Mein Almanca im TV: Sprachkurs, Satire und Sitcom

Türken beim Fernsehen © Milagros Flener

24.10.2012 | 13:29 | Amin Elfeshawi

Wien. Almanca – das steht in türkischer Sprache für „Deutsch“. Und im Fernsehen steht der Begriff seit einigen Tagen für eine sympathische und lockere Möglichkeit, Deutsch zu unterrichten. Vergangene Woche war die Premiere von „Mein Almanca“ auf ORF III. Und Moderatorin Ani Gülgün-Mayr zielt darauf ab, den Zuschauern Deutsch mit einer Portion Humor näherzubringen.

Der interkulturelle Alltag von türkischstämmigen Österreichern wird in der Sendung mit Humor dargestellt, aber genauso scherzhaft werden Missverständnisse und Unterschiede zwischen den Kulturen gezeigt. Die Moderatorin der Sendung sitzt an einem Schreibtischpult und erzeugt mit der dahinter befindlichen Tafel ein schulisches Flair. Nicht als strenge Lehrerin, sondern als nette Kommentatorin führt sie die Zuseher in die Szenen ein. Die Ansage erfolgt in Deutsch, türkische Untertitel sollen dabei helfen, das Sprachverständnis schrittweise zu erweitern.

Die Zuseher begleiten unter anderem Murat, einen türkischsprachigen Taxifahrer, der seine Frau in Kenntnis setzt, dass der Deutschkurs „Mein Almanca“ wöchentlich jeden Montag um 11 Uhr auf ORF III stattfindet. Um dem Klischee zu entsprechen, bereitet sie wiederum ihrem Mann eine Freude – sie bereitet ihm ein Börek zu. Das Klischee lebe hoch!

Interkulturelle Ausrutscher

In einer weiteren Episode führt Murat mit einem Fahrgast ein Gespräch auf Deutsch. Schließlich („Ich dachte, du wärst ein Araber!“) stellt sich heraus, dass er auch Türke ist. Schnell verfällt der Dialog ins Türkische – und die Moderatorin greift ein, schließlich handelt es sich ja um einen Deutschkurs.

Zur Darstellung interkultureller Ausrutscher wird das Zusammenleben des interkulturellen Pärchens Ludwig und Selma betrachtet. Ludwig betrachtet eine Hochzeit mit seiner Lebensgefährtin als überflüssig, da es sich dabei nur um sinnlosen Papierkram handle – doch seine Schwiegermutter wünscht sich genau das.

Selma will auf den Wunsch ihrer Familie Rücksicht nehmen – doch insgeheim ist ihr die Hochzeit gar nicht so wichtig. Im Verlauf des weiteren Gesprächs wird schließlich diskutiert, wer eher eine Parallelgesellschaft bei einer anstehenden Hochzeitsfeier bilden würde. Für Ludwig ist es die aus der Türkei angereiste Verwandtschaft. Selma sieht wiederum die Familienmitglieder ihres Mannes als von der Norm abweichend – weil die Eltern im Cottageviertel in Döbling wohnen.

Der unterhaltsame Deutschkurs läuft unter der Woche um 10.50 Uhr am Vormittag und um 19.35 Uhr im Vorabendprogramm auf ORF III. Im November wird er auch im Rahmen von „Heimat, fremde Heimat“ ausgestrahlt.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 24.10.2012)


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