Vusa Mkhaya: „Ein Jodler mit afrikanischen Gewürzen“

Vusa Mkhaya - ©privat
Cover des Albums "Vocalism"
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05.11.2013 | 10:00 | simon INOU

Vusa Mkhaya nennt sich selbst einen „Cultural Activist“. Er ist Sänger, Mitbegründer von Mozuluart & Insingizi und wurde im Rahmen der Wiener Festwochen 2006 von den „Wiener Symphoniker“ begleitet. Im Interview mit M-MEDIA erzählt er von seiner Liebe zu Österreich, seiner neuen CD „Vocalism“ und wie man Schweinsbeuschel und afrikanische Gewürze musikalisch verbinden kann. 

M-MEDIA: Deine neue CD heißt „Vocalism“. Was wolltest Du damit sagen?

Vusa Mkhaya: Viele wissen es vielleicht nicht, aber die Stimme ist das allererste Musikinstrument überhaupt. Mit dieser CD zelebriere ich das Instrument namens Stimme.

In deinem Album gibt es nicht nur Musikstücke aus Simbabwe sondern auch aus Österreich und Ungarn. Ein Versuch in Deiner neuen Heimat Fuß zu fassen? 

Ja. Da ich hier in Österreich wohne war es sehr wichtig die Vocal Traditions meiner neuen Heimat auch näher zu betrachten.

Du zelebrierst Österreich und Simbabwe?

Ja, natürlich. Mit dieser CD feiere ich drei Dinge: Die Stimme als ultimatives Musikinstrument, die Stimmtraditionen Österreichs und zum Schluss das Zusammenkommen von Kulturen aus Simbabwe und Österreich, da beide Länder Teile von mir sind. Das ist eine Tatsache, die ich nicht leugne, sondern verkörpere.

Was gibt es Verbindendes zwischen Österreich und Simbabwe?

Viele Leute wissen nicht, dass Kärnten eine sehr reiche Stimmen-Tradition  besitzt. Viele Chöre in Klagenfurt singen genauso wie Chöre bei mir zuhause in Simbabwe. Natürlich ist die Sprache anders aber die Art zu Singen ist dieselbe. Die Harmonien im Gesang sind dieselben, nur mit kleinen Unterschieden.  Ich weiß nicht woher das kommt.

Vielleicht sind KärntnerInnen neue AfrikanerInnen oder umgekehrt?

(lacht) Jeder Mensch ist ein Afrikaner, da der allererste Mensch aus Afrika stammt. Oder vielleicht war ein Afrikaner in Kärnten und hat dort Musik gelehrt oder umgekehrt? Keine Ahnung, aber ich finde es wirklich faszinierend.

Ein gutes Lied auf Deiner CD heißt  Schweinsbeuschel…

Dieses Lied ist ein Jodler aus dem Gebiet um die Rax und das obere Piestingtal in Niederösterreich. Dieses Lied ist mein allererstes österreichisches Lied. Ich habe in Niederösterreich mit einem Chor gearbeitet und fand dieses Lied einfach wunderschön und habe beschlossen es aufzunehmen. Ich habe einen Weg gefunden, die österreichische Tradition dieses Liedes zu bewahren und gleichzeitig einige afrikanische musikalische Gewürze hinzugefügt ohne es zu verzerren. Das kann nur funktionieren wenn du mit Menschen arbeitest, die ihre Traditionen sehr gut kennen.

Mit dem Projekt Mozuluart, einer Verschmelzung traditioneller Zulu-Klänge mit klassischer Musik, vor allem Mozart-Kompositionen ist es genauso oder?

Ja, der klassische Pianist von Mozuluart Roland Guggenbichler lernt von uns viel von den afrikanischen Musikkompositionen – in diesem Fall die Musik aus Simbabwe -und Arrangements und wir lernen viel von ihm wie z.B. die Methodik der Europäischen Musik, die Noten. Aber wir verlieren uns nicht auf dem Weg. Wir versuchen die bestehenden Traditionen so authentisch wie möglich zu bewahren. Das ist eigentlich die Meisterleistung.

Was sind die wesentliche Unterschiede zwischen der Art in Simbabwe zu singen und in Österreich zu singen?

Im südlichen Afrika haben wir diesen Style namens „Call and Response“. Das gibt es in Österreich nicht.

Was bedeutet „Call and Response“?

Singen bei mir zuhause ist ein Dialog zwischen dem Singer und dem Chor. In Simbabwe singen wir immer in Beziehung zum Moment. Ein Lied kann den ganzen Tag lang unterschiedlich gesungen werden. Wichtig dabei sind immer die Gelegenheit und die Rahmenbedingung in denen das Lied interpretiert wird. In Österreich fokussiert man eher auf das was am Papier steht. In Europa diktieren die Noten am Papier. Manchmal kann es auch an Gefühl fehlen wenn man viel mehr mit dem Kopf singt. Das ist, meiner Meinung nach, der größte Unterschied.

Trotzdem können AfrikanerInnen von der europäischen Musik lernen…

Sogar sehr viel. Auch die Europäer können viel von unserer Musik lernen. In vielen afrikanischen Ländern wird die Musik nicht in Noten geschrieben. Wir musizieren einfach. Es wäre natürlich von Vorteil Musikstücke in Noten zu verschriftlichen, damit ein breiteres Publikum Zugang zur afrikanischen Musik bekommt. Das wäre der größte Dienst, den wir als afrikanische Künstler für unsere Musik tun können.

Hast Du damit schon Erfahrungen gemacht?

Jedes Mal wenn ich mit Chören arbeite bzw. in Workshops unterrichte, bin ich immer mit dieser Frage konfrontiert: „Wo finde ich die Noten dieses Stück, damit ich auch in deiner Abwesenheit auch weiter üben und singen kann.“

Was antwortest Du?

Dass es leider keine gibt. Und viele sind enttäuscht. Aber ich arbeite jetzt daran ein Buch diesbezüglich herauszugeben. Das Buch sollte nicht nur die Noten beinhalten sondern auch den geschichtlichen Kontext in dem das Lied entstanden ist. Das Buch wird genauso heißen wie die CD: Vocalism

Gibt es solche Bücher nicht schon?

Doch. Allerdings geschrieben von Ethnologen, die nicht immer ihr Bestes gegeben haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass einige Lieder aus dem südlichen Afrika leider von manchen Chören falsch gesungen werden. Ich war wirklich enttäuscht weil die Harmonien und die Texte falsch waren. Es gibt in diesem Bereich wirklich noch viel zu tun.


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