Büchereien Wien: „Wir prüfen bei Rassismus-Vorwürfen”

24.07.2013 | 12:16 | Sarah Farukuoye

Die Büchereien Wien arbeiten seit einigen Jahren daran ihr mehrsprachiges Angebot zu erweitern. Bei Rassismus-Vorwürfen wird die Literatur überprüft, manchmal auch entfernt.

„Im Grunde haben wir in den 90er Jahren begonnen Bestände in Bosnisch, Serbisch, Kroatisch und Türkisch aufzubauen.“, sagt Beate Wegerer, Zuständige für das interkulturelle, mehrsprachige Angebot der Büchereien Wien. Da gab es engagierte BibliothekarInnen, die persönliches Engagement und Interesse aufbrachten und langsam ein mehrsprachiges Angebot aufgebaut haben. Mit System werde der Bestand erst seit fünf Jahren erweitert – und zwar in 18 Zweigstellen verpflichtend. Durch Veranstaltungen, wie etwa mehrsprachige Lesungen, Podiumsdiskussionen oder Ausstellungen sollen auch mehrsprachige LeserInnen angesprochen werden und Wiens kulturelle Vielfalt gefördert werden.  Interkulturalität könne in den Veranstaltungen nicht nur durch eine Zweitsprache, sondern auch durch einen internationalen Hintergrund der RednerInnen oder durch das Thema selbst, repräsentiert werden.

Von Bosnisch bis Somali

In der Hauptbücherei am Urban Loritz Platz findet sich Literatur in 30 verschiedenen Sprachen und zusätzlich  Lernkurse für 100 Sprachen. Für Bücher in Türkisch oder BKS wurden in den 90er Jahren zwei Lektorinnen eingestellt, sagt Wegerer. Die Literaturbestände in anderen Sprachen werden von Sprachkundigen – auch von außen, z.B. über Vereine oder engagierte Privatpersonen betreut. „Aktuell soll, anlässlich des ersten Volkschulunterrichts in Somali, in Simmering, ein Buchbestand auf Somali entstehen. Dies wird der erste afrikanische Schwerpunkt“, berichtet Wegerer stolz.

Wie mit diskriminierenden Inhalten in den Büchereien umgegangen werde, sei unterschiedlich: „Das Lektorat setzt sich im Anlassfall damit auseinander. Bei Vorwürfen wird die Lektüre inspiziert und bei Verständnis entfernt.“ Bei Klassikern ist das schwieriger. Wenn möglich werde die von den Verlagen abgeänderte Version übernommen. Meist sei dann eine Umbenennung vorgenommen oder eine erklärende Fußnote beigefügt worden.

Grauzonen bei Diskriminierung

Eine Diskussion um diskriminierende Inhalte entbrannte im deutschsprachigen Raum Anfang des Jahres um Bücher wie Pipi Langstrumpf  im Taka-Tuka Land und 10 Kleine N*. Beide Bücher stünden den LeserInnen in der ursprünglichen Form nicht mehr zur Verfügung, glaubt Wegerer. Hundertprozentig sicher ist sie sich aber nicht, in Sammelbänden könnten die alten Fassungen jedenfalls noch aufscheinen. Jedoch gäbe es einige Grauzonen und Diskussionsräume in denen ein Urteil nicht so leicht sei, sagt Wegerer und verweist auf eine Debatte im Zoom Kindermuseum zu Political Correctness im Kinderbuch. Dort sei argumentiert worden, dass auch Kinderbücher Werke von KünstlerInnen sind und diese allzu oft pädagogisiert würden. Eine andere Meinung vertritt eine junge Leserin in Deutschland, deren Beschwerdebrief an Die Zeit für Aufsehen sorgte. Ishema Kane schrieb: “Wieso sollte es nicht verboten werden in Kinderbüchern „Neger“ zu schreiben? Man muss sich mal in andere Menschen hineinversetzen.“


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