Nichtjuden reüssieren mit jüdischer Musik

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16.12.2009 | 16:43 | Ida Labudovic

Klezmer Reloaded: ein Pole und ein Russe in der Musikhauptstadt Wien.

WIEN. Maciej Golebiowski kommt aus Polen, Alexander Shevchenko aus Russland. Beide haben Musik studiert und beide sind vor zehn Jahren nach Österreich gekommen. „Für uns gibt es, um Musik zu spielen, keine bessere Stadt in Europa als Wien. Wir sind hier im Zentrum des Musiklebens“, sagt Golebiowski. „Wien ist groß und auch klein genug. Eine perfekte Mischung, wo man viel lernen und verschiedene Einflüsse treffen kann“, meint auch Shevchenko,

Sie haben einander beim traditionellen „Ensemble Klezmer Wien“ von Leon Pollak kennengelernt, dort ihre Grundlagen erhalten und begonnen, Klezmer zu spielen. Klezmer – das ist die Volksmusik der aschkenasischen, also der osteuropäischen Juden. Schon im Mittelalter wanderten jüdische Musiker, die „Klezmorim“, von Stadt zu Stadt und spielten bei jüdischen Festen.

Chopin „verklezmern“

Die Musik ist geprägt von „Schtetl“-Atmosphäre, Melancholie und Freude am Leben und hat die osteuropäischen Seelen von Shevchenko und Golebiowski geprägt: Seit mehr als einem Jahr gibt es „Klezmer Reloaded“. Dabei werden verschiedene Stile – Klassik, Tango, Jazz, Funk und Hip-Hop – mit Klezmermotiven gemischt. Im Sommer 2008 bekam die Gruppe die Einladung, an der Abschlussgala des „KlezMORE“-Festivals zu spielen – ihre Premiere in Wien. Mittlerweile sind ihre Konzerte ausverkauft. „Wir geben unsere Energie dem Publikum und wir bekommen das Doppelte zurück“, sagt Shevchenko. „Oft hören wir: Warum haben sie nicht mehr Zugaben gespielt?“ Bis jetzt hat die Gruppe mehrere Konzerte in Österreich, Polen und Russland gegeben. Auch Einladungen nach Argentinien und Toronto haben sie schon erhalten. Am 15.Jänner 2010 treten sie im Musikverein auf. Dabei dürfen die Zuhörer Überraschungen erwarten: „Wir werden im nächsten Jahr, dem Jubiläumsjahr von Chopin, diesen großen Komponisten ,verklezmern‘“.

http://www.klezmer-reloaded.com

(IDA LABUDOVIC, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 16.12.2009)


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