Wiener Buslenker:„”Ich fahre immer schwarz”“

Geoffrey Maigwa der Wiener Linien - ©Milagros Martinez-Flener
KURZ:
  • Migrationshintergrund spielt für die Mitarbeit bei Verkehrsbetrieben in Österreich keine Rolle – er wird meist gar nicht erhoben. Wichtig seien die Qualifikationen – und ausreichende Deutschkenntnisse, ein Akzent ist aber erlaubt.

22.02.2012 | 9:00 | Ania Haar

Verkehr. Migrationshintergrund spielt für die Mitarbeit in Österreichischen Verkehrsbetrieben keine Rolle.

Wien. „Ich bin ein Aktivist“, sagt Geoffrey Maigwa, „deshalb habe ich es gemacht“. Dem gebürtigen Kenianer war es wichtig, die afrikanische Community „sichtbar“ zu repräsentieren. „Mir ist damals aufgefallen, dass bei den Wiener Linien fast alle Nationalitäten vertreten waren – außer Afrikanern, deshalb habe ich mich beworben.“ Dann ging alles sehr schnell. Zu seiner Überraschung wurde er zum Vorstellungsgespräch eingeladen, absolvierte eine Aufnahmeprüfung und fing mit der Ausbildung zum Buslenker an.

Das war 2009. Heuer fährt der 29-Jährige auf 20 verschiedenen Linien durch Wien. Ein Schwarzer, der hinterm Lenkrad eines öffentlichen Busses sitzt, ist in Wien ein seltenes Bild. Allerdings: „Bei den Wiener Linien spielt weder die Hautfarbe noch die Staatsbürgerschaft eine Rolle“, sagt Wiener-Linien-Sprecherin Sandra Stehlik, „sondern Qualifikationen“. Ausreichende Deutschkenntnisse sind zwar eine Voraussetzung – aber kein akzentfreies Deutsch. „Das wäre zu viel verlangt“, meint Stehlik, „ein Lenker muss den Fahrgast verstehen und antworten können.“

Hautfarbe spielt keine Rolle

Unter den rund 9000 Mitarbeitern der Wiener Linien haben 263 Personen einen nichtösterreichischen Pass, wie viele Menschen ausländische Wurzeln haben, ist allerdings nicht bekannt. „Migrationshintergrund spielt bei uns keine Rolle und wird nicht gesondert erhoben“, meint Stehlik.

„Hautfarbe ist bei uns kein Problem“, sagt auch Gunter Mackinger, der Direktor der Salzburger Lokalbahn. „Wir haben mehrere schwarze Fahrer.“ Auch habe man vor drei Jahren ein Integrationsprojekt entwickelt, um nicht nur die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund besser in den Betrieb zu integrieren, sondern auch einheimischen Mitarbeitern andere Zugänge zu Kollegen aus anderen Kulturen zu zeigen. Von rund 700 Mitarbeitern haben zehn Prozent einen Migrationshintergrund, wobei die zweite Generation nicht mehr erfasst wird. Rassismus gegenüber den Lenkern sei laut Mackinger kein Thema.

In Klagenfurt gibt es keine Fahrer mit schwarzer Hautfarbe. Doch würde sich einer bewerben und entsprechende Qualifikationen mitbringen, heißt es aus den Stadtwerken, wäre eine Einstellung kein Problem. Nur habe sich bis jetzt eben die Frage nicht gestellt. Von insgesamt 125  Buslenkern der Stadtwerke-Klagenfurt-Mobilität haben 25 Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. In Graz gibt es einen schwarzen Buslenker – bisher hat sich auch hier erst einer beworben. Von insgesamt 550 Mitarbeitern wurden 94 im Ausland geboren. Aber auch hier wird die Zahl der Mitarbeiter mit Migrationshintergrund nicht erhoben.

Auch in Innsbruck gibt es keinen schwarzen Fahrer – ebenfalls mangels Bewerber. Dafür werben die Innsbrucker Verkehrsbetriebe auf ihren Plakaten gezielt mit schwarzen Menschen und Frauen mit Kopftuch.  „Wir wollen uns bewusst gegen die Ausgrenzung setzen“, sagt Martin Baltes Geschäftsführer der IVB. Ein Drittel der Lenker und Fahrer kommt aus dem Ausland.

Rassistische Übergriffe auf schwarze Busfahrer sind kein Thema. „Ich habe keine erlebt“, sagt Buslenker Maigwa. Nur am Anfang habe ein Kollege gemeint, dass er kündigen würde, sobald ein Schwarzer hier arbeite. Maigwa fing an – und der Kollege blieb. Und auch die Fahrgäste scheinen sich an den zunächst ungewohnten Anblick gewöhnt zu haben.

Fahren mit dem Geisterbus

„Am Anfang haben viele genauer geschaut“, erinnert sich der 29-jährige, „und waren sehr überrascht.“ Andererseits hätten auch viele Einheimische gratuliert und gemeint, dass es gut sei, dass endlich auch ein Afrikaner einen Bus lenkt. Seine schwarze Hautfarbe hat allerdings doch gelegentlich Auswirkungen – während des Abenddiensts.

„Ich dachte, es wäre ein Geisterbus unterwegs“, hört er dann des Öfteren. Denn hinter den abgedunkelten Scheiben ist er oft nur schwer zu erkennen. Viele Fahrgäste würden dann genauer nachschauen, ob tatsächlich jemand da ist. Doch solche neugierigen Blicke seien ihm nicht unangenehm. „Nein, überhaupt nicht, mich freut das sogar“, meint Maigwa.

Den Kalauer, ob er selbst auch mal „schwarzfahren“ würde, hört er regelmäßig – und nimmt es mit Gelassenheit. „Ja, ich fahre immer schwarz!“ Aber nicht weil er keine Fahrkarte besitzt – als Mitarbeiter der Wiener Linien hat er schließlich eine Dienstfahrkarte.


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