Islam-Realityshow in den USA

Musliminnen (c) TLC
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28.07.2011 | 16:05 | Clara Akinyosoye

Wie Muslime leben – das soll ab November eine neue US-Reality-Show  zeigen. Ob die Sendung zu einem besseren Verständnis beitragen wird oder stereotype Darstellungen von Muslimen etwaige Vorurteile noch verstärken, bleibt abzuwarten. Der Sender, TLC verspricht jedenfalls einen sensiblen Umgang mit der Thematik.

Der amerikanische Privatfernsehsender TLC, dessen Programm fast ausschließlich aus Realityformaten besteht, will ab November dieses Jahres eine Show über das Leben muslimischer Familien in Michigan ausstrahlen. Schauplatz wird die Stadt Dearborn in der Nähe von Detroit sein, welche die höchste Konzentration muslimischer Bevölkerung in Amerika aufweist und in der auch die größte Moschee des Kontinents steht. Unter anderem sollen in der Sendung die gegensätzlichen Schwestern Shadia und Suehaila vorkommen, von denen eine die traditionelle Kopfbedeckung trägt, in der Community tätig ist und fünf Mal am Tag betet, während die andere eher offen ist, Piercings und Tattoos hat und einen irischen Katholiken heiratet, der sich entscheidet, zum Islam zu konvertieren. Ein anderes frisch verheiratetes Ehepaar, Nadar und Nawal, bekommen ihr erstes Kind und werden bei dem Spagat zwischen Islam, Tradition und moderner amerikanischer Kultur beobachtet. Außerdem folgt TLC dem muslimischen Sheriff Mike bei seiner Aufklärungstätigkeit über den Islam in verschiedene Reviere.

Sensibler Umgang

TLC verspricht einen sensiblen und gefühlvollen Umgang mit der Thematik, doch ob dies im Reality-Wunderland der Hochzeitsturbulenzen, hippen Tattoostudios, 19-fachen Mütter und Sarah Palin möglich ist, ist fraglich. Schließlich ist Reality-TV meist ein Vorführen mit Ausblick auf Sensation. TLC hält dagegen, dass viele Amerikaner durch diese Sendung einen Einblick in Lebenswelten erhalten werden, die ihnen sonst verschlossen bleiben und dass das Programm so auch zu gegenseitigem Verständnis beitragen kann.

Cosby Show oder Reality-Trash? 

Vergleiche mit den ersten schwarzen Sitcoms des amerikanischen Fernsehens werden laut, schließlich haben Formate wie die Cosby Show auch zur Änderung und Besserung der Einstellung gegenüber Afro-Amerikanern beigesteuert. Mehr muslimische Familien im Fernsehen könnten für gesellschaftliche Akzeptanz sorgen und das politische Klima entspannen. Dass der Islam und Moslems durch eben diese Show Einzug in die Mainstream-Medien und Kultur halten werden, ist aber nicht absehbar. Der Philosophie und den Standards von TLC nach zu urteilen ist nicht auszuschließen, dass All American Muslim weniger eine Cosby Show wird, dafür mehr in Richtung muslimisches Jersey Shore – einer umstrittenen Reality-Show über Italo-Amerikaner – tendieren wird.


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