10 Jahre Poetry Slam in Österreich

Diana Köhle bei SlamB, (c) Anna Konrath

30.05.2014 | 14:03 | Julia Cicona

10 Jahre sind vergangen, seitdem der erste durchgehende Poetry Slam in Wien eröffnet wurde. Heute ist der Begriff kein Unbekannter mehr. Über eine Szene, die experimentiert und wächst.

In einem kleinen Hinterzimmer im „Cafe Europa“ hat alles angefangen. In einem Raum, der eher an einen Gang, als ein Zimmer erinnerte. Das Publikum bestand aus ungefähr 30 Leuten. Alle Besucher waren Bekannte und Freunde. 2004 sah die Poetry Szene in Österreich noch mager aus.

Poetry Slam. Selbst das Wort war zu seinen Beginnzeiten noch sehr unbekannt. Doch in den letzten zehn Jahren hat sich viel verändert. „In meinen Slams frage ich immer, wer das erste Mal dabei ist. Immer weniger Hände zeigen auf. Ich muss auch kaum mehr erklären, was ein Poetry Slam ist,“ erzählt Diana Köhle. Diana ist Organisatorin von SlamB, ein Poetry Slam im Literaturhaus. Es ist einer von vielen in Wien. Diana Köhle ist eine der VorreiterInnen, die den Poetry Slam nach Wien brachten.

Die eigentliche „Slamkultur“ fand seine Anfänge jedoch bereits 1986 in Chicago, Amerika, und ist erst mit einiger Verspätung nach Österreich gekommen. Ein Poerty Slam ist ein literarischer Wettkampf. Jeder kann mitmachen und seine Texte vortragen. Pro Slam gibt es höchstens 12 Teilnehmer.  Zwei Drittel sind meist Männer. „ Manche Frauen sind sehr selbstkritisch. Sie wollen oft nur einmal ausprobieren, lassen es aber dann. Männer suchen einfach mehr die Bühne. ,“ erklärt Diana. Das Publikum entscheidet, wer ins Finale kommt- alles sehr subjektiv. Man kämpft um das Ansehen des Publikums. Hilfsmittel, wie Verkleidungen, sind nicht erlaubt.

Mit “Textstrom” fing alles an

Der mittlerweile älteste, durchgehende Poetry Slam in Wien ist „Textstrom“. Seit zehn Jahren findet dieser immer am letzten Mittwoch im Monat statt. Bis 2008 leitete Diana  diesen gemeinsam mit Doris Mitterbacher. Dann stieg Diana aus, machte eine Pause, wollte dann etwas Eigenes gründen. Im Literaturhaus bekam sie dann die Chance dazu. Das Publikum ist zwischen 14 und 80 Jahren. Das Besondere an Diana ist, dass sie selbst nicht slammt. „Ich habe immer lieber geredet. Das Schreiben liegt mir nicht. Nur Tagebuch habe ich immer gerne geschrieben,“ sagt sie. Ein Grund, warum es heute den Tagebuch-Slam gibt. „Die schönsten Geschichten schreibt das Leben,“ meint Diana. Seit November 2013 gibt es diesen Slam, bei dem die TeilnehmerInnen Einträge ihrer Jugendsünden aus ihrem Tagebuch vortragen.

Eine der Teilnehmerinnen ist Lydia. Ihre AHS Lehrerin brachte Lydia zu ihrem ersten Poetry Slam. „Unsere Lehrerin hat eine Pflichtveranstaltung daraus gemacht und unsere Klasse dahin geschleppt. Es hat uns total gut gefallen und einige sind danach auch dabeigeblieben. Man kann kreativ sein und hat die Möglichkeit, jemanden etwas mitzugeben,“ sagt Lydia ,„Das Erstaunliche ist, dass unsere Lehrerin schon über 60 ist. Aber bei Poetry Slams ist einfach für jedes Alter was dabei. Es gibt lustige Texte, aber auch gesellschaftskritische oder politische,“ erzählt sie. Lydia erzählt in ihren Tagebucheinträgen von “ihm”. Der Link dazu ist hier. Was einen guten Poeten ausmacht, weiß Diana: authentisch muss er sein. Und individuell. „Je schräger der Slammer, desto besser,“ sagt sie.

Tagebuch-Slams, Stille Post Slams oder Online-Slams: Es wird experimentiert

Nach zehn Jahren Aufbauzeit einer Poetry Szene in Österreich wird mit den Genres der Slams experimentiert. „Die Szene ist in den letzten 2-3 Jahren sehr stark gewachsen. Das ist einerseits der Verdienst von PoetInnen, die aus Deutschland nach Österreich zum Studieren kamen und andererseits jungen ÖsterreicherInnen wie z. B. Pascal Optional & Fanny Famos zu verdanken, die den „Stille Post Slam“ in Wien gegründet haben,“ sagt Elwood Loud, selbst Poetry-Slammer und der Gründer der Website poetryslam.at. Die Website gibt es seit 2008 und Elwood versucht zwischen Poeten und internationalen Poetry Slams im deutschsprachigen Raum zu vernetzen.

Auch durch Twitter und Facebook wurde es leichter für die Slams zu werben. „Als wir angefangen haben, haben wir die Flyer noch auf Schreibmaschine angetippt und dann kopiert. Hauptsächlich wurde aber alles über Mundpropaganda verbreitet. Heute ist das alles viel einfacher,“ erzählt Diana. Am 27. April startete auch der erste österreichische Online Poetry Slam. „Wortwale im Netz“ heißt die Veranstaltung. Bei neuen regulären Poetry Slams qualifizierten sich die besten TeilnehmerInnen für den Online-Wettbewerb. Mittels YouTube Videos treten sie gegeneinander an und das Publikum stimmt über ein Online Voting ab, wer in die Finalrunde kommen soll. Wer gewinnt, entscheidet sich erst im Juni.

Die große Entwicklung des Poetry Slams in Österreich ist nun zu erkennen. Von der Untergrundveranstaltung ist der Poetry Slam zum Massenmagnet aufgestiegen. Nun blüht die Szene. Diana zeigt sich froh: „Es ist schön dabei gewesen zu sein, Geschichte zu schreiben. Jetzt funktioniert es gerade sehr gut. Wir sind auf einem guten Weg.“


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