Diego Garcia: “Man muss ein bisschen deppat sein”

Diego Garcia © Maria Giulia Ascher

19.09.2011 | 9:00 | Maria Giulia Ascher

Wegen der Liebe verließ der uruguayische Schmuckhändler Diego Garcia seine Heimat in Richtung Alpenrepublik. Die Tradition des Kundhandwerks führt er nun in Österreich fort. 

Wien. In Süd und Lateinamerika gibt es eine lange Tradition des Schmuck Kunsthandwerkers. “Artesanos” nennt man sie. Sie reisen mit einem Rucksack auf dem Rücken quer durch die Länder und verkaufen an allen Ecken ihre kreativen Ketten, Ohrringe und Armbänder. Der 26- jährige Diego Garcia ist einer von ihnen, nur dass sein Schicksal ihn vor vier Jahren von Uruguay nach Österreich brachte. Der Grund: er hatte sich verliebt und kam mit seiner Frau nach Europa. Eine schöne fremde Frau ist oft ein Grund, warum Artesanos den Weg nach Europa bestreiten. “Wien ist eine der ruhigsten und sichersten Städte, die ich kenne”, sagt Garcia. Nur das Rindfleisch aus seiner Heimat und „manchmal die Ausgelassenheit“ fehlen ihm.

Österreich “keine Insel der Seeligen”

Bei aller Zufriedenheit mit dem Leben in Österreich, sei es aber „keine Insel der Seeligen“. Rassistische Erlebnisse sind dem Schmuckverkäufer nicht fremd, wenn sie auch nicht an der Tagesordnung stehen. Garcia: “Es passiert nicht oft, aber wenn es passiert dann ist es hässlich.” Dass er seinen selbst hergestellten Schmuck auf der Kärntnerstrasse nicht verkaufen dürfe, stört Garcia gewaltig. Denn das, meint Garcia, dürften nur “aktive “Künstler“, also jene, die etwas „performen“. Die Definition, was unter einem „aktiven Künstler“ zu verstehen ist, kann Garcia nicht nachvollziehen. “Was bin ich? Ich bin kein passiver Künstler.”

Garcias Arbeiten erfordern viel Geduld und Zeit, damit seine Schmuckstücke – wie der Künstler es nennt – so “magisch” bleiben, wie die Leute ihn schätzen. Auf Straßenfesten und Märkten verkauft er seinen selbstgemachten Schmuck. Doch das wissen die Menschen, die an seinem Stand vorbeigehen oft gar nicht. Damit die Leute stehen bleiben, hat Garcia in Österreich eine spezielle Taktik entwickelt: auffallen und die Menschen amüsieren. „Man muss immer ein bisschen deppat sein“, sagt Garcia. Vielleicht läuft es auf der Kärntnerstraße anders, aber auf dem Markt, sei es eben wichtig den Kasperl zu spielen – auf urugayisch oder wienerisch – ganz egal.


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