Derwisch: „Erzählen ist die Urform des Theaters“

Derwisch erzählt (c) N. Vinogradov

05.12.2011 | 9:00 | Nikolay Vinogradov

Nahezu alle Vorstellungen sind ausverkauft. Bereits zum sechsten Mal trägt Derwisch seine Geschichten im Wiener Interkulttheater vor. Im neuesten Programm „Kreuzkümmel und Morgenrot“ gelingt es Aret Güzel Aleksanyan aka Derwisch eine brillante Balance zwischen Humor und anspruchsvoller Unterhaltung zu finden, die das Publikum in Begeisterung versetzt.

Mit Tee aus dem Samowar, türkischem Kaffee, Trockenfrüchten, Shisha, Baklava, Gözleme und anderen türkischen Spezialitäten und Süßigkeiten wird man als Zuschauer im Interkulttheater empfangen und auch während der Vorstellung verwöhnt. Orientalische Musik und Tanz untermalen die Geschichten des „Derwisch“, der in einem Spagat zwischen Kabarett und Ein-Mann-Theater das Publikum unterhält. „Erzählen ist die Urform des Theaters. Ich bin überzeugt davon, dass man mit einem ehrlichen Theater oder Erzähltheater sehr viel vermitteln kann, sehr viel Glück bereiten kann, aber auch sehr viel zum Nachdenken anregen kann. So wie Brecht auch sagt, soll Theater einen Festcharakter haben. Theater soll ein Fest sein“, so spricht Aret G. Aleksanyan über die Idee, die hinter dem Konzept seines Programms steht.

Anspruchsvolle Unterhaltung

In der heutigen Zeit existieren viele Theaterstücke, die auf Probleme der Integration hinweisen, was dazu führt, dass die Zuschauer oft nicht von der Thematik mitgerissen werden. „Kreuzkümmel und Morgenrot“ schneidet die Integrationsproblematik zwar an, jedoch auf eine für „Derwisch“ charakteristische Art und Weise. So ist Aret G. Aleksanyan der Meinung, „dass es darauf ankommt wie man es bringt. Also wenn sie tatsächlich Integration jetzt an sich als ein schwer zu lösendes Thema nehmen und einfach belehrend da oben das Publikum nervend und fadisierend versuchen mit allen Mitteln das Thema auseinanderzunehmen, glaub ich nicht, dass man erfolgreich sein kann oder das man ankommt.“ Humoristisch und sarkastisch gelingt es „Derwisch“ das Publikum in seinen Bann zu ziehen und gesellschaftskritische Themen in seine Geschichten zu verpacken.

Vermischung des Publikums“

Über 40.000 Besucher brachten bereits die Derwisch-Programme in das Wiener Interkulttheater. Dieser Erfolg lässt sich nicht nur Aleksanyans ausgezeichnetem schauspielerischen Talent verdanken, sondern sicherlich auch dem Ziel, dem sein Programm folgt. „Die Vermischung des Publikums. Das war genau mein Ziel, das ich erreichen wollte. Und zwar nicht schon wieder wie viele andere Theaterproduktionen ein bestimmtes Publikum, ein bestimmtes Elite-Kultur-Publikum oder ein Kultur-nahes Publikum anzusprechen, sondern sowohl ethnisch als auch altersmäßig, wie auch sozial und wirtschaftlich ein sehr durchmischtes Publikum zu erreichen. Genau das ist uns gelungen!“ offenbart Aret G. Aleksanyan stolz sein Geheimrezept für seine außergewöhnlichen Erfolge. Tatsächlich trifft der Zuschauer auf ein breit gefächertes Publikum aus WienerInnen, MigrantInnen bis hin zu TouristInnen oder ÖsterreicherInnen aus verschiedensten Bundesländern, die sich das Derwisch-Programm nicht entgehen lassen wollen.

Derwisch erzählt“ – Teil sieben?

Für alle, die heuer den sechsten Teil von „Derwisch erzählt“ nicht miterleben oder den nächsten Teil nicht erwarten können, gibt es eine gute Nachricht von Aleksanyan. „Ich arbeite jetzt gerade am siebten Teil. Es ist ein sehr langer Weg: Geschichten aussuchen, Geschichten schreiben. Geschichten umschreiben, auswendig lernen, sich die Inszenierung überlegen, Kostüme, das Licht, die Musik. Die Zeit vergeht schnell.“


Kommentieren Sie den Artikel





Weitere Artikel von Nikolay Vinogradov