Wohnen in Wien: Bessere Lebensqualität durch Inklusion

© Fond Soziales Wien

14.07.2014 | 10:48 | Julia Cicona

Mehr als 2,7 Mio. Personen (Stand 2011) haben eine gesundheitliche Beeinträchtigung, so Statistik Austria. Institutionen, wie Fonds Soziales Wien und Wiener Wohnen, bemühen sich um Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Wien ist erneut die Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Das sagt die Mercer-Studie von 2014. Die Studie bewertet politische, soziale und ökonomische Faktoren bezüglich Gesundheitsversorgung, sowie Bildung. Städte investieren teilweise viel, um ihre Lebensqualität zu verbessern.

In Wien tragen verschiedene Organisationen dazu bei Inklusion und Lebensqualität zu ermöglichen. Eine davon ist Fonds Soziales Wien (FSW). 2001 gegründet, helfen sie Wiener und Wienerinnen je nach ihrem individuellen Bedarf, Leistungen und Gelder aus der öffentlichen Hand zu erlangen. Finanziert wird das durch die Stadt Wien und teils durch Kostenbeiträge von Kunden.

Die Arbeit des FSW ist auf vier Säulen aufgebaut. Flexibilität bei rasch wechselnden Umständen, Planung für langfristige Entwicklungen, Kundenzufriedenheit und Nähe . Besonders für alte Menschen und Menschen mit Behinderung ist Inklusion und Nähe wichtig, um sie optimal zu unterstützen.

Sozialfonds bietet verschiedene Beratungsangebote und betreutes Wohnen an. „Es gibt verschiedene Wohnformen. Wir forcieren das teilbetreute Wohnen, wo die Menschen relativ selbstständig agieren und sie nur eine mobile Unterstützung haben oder eine Pflegehilfe, die in gewissen Zeitabständen vorbeischaut. Oft Wohnen diese Menschen auch in Wohngemeinschaften. Beim vollbetreuten Wohnen hingegen sind die Menschen in einer Einrichtung, die rund um die Uhr betreut ist. Da kann es auch sein, dass der Pflegeschlüssel 1:1 ist. Wir verbinden diese Art des Wohnens mit der Leistung der Tagesstruktur“, erzählt Mag.a Iraides Franz, Pressesprecherin bei Fonds Soziales Wien. Die Tagesstruktur (früher Beschäftigungstherapie) bezeichnet eine Arbeitsmöglichkeit für Menschen mit Behinderung, welche aktuell oder dauerhaft nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden können. „2009 trat das neue Wiener Chancen Gleichheitsgesetz in Kraft. Es wurden damals einige Bezeichnungen, wie auch die Beschäftigungstherapie in Tagesstruktur, geändert, die nicht zeitgemäß und diskriminierend waren. 2013 nahmen alleine am Angebot der Tagesstruktur 4470 Menschen mit Behinderung teil“, sagt Mag.a Franz.

Eine weitere Möglichkeit ist barrierefreies Wohnen. Dieses wird durch Wiener Wohnen ermöglicht. Es gibt zirka 20.000 Wohnungen in Wien, die behindertengeeignet sind. „Neue Gebäude werden seit 2004 nicht mehr gebaut. Das ist damals so beschlossen worden. Wir versuchen oft sanierte Wohnungen möglichst barrierefrei umzubauen. Das ist aber bei den alten Häusern oft schwierig“, sagt Markus Stradner, Pressesprecher bei Wiener Wohnen. Wenn jemand, der bereits in einem Gemeindebau wohnt schnell eine andere, barrierefreie Wohnung braucht, muss individuell entschieden werden. „Es hängt immer von den Wünschen der Mieter ab. Man muss auch schauen ob die Möglichkeit eine andere Wohnung zu beziehen da ist. Vielleicht kann jemand auch in der eigenen Wohnung bleiben. Wir versuchen immer zu adaptieren. Menschen im Rollstuhl haben oft schneller Anspruch auf eine Gemeindewohnung,“ sagt Markus Stradner. Grundsätzlich zahlt man für eine barrierefreie Wohnung gleich viel, wie für eine nicht-barrierefreie. „Unsere Wohnungen haben einen Quadratmeterpreis von 5,39 Euro. Das ist noch relativ günstig.“ Beim Wohnungswechsel haben allerdings Mieter, die bereits in einem Gemeindebau wohnen, keinen Vorteil. Sie müssen wie jeder andere warten, bis eine frei wird.

Zahlen und Angebote steigen

Die Zahl von Menschen mit Behinderung, die das Leistungsangebot des Fonds Soziales Wien nutzen, steigt. 2010 nahmen noch 10.090 Menschen mit Behinderung Angebote des FSW in Anspruch, 2012 waren es 11.050. Dabei umfasst das Angebot nicht nur Beratungsangebote und betreutes Wohnen, sondern auch Arbeitsintegration und Pflegegeldergänzungsleistung für persönliche Assistenz. Die Arbeitsintegration heißt: Helfer helfen Menschen mit Sinnes- oder Körperbehinderung am Arbeitsplatz. „Wenn ein ausgebildeter Jurist durch seine Behinderung die Akten nicht mehr aufschlagen kann, kann er trotz seiner Behinderung noch seinen Beruf ausführen“, erklärt Mag.a Franz. Die Arbeitsintegration wird vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz gefördert.

Dem gegenüber steht die Pflegegeldleistung. 2007 als Pilotprojekt eingeführt war Wien damit Vorreiter. Menschen mit Behinderung wird hier Geld überwiesen, damit sie selbst eine Assistenz aussuchen und beschäftigen. Wie viel Geld Menschen bekommen wird individuell begutachtet. Dies soll die Selbstständigkeit erhöhen und körperbehinderten Menschen ermöglichen, sich weiterzuentwickeln. „Viele gehen auf die Volkshochschule, besuchen Kurse oder suchen sich Arbeit“, so Mag.a Franz, „Heute nehmen 240 Menschen in Wien diese Leistung in Anspruch.“

Viele Angebote sind teuer für die Stadt Wien. 71.000 Euro wurden allein in Fonds Soziales Wien letztes Jahr investiert. Doch auch für die Kunden nicht immer leistbar. Wenn die Gebietskrankenkasse Menschen mit Behinderung nicht alle Kosten zahlen will (beispielsweise bei Spezialrollstühlen), können Menschen auch einen Antrag beim Fonds Soziales Wien stellen. Wenn das Einkommen nicht reicht und sonstige Vermögenswerte nicht vorhanden sind, werden die Differenzkosten vom FSW übernommen. Das Problem hier jedoch: es gibt zu viele verschiedene Zuständigkeitsbereiche.

Inklusion am Arbeitsplatz ist ein großes Thema. Laut dem Bericht der Behindertenanwaltschaft ist die Zahl der Menschen mit Behinderungen, die beim Arbeitsmarktservice (AMS) schwer zu vermitteln sind, um 66% gestiegen. Fonds Soziales Wien versucht gemeinsam mit „Jugend am Werk“ die Integration in Berufe zu unterstützen. Menschen mit Behinderung, die sich im normalen Berufsleben ausprobieren wollen, werden gezielt unterstützt. Dies passiert beispielsweise durch Hilfe bei der Bewerbung, beim Finden von Praktikumsstellen oder durch die Bereitstellung eines Coaches. Laut Frau Mag.Franz ein wichtiger Punkt: „Wir haben einen freien Arbeitsmarkt. Wenn jemand noch nicht für diesen geeignet ist, ist es wichtig berufsintegrierende Leistungen anzubieten.“


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