Von der Straße auf die Bühne, Choreograph Russell Adamson erzählt

russell adamson @russell adamson

06.08.2014 | 9:38 | Daniela Karina Krenn

Russell Adamson ist Tänzer, Lehrer und Choreograph. Zum 9. Mal ist er beim ImPulsTanz Festival in Wien dabei. Begonnen hat seine Karriere auf der Straße.

“Dieses Festival ist wie eine körperliche und gedankliche Weltbücherei. Von überall kommen Menschen um teilzunehmen, um mitzumachen, um sich weiter zu entwickeln. Man wird mit Eindrücken und neuen Ideen nur so überschüttet. Ich liebe es dabei zu sein.”, beschreibt Russell Adamson das Wiener Impulstanz Festival. Er unterrichtet zwei Wochen den Workshop “Urban Style”. Es ist eine Mischung aus House, Funk, Hip Hop und African Dance. Die Mischung machts, die Leute sollen einfach Spaß haben und all die verschiedenen Musikstile einmal ausprobieren können. “Es soll ein Club-Feeling entstehen, ganz ohne Druck. So tanzt man auch viel freier und lernt trotzdem etwas.”, sagt Russell.

Club-Feeling, so hat es auch bei Russell mit dem Tanzen angefangen. Oder sogar noch ein bisschen früher, als er sich mit seinen Brüdern, Cousins und Freunden immer im Covent Garden in London getroffen hat und getanzt. “Wir hatten immer so einen riesigen Ghetto Blaster dabei und Teppiche, um den harten Beton beim Breakdancen etwas abzufedern. Hier haben wir geübt und als wir alt genug waren, in Clubs zu gehen, haben wir eben dort getanzt.”, erzählt Russell. Viel Reggae, House und auch Funk haben sie meistens getanzt. “Street dance eben”, lacht Russell. “Wir sieben hatten als Tanzgruppe auch einen Namen: “Images”. In Clubs haben wir dann gegen andere Tänzer solo und auch als Gruppe getanzt und dabei haben wir einige Wettbewerbe gewonnen.” Es waren Wettbewerbe, wie man sie aus Filmen kennt. Ein großer Club, viele Tänzer, ein Kreis in der Mitte frei und eine jubelnde Menge um den Kreis. Im Kreis wird gegeneinander getanzt und bei wem am meisten geklatscht wird, hat gewonnen.

Bis ihn Janet Lister entdeckte. Sie besitzt eine Tanzschule und plante damals das Musical “Hello Dolly” neu zu inszenieren – mit Street Dance neben klassischen Ballett. Ob Russell und seine Gruppe da nicht mitmachen wollte? “Wir waren damals neugierig auf das Theater und wir wollten einfach gute Musik hören. Also waren wir dabei.” Was dann folgte? “Tanzen hat mich immer interessiert, aber beruflich tanzen konnte ich mir nicht vorstellen. Ich habe Mechaniker gelernt. Wir alle hatten schon Berufe gelernt. Aber nach “Hello Dolly” habe ich mir gedacht, ich probiere es.” Also hat Russell sich auf der “London contemporary dance school” beworben. Von Ballett hatte er keine Ahnung. “Ich habe bei der Vorstellungsrunde einfach eine Mischung aus Street Dance und Thai Chi vorgeführt.”

Und die Professoren sahen Potenzial. Er bekam ein Stipendium. Professionelle Tänzer fangen im Alter von 4 bis 5 Jahren zu tanzen an. Knapp 19 Jahre war Russell damals. Und von da an entwickelte der gebürtige Jamaicaner seinen Tanzstil weiter und weiter. “Ich holte von überall her meine Ideen, aus der Kunst, von der Oper, aus der Poesie.” In den letzten Jahren hat er als Performer und Choreograf u.a. für das National Ballet of Estonia, sowie für das Black Dance Festival in Wien (2002 & 2003) und der Estonia Art and Culture Gala Night in Tallinn (2004) gearbeitet.“Tanz ist eine ständige Weiterentwickung. Deswegen finde ich auch das Impulstanz Festival so einzigartig. Die Welt ist voller talentierte Menschen. Es ist ein Privileg dabei zu sein.”


Kommentieren Sie den Artikel





Weitere Artikel von Daniela Karina Krenn