Margin Call – Die Filmchronologie einer Krise

Margin-Call-Movie

17.01.2012 | 12:16 | Hülya Tektas

AnalystInnen prophezeiten schon lange vor Beginn des Börsencrashs, welche Ausmaße Spekulationen annehmen würden. Ernst genommen wurde die Sache aber erst dann, als es zu einer globalen Wirtschaftskrise kam. Und Hollywood brauchte drei Jahre, um das Thema zu verarbeiten.

In seinem Kinofilm „Margin Call – Der große Crash“ zeigt Regisseur J. C. Chandor die letzen Stunden vor der Pleite einer großen Bank. Parallelen zum Sturz von Lehmann Brothers sind eindeutig. Mit der Kündigung von Eric Dale, einem wichtigen Investmentanalysten, erfahren nach und nach, abhängig von der Ranghöhe, die Manager einer Investmentbank, dass die Firma vor dem finanziellen Ruine steht – und die ganze Finanzwelt mit sich reißt. Mitten in der Nacht muss dann die wichtige und richtige Entscheidung getroffen werden, wie die Firma aus dieser Situation gerettet werden soll.

Geld- und Börsenmechanismus bleiben im Film virtuell, spekulativ, wenn es sein muss brutal, vor allem aber im Hintergrund. Laien, die das Funktionieren der Börsen noch nicht verstanden haben, erfahren auch in diesem Film nicht viel darüber. Vielmehr wird das Verhalten der Bankenmanager im Ernstfall thematisiert.

Gezeigt wird, wie die Entscheidungen in der Finanzwelt getroffen werden, nämlich ganz kühn und ohne soziale Verantwortung. Während der Vorstand sich mit minimalem Schaden aus der Affäre zieht, müssen sich mittlere und untere Managementebene mit der Frage quälen, ob sie dem Unternehmen treu bleiben und wertlose Aktien ohne Aufklärung weiterverkaufen sollen. Auch diese Menschen funktionieren wie die Systeme, in denen sie arbeiten. Sie sind nur eines der vielen Räder in einem Getriebe, das sich schon längt verselbständigt hat.

Selbst in so einer großen Krise mit weltweiter Auswirkung denken die ProtagonistInnen in erster Linie an ihren eigenen Job. Die Angst, den Job zu verlieren, auf das gute Geld verzichten zu müssen ist für jede/n zu groß. Dementsprechend wird gehandelt.

Jeder für sich

Interessanterweise werden sie von den gleichen Existenzängsten geplagt wie Millionen Arbeiter weltweit. Dennoch arbeitet jede/r für sich selbst. Bewusst nimmt der Regisseur von einer Kapitalismuskritik Abstand. Niemand wird verteufelt, es gibt aber auch keinen Hinweis auf die globalen Zusammenhänge, was aber auch nicht notwendig ist: wir leben ja schon bereits seit drei Jahren mit und in dieser Krise. Wie im echten Leben bleibt auch im Film die Wirtschaftkriminalität ein Kavaliersdelikt. Wütend werden kann man auf die ProtagonistInnen nicht, da sie ja „nur“ menschliche Schwächen zeigen, die wir alle selber kennen.

 

 

 


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