria haben 22 Prozent der Vorarlberger einen Migrationshintergrund, das ist nach Wien mit 38,2 Prozent der zweithöchste Wert in Österreich. Die allermeisten dieser Menschen haben bereits die österreichische Staatsbürgerschaft. Am 31. Dezember 2011 hatten 372 364 Personen ihren Hauptwohnsitz in Vorarlberg. Von diesen waren 322 155 österreichische Staatsbürger, das sind 86,52 Prozent. 3,68 Prozent der in Vorarlberg lebenden Menschen haben eine türkische Staatsbürgerschaft. Nur knapp dahinter liegen mit 3,65 Prozent bereits die Deutschen. Es folgen mit Prozentwerten von jeweils unter einem Prozent Bosnien und Herzegowina, Serbien und Kroatien. Daneben gibt es Menschen aus über hundert Ländern, die sich im westlichsten österreichischen Bundesland angesiedelt haben.

Dies war für den Verein ‚Aktion MitArbeit‘ Grund genug ein Integrations-Projekt ins Leben zu rufen, das sich umfassend mit dem Thema Heimat befasst. Unterstützt wird das Projekt vom Land Vorarlberg, vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) und vom Bundesministerium für Inneres (BMI).

Bereits der Homepage des Projektes ist zu entnehmen, dass es heute vieler Heimatbegriffe bedarf – es gibt ‚Einheimische, ‚Zweiheimische‘, ‚Dreiheimische‘, ‚Altheimische‘ und ‚Neuheimische‘, um nur einige zu nennen. Jeder Einzelne kann für sich entscheiden welcher oder welchen Gruppen er sich zuordnen will. Die Homepage des Projekts lädt zum Mitmachen ein – so kann etwa jeder in seiner Sprache oder seinem Dialekt auf zehn zählen und das Video dann veröffentlichen. Außerdem können Fotos online gestellt oder Lieder gesungen werden, die man mit Heimat verbindet. Im Heimatladen können diverse Kleidungsstücke mit Aufdrucken zum Thema bestellt werden.

Das Projekt lädt zum Mitmachen ein

‚Das Projekt soll neue, ungezwungene Begegnungen zwischen ‚Einheimischen und Zweiheimischen, Altheimischen und Neuheimischen‘ mittels kulturellen, unterhaltenden, mit Humor und Kreativität verbundenen Veranstaltungen und Projekten schaffen‘, heißt es in der Projektbeschreibung. Ulrich Gabriel, der Projektleiter, sagt, es gäbe bereits jetzt viele konstruktive Rückmeldungen in Form von Anrufen, Mails und persönlichen Anfragen, außerdem seien die Besuche der Website sprunghaft angestiegen. Am beliebtesten seien jene Seiten auf denen sich der User aktiv beteiligen kann, wie ‚Heimat.Bild‘, ‚Heimat.Melodie‘ oder ‚jeder Mensch zählt‘.

Den Initiatoren geht es auch darum, die Verantwortlichen in den Vorarlberger Gemeinden und Städten dazu zu ermutigen, selber Ideen zu niederschwelligen und unterhaltenden Begegnungen zu entwickeln. Solche Begegnungen sollen zur Diskussion über das Thema ‚Heimat im Wandel‘ animieren. Ein wichtiges Element des Projektes sind auch die ‚Freecards‘. Das sind Gratis-Postkarten, die zu Gesprächen anregen sollen. Auf ihnen sind Wort-Neuschöpfungen wie ‚zweiheimisch‘, ‚jungheimisch‘ oder ‚neuheimisch‘ zu lesen.

Im März und April werden außerdem an verschiedenen Orten ‚Heimat.Liederabende‘ stattfinden. Hierbei werden Lieder aus den verschiedenen Regionen Vorarlbergs, sowie aus den Herkunftsländern der ‚Neuheimischen‘ gesungen. Jene, die sich eher der Handarbeit zugetan fühlen, können im Rahmen des Projektes einen ‚Heimatschal‘ stricken, häkeln, sticken oder mittels anderer Techniken kreativ umsetzen. Als Grundlage für die Gestaltung eines solchen Schals dient die Vorarlberger Bevölkerungsstatistik, wobei die Herkunftsländer im Ausmaß ihrer statistischen Werte auf dem Schal in Farben ausgedrückt werden. Laut Ulrich Gabriel gibt es auch hierfür bereits erste Rückmeldungen von Schulen, die sich beteiligen wollen.  

Großes Openairkonzert für Herbst geplant

Im September wird es eine große Choropenairaufführung auf dem Dornbirner Marktplatz geben. Hier werden 23 Lieder und Klangbilder zum Thema ‚Das Wandern‘ aufgeführt. Beteiligt sind 18 Dornbirner Chöre mit 450 Sängern. Abschließend bleibt mit Ulrich Gabriel zu sagen: ‚Das Thema Wandern erweist sich in vielen Bereichen des menschlichen Lebens als bedeutungsreicher Impuls, bzw. Symbol für die ständige Dynamik des menschlichen Daseins sowohl im einzelnen Leben als auch in der Geschichte der Menschheit.‘ Das Projekt regt zum Mitmachen, Nachdenken und Überdenken an.

 

 


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