Soho in Ottakring: Fluchtlinien. Kunst und Trauma

Performance von Franz Hautzinger an der Trompete und Kazuko Kurosaki bei der gestrigen Ausstellungseröffnung - ©soho in Ottakring

18.05.2012 | 16:56 | Silvia Herburger

Es ist das Jahrhundert der Aufarbeitung von Traumata, sagt Kunsthistorikerin und Kuratorin Birgit Haehnel in der Eröffnungsrede der Fluchtlinien-Ausstellung.

In Rahmen des Kunst- und Stadtteilprojekt ‚Soho in Ottakring’ finden alle zwei Jahre im Mai verschiedene Veranstaltungen im  16. Bezirk statt. Dieses Jahr beschäftigt sich das Festival mit dem Thema ‚Unsicheres Terrain’. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im betroffenen Stadtteil beträgt 36 Prozent. Er hat eine Fläche von ca. 20 Hektar mit ungefähr 8 000 Bewohnern. Nun sollen die in den letzten Jahren erarbeiteten Inhalte auch in anderen Stadtteilen erprobt werden.

So wird im Rahmen dessen auch das Projekt ‚Fluchtlinien. Kunst und Trauma’ im 15. Wiener Gemeindebezirk umgesetzt. In der alten Schieberkammer im Meiselmarkt fand am 16. Mai die Eröffnung zu einer Ausstellung statt, die sich mit gesellschaftlichen Traumata wie dem Holocaust oder dem existenziellen Drama von Flüchtlingen beschäftigt. Es wird gezeigt, wie diese Themen heute in der Kunst verarbeitet werden. Den roten Faden bildet dabei das Motiv der ‚Fluchtlinien.’ Diese sollen Auswege zeigen und von schrecklichen Erinnerungen ablenken. Entwurzelungen werden so kompensiert und Hoffnungen aufgezeigt.

Jahrhundert der Traumata-Aufarbeitung

Zur Eröffnung der Ausstellung sind etwa 50 Menschen gekommen. Auf zwei Etagen kann der Besucher Filme, Bilder und Skulpturen betrachten. Verschiedene Künstler aus den unterschiedlichsten Ländern und Generationen haben sich aus ihrer Sicht mit dem Thema Flucht auseinandergesetzt. Trotz Widersprüchen soll so ein gemeinsames Erinnern und ein Dialog möglich werden. Geschichtstraumata werden zur zentralen Schnittstelle der Ausstellung. Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Birgit Haehnel bezeichnete in ihrer Eröffnungsrede das 20. Jahrhundert als Jahrhundert der Aufarbeitung von Traumata. Sie verwies außerdem auf die Unterschiedlichkeit von Erinnerungskulturen. Wurden etwa über den Untergang der Titanic zahlreiche Filme gedreht, beschäftigt sich die Öffentlichkeit kaum mit jenen Menschen die bei der Flucht aus Afrika auf dem Meer ihre Leben lassen. Wertigkeiten über die es sich lohnt nachzudenken. Kuratiert wurde die Ausstellung außerdem von der Journalistin Kerstin Kellermann, die auf die Themen Flucht und Migration spezialisiert ist.

Massenmord an den Roma

Marika Schmiedt beschäftigte sich im Rahmen der Ausstellung mit der Geschichte ihrer Familie. Daraus entstanden Filmdokumente, die sich mit dem Massenmord an den Roma beschäftigen. Außerdem werden Werke von Agnes Achola, Hansel Sato, Khaled Koshdel, Solomon Zimuto und anderen Künstlern gezeigt. Begeistert zeigten sich die Gäste von einer Performance von Franz Hautzinger an der Trompete und Kazuko Kurosaki, die sich ebenfalls mit dem Thema Flucht auseinandersetzte.

Große Bandbreite an Veranstaltungen

Soho in Ottakring  entstand 1999 aus einer Künstlerinitiative. Das Kunst- und Stadtteilprojekt erstreckt sich über das Brunnenviertel des 16. Wiener Gemeindebezirkes und findet alle zwei Jahre im Mai statt. Den Unterboden für manche Kunstprojekte bietet das Spannungsfeld zwischen den unterschiedlichen Bewohnern und Interessen des Gebietes auf dem Soho stattfindet. Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten reicht von Ausstellungen bis zu sozial- politisch engagierten Projekten.

Im Rahmen des diesjährigen Festivals werden von 12. bis 26. Mai 2012 über 50 Künstler ihre Arbeiten zum Thema ‚Unsicheres Terrain’ zeigen. Die Ausstellung in der alten Schieberkammer ist noch bis zum 25. Mai 2012 zu sehen. Begleitet wird sie von verschiedenen Rahmenveranstaltungen zum Thema Flucht und Trauma.

 


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