“Habe die Ehre” – Eine Komödie über einen Ehrenmord

Ibrahim Amir (c) Martin Vukovits
VERLOSUNG: 
  • M-MEDIA verlost jeweils 1x2 Karten für die Vorstellungen am 2. und 13. Februar. Mail mit Betreff „Habe die Ehre – Verlosung“ an: tektas@m-media.or.at
LINK:
  • Premiere: Di, 29. Jänner 2013, 20.00h
  • Spieltage: 31. Jänner, 1., 2., 6.–9., 13.–16. Februar 2013, 20.00h
  • Theater Nestroyhof Hamakom
  • 1020 Wien, Nestroyplatz 1
  • Karten: € 18,–, ermäßigt: € 12,–
  • T: 01 / 8900 314
  • I: www.hamakom.at
  • I: http://www.wortstaetten.at

25.01.2013 | 15:53 | Hülya Tektas

INTERVIEW. Eine harmlose humanitäre Aktion für die kurdischen Opfer des Saddam-Regimes führte dazu, dass Ibrahim Amir für zwei Jahren von der Universität in Aleppo in Syrien exmatrikuliert wurde. So kam er nach Österreich um weiter zu studieren. Hier entschied er sich jedoch für ein Medizinstudium, da er der Meinung war, wegen seiner eingeschränkten Sprachkenntnisse sein Theaterstudium nicht erfolgreich fortführen zu können. Doch es gelang es ihm, sich neben dem Medizinstudium auch mit der Literatur zu beschäftigen. 2009 bekam er mit seiner Kurzgeschichte „In jener Nacht schlief sie tief“ den Exil-Literaturpreis „Schreiben zwischen den Kulturen“. Ibrahim Amir schreibt trotz seiner anstrengenden Arbeit als Arzt weiterhin Geschichten und Bühnenstücke. Sein Theaterstück „Habe die Ehre“ – Eine Ehrenmordkomödie wird am 29. Jänner im Wiener Theater Nestroyhof Hamakom uraufgeführt. Mit M-MEDIA sprach er über seine literarische Arbeit, den Krieg in Syrien und darüber warum er sich als Migrant von der Politik verarscht fühlt.

M-MEDIA: Dein Theaterstück „Habe die Ehre – eine Ehrenmordkomödie“ wird demnächst aufgeführt. Kann man eine Ehrenmordgeschichte als Komödie darstellen?

AMIR: Eigentlich ist es keine Komödie, sondern eine tragische Geschichte. Die Situation, in der sich die Protagonisten finden ist so makaber, dass diese Absurdität lustig wirkt. Es ist also keine Komödie im herkömmlichen Sinne, sondern eine ernste Geschichte. Die Verzweiflung bringt die Figuren zum Lachen.

Ist die Geschichte dann eigentlich realistisch?

Was ist überhaupt real? Der Reiz des Theaters liegt daran, dass man übertreiben kann. Dennoch kann man dieses Stück doch als real betrachten, da sowohl die Dialoge als auch die Geschehnisse im wirklichen Leben vorkommen. Es ist also kein surreales Stück.

Wie geht die Geschichte aus? Gibt es ein Happy End?

Das möchte ich nicht verraten. Ich biete in diesem Stück keine Lösung der bestehenden Probleme. Auch das Ende ist in dem Sinn offen, da das System in der Geschichte auf den Kopf gestellt und vieles in Frage gestellt wird.

Hast du bei so einem Thema nicht die Angst, dass Klischees hochkommen und Muslime bzw. Menschen aus dem Orient in eine Schublade gesteckt werden?

Nein. Erstens wird nicht genannt, wo die Figuren herkommen. Sie haben auch keine Namen. Ich nannte sie „Mutter“, „Vater“, „Kind“, usw.“ Im Originalstück erfährt man sogar nicht einmal das Land, wo die Geschichte passiert: Leute aus Land A leben im Land B. Aber in der Bühnenversion spielt die Geschichte in Wien.

Wie bist du auf das Thema Ehrenmord gekommen?

Mit dem Thema Ehre beschäftige ich mich schon seit längerem. Meine Kurzgeschichte „In jener Nacht schlief sie tief“ handelt auch Fragen wie: was ist die Ehre, was bedeutet die Ehre in unterschiedlichen Kulturkreisen, usw. ab. Ich wollte die Wertevorstellungen verschiedener Kulturen gegenüberstellen. Schließlich habe ich dieses Stück geschrieben, in dem die Charaktere nicht als Affen dargestellt werden, sondern als Personen, in deren Gedanken und Gefühle man sich hineinversetzen kann.

Kann sich ein Mann in die Gedankenwelt der Frauen versetzen und ein Stück über Ehrenmorde schreiben?

Ich habe ein persönliches Motiv für dieses Thema. Als ich jung war, wurde eine Frau aus meiner Umgebung aufgrund des Ehebruchs ermordet. Außerdem wollte ich mit dem Thema auch auf die ungleiche Behandlung von Frauen hinweisen. Ob in orientalischen oder westlichen Gesellschaften, Frauen werden überall benachteiligt. Ein Bespiel: obwohl rund 60 % der Medizinstudenten in Österreich weiblich sind, spiegelt sich diese Aufteilung in Chefarztpositionen nicht wieder.

Was sind deine nächsten literarischen Projekte?

Nach dem Exil-Literaturpreis habe ich ein 45minutiges Theaterstück „Die Irren“ geschrieben, das letztes Jahr in der Brunnenpassage aufgeführt wurde. Das war vielmehr eine Theaterperformance mit Tanz und Musik über den sogenannten arabischen Frühling. Demnächst möchte ich mich aber mit meiner neuen Heimat, Österreich auseinandersetzen. Nun möchte ich über mein Leben hier schreiben, über das Fremdsein. Dabei werde ich mich  mit diversen Migrationsbegriffen und Migrationsphasen, die nicht stattgefunden haben, auseinandersetzen. Die oberflächlichen Lösungsvorschläge und das Versagen der Politiker in Sachen Integration möchte ich literarisch thematisieren. Die Migrations- oder Integrationspolitik war in Österreich immer ein Lippenbekenntnis, das nie ernst genommen wurde. Als sogenannter Migrant fühle ich mich von österreichischen Politikern verarscht.

Wieso das?

Ich frage mich, warum Sebastian Kurz, der so jung und unerfahren ist, für die Position des Integrations-Staatssekretärs ausgewählt wurde, obwohl es viele, geeignetere Personen für diese Position gibt. Es gibt so viele Experten, die sich mit Kulturen und Beziehungen zwischen den Kulturen und Sprachen auseinandersetzen. Sie kennen sich mit den Problemen, die durch die Migration entstanden sind, besser aus und würden viel effektivere Lösungen bzw. Projekte durchführen als Herr Kurz. Dass gerade Sebastian Kurz für diese Position ausgewählt wurde, zeigt, dass das Thema Integration nicht ernst genommen wird. Was qualifiziert diesen jungen Mann für diesen Job? Ich würde gerne wissen, wie viele Migranten er kennt bzw. bisher kannte. Wie viele Migrantenkinder hat er in seiner bürgerlichen Schule kennengelernt? Serbokroatisch ist die zweithäufig gesprochene Sprache in Österreich. Kennt Herr Kurz ein serbokroatisches Gedicht oder einen türkischen Dichter? Hat Sebastian Kurz genug Erfahrungen und die Reife, um ein 50 jähriges Problem zu lösen? Das glaube ich nicht. Deswegen fühle ich mich verarscht.

Du bist aus Aleppo, wo die politische Situation im Moment sehr angespannt ist und es ständig Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständischen gibt. Wie geht es dir dabei, wenn du Nachrichten darüber liest?

Die Situation in Aleppo ist im Moment sehr schwer, die Kommunikationsmöglichkeiten sind begrenzt. Aber irgendwann findet man sich mit der Situation ab, da man sie aus der Ferne nicht verändern kann. Meine Familie lebt in Aleppo. Ich bin froh, dass ihnen bisher nichts passiert ist und hoffe, dass es auch so bleibt. Eine baldige Lösung der Konflikte in Syrien ist nicht in Sicht. Aber ich bin zuversichtlich, dass meine Familie es schafft.

Wie stehst du als Kurde zu Syrien? 

Ich bin ein Kurde aus Syrien und habe große Empathie auch für Kurden aus anderen Teilen Kurdistans. Aber ich habe auch Syrien sehr gerne. Das eine schließt das andere nicht aus. Die einfachen Leute auf der Straße hegen keinen Hass gegeneinander, weil sie Kurden oder Araber oder Alawiten oder Sunniten sind. Die Kriegsbefürworter politisieren es so, dass ein Konflikt daraus entsteht. Die Frage ist, wie es in Syrien weitergeht. Ob es eine Einheit bleibt oder geteilt wird. Ich wünsche mir für Syrien einfach nur Frieden.

M-MEDIA verlost jeweils 1×2 Karten für die Vorstellungen am 2. und 13. Februar. Mail mit Betreff „Habe die Ehre – Verlosung“ an: tektas(at)m-media.or.at. 

 

 

 


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