Parianismus: Der Fall der “Kriegskinder” in Vorarlberg

Buchcover-Parianismus

13.06.2012 | 10:32 | Ania Haar

“Parianismus” – Kinder schwarzer Soldaten in Vorarlberg und die Geschichte ihrer Diskriminierung.

Wien/Aha. Georg Fritz merkt schnell, dass er anders ist als andere Kinder. Als „Marokkanerkind“ in einem österreichischen Dorf der Nachkriegszeit hat er kein leichtes Leben. Als im Mai 1945 die französische Armee in Vorarlberg einmarschierte, wurde sie als Befreier begrüßt. Nur die Beziehungen zwischen einheimischen Frauen und französischen und marokkanischen Soldaten waren verdammt und tabuisiert.

Schwarze Kinder, auch „Kinder der Schande“ genannt, die aus diesen Beziehungen hervorgingen, wie Fritz, waren jahrelang stigmatisiert. Die „geerbte Sichtbarkeit von Vätern“ konnten sie nicht ablegen. Clément Mutombo, Soziologe an den Unis Wien und Innsbruck, lässt nun einige dieser „Kriegskinder“ erzählen – über ihre Kindheit, die Suche nach dem Vater und ihre Identität.

Den Begriff Rassismus hält der Autor für irreführend und schafft stattdessen einen Neologismus: Parianismus. Von Paria – Ausgestoßener. Ein Schwachpunkt des Buches: Durch die Ichform des Interviewers, der seine eigenen Person zu sehr ins Spielt bringt und persönliche Kommentare nicht scheut, kommt das Thema gelegentlich abhanden. Zwar vermag die Ichform Authentizität verleihen, bringt aber nichts an Gewicht, sondern irritiert beim Lesen. Dennoch eine durchaus wichtige Publikation.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 13.06.2012)


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