„Mehr Messen für Migranten und Medien“

Richard Kernbeis bei der Medien.Messe.Migration - ©M-MEDIA

17.09.2008 | 0:48 | Omar Feroz

Vergangene Woche fand die erste Messe für Migranten und Medien statt – Eindrücke eines Besuchers.

Die Medien.Messe.Migration 2008 (11.–12.9., Uni Campus Altes AKH) war eine hochgradig erfolgreiche Veranstaltung: Diese Vielfalt an ethnischen Medien und Institutionen war selbst für Insider überraschend.

Unter den Messebesuchern waren neben Menschen mit Migrationshintergrund auch viele Gäste, die sich beruflich – unter anderem im Marketing, in der PR, im Journalismus oder auch auf wissenschaftlicher Ebene – mit dem Thema Migration und Medien beschäftigen. Die Breite der präsentierten hochqualitativen fremdsprachigen Medienangebote war beeindruckend.

Ein wesentlicher Bestandteil meiner Funktion als Geschäftsführer von eety besteht in der Auseinandersetzung mit zielgruppengerechten Kommunikationsmaßnahmen und der punktgenauen Ansprache von Menschen mit migrantischem Hintergrund. Ethnomarketing und ethnische Medien gehören daher zu meinem Alltag und ich konnte mich bereits von der guten Qualität überzeugen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Kommunikationsbranche sich noch zu wenig mit dem Thema Migration und Medien auseinandergesetzt hat. Die im Rahmen der Messe veranstaltete Medienfachtagung über MigrantInnen in der österreichischen Mediengesellschaft war der erste wichtige Schritt. Aufgezeigt wurden naturgemäß nicht nur Gemeinsamkeiten, sondern auch Diskussionspunkte. Aber: „Durchs Reden kommen die Leut’ zsamm“. Und so soll es auch sein. Reden ist ein wichtiger Faktor im Integrationsprozess – dadurch können Vorurteile abgebaut und neue Erkenntnisse geschaffen werden.

Der Diskurs, wie ethnische Communitys medial dargestellt werden können, verlief sehr emotional. Einig waren sich die Teilnehmer, dass es bei Ethnomarketing nicht in erster Linie darum geht, ethnische Communitys als Kunden zu gewinnen, sondern vielmehr, die ganze Vielfalt der österreichischen Bevölkerung medial zu präsentieren. Ein möglicher Ansatz kann daher lauten, alle Bevölkerungsgruppen in der Kommunikation abzudecken und anzusprechen.

Und solange sowohl die Werbung als auch die Medien die ethnische Vielfalt in Österreich nicht in ihr Angebot und ihre Ansprache integrieren, besteht die Gefahr, dass Migranten auch im täglichen Leben ausgeschlossen werden. Für die Zukunft heißt das, dass es weitere Veranstaltungen wie die Medien.Messe.Migration 2008 geben muss, die einen großen Teil zum interkulturellen Dialog beitragen.

Richard Kernbeis ist Geschäftsführer des Ethno-Mobilfunkanbieters eety Telecommunications.

(RICHARD KERNBEIS, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 17.09.2008)


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