Leben in Titos Jugoslawien: Hoffnung, Krieg und Frieden

Buchcover Titoland von Ana Tajder - ©Czernin Verlag
Zum Buch:
  • Ana Tajder
  • Titoland: Eine gleichere Kindheit
  • 100 Seiten
  • € 17,90
  • Czenin Verlag

28.03.2012 | 16:44 | Ida Labudovic

Ein Mädchen und ihre märchenhafte Geschichte. „Wir hassten Kriege. Tito hat uns zu Pazifisten erzogen“, schreibt Ana Tajder in ihrem neuen Buch „Titoland: Eine gleichere Kindheit“.

Wien. Wie war das tatsächlich in Titos Jugoslawien? In einem Land mit sozialistischem System und einem Staatsmann, der gern im Luxus lebte – und dies auch zeigte. Jedenfalls gab es dort keinen Krieg und keine Gewalt. Zumindest für diejenigen, die das System akzeptierten und dem Präsidenten Josip Broz treu waren. „Wir hassten Kriege. Tito hat uns zu Pazifisten erzogen“, schreibt Ana Tajder in ihrem neuen Buch „Titoland: Eine gleichere Kindheit“. Trotz der Hoffnung, die bis zum Zerfall des Landes blieb, war es der Krieg in den 1990er-Jahren, der Ana zu einem neuen Leben nach Wien zog.

„Mama brachte mir Zauber“

Ana Tajder wuchs im Zentrum von Zagreb auf. Ihre Mutter war Schauspielerin, ihr Vater Architekt. Anas Kindheit war teilweise vom Status der Eltern und von ihrer Kreativität geprägt. „Mama brachte Zauber in mein Leben“, schreibt sie über das Kleid, das ihre Mutter aus weißem Tüll anlässlich eines Faschingsfests für sie nähte. „Ich war eine Prinzessin, eine Ballerina, eine Fee.“ Aus diesem Zauber ist später Anas Liebe zum Tanzen und Jazz Dance geworden und trotz einer schweren Diagnose geblieben. Ihr Leben als Teenagerin war mit urbaner Kultur verbunden, ihre Sommerferien verbrachte sie am Meer und auf der im Süden Kroatiens gelegenen Insel Zlarin, die sie immer mit einem Boot erreichte.

Wegen ihrer fortgeschrittenen Skoliose musste Ana ein Korsett tragen, das wie ein „mittelalterliches Foltergerät“ aussah. Nur am Strand war für sie das Leben erträglich, weil sie dort nicht „eingesperrt“ war. Sie hatte aber immer Hoffnung. Auch nach ihrer Operation und nach langer, schmerzhafter Rekonvaleszenz. Neben dieser Hoffnung findet man in ihrem Buch noch etwas anderes – ganz unauffällig steht dort, wo der Platz für Widmungen ist: „Mir.“

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 28.03.2012)


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