ORF zeigt Muslime als Terrorgefahr

Moslems raus - Beschmierungen in Tirol - ©ATIB Schwaz

30.09.2011 | 15:59 | Amin Elfeshawi

Am 21. September berichtete die ZIB2 auf ORF 2 über das geplante „Anti-Terror“ Gesetz der Regierung. Als öffentlich-rechtlicher Fernsehkanal hat der ORF weniger kritisch als mehr propagandistisch fungiert.

Vermummte Männer im Hintergrund, betende Muslime am Boden kniend, Maskierte mit dem Gewehr im Anschlag. All das bekam man im ZIB2-Bericht zu Sehen. Berichtet wurde über das von der Bundesregierung geplante „Anti-Terror“ Gesetz, das höchst umstritten ist. Bei Weglassen der akustischen Berichterstattung würde ein Außenstehender mit dem gezeigten Bildmaterial Terrorismus ausschließlich mit  Muslimen assoziieren und in einem weiteren Schritt wahrscheinlich schlussfolgern, dass Muslime Terroristen seien. Die Botschaft kann in diesem Bericht nur eindeutig, wie eben beschrieben, interpretiert werden. Von Seriosität, Objektivität und kritischer Berichterstattung kann hier keinesfalls die Rede sein. Der öffentlich-rechtliche Fernsehkanal, der vom Steuerzahler finanziert wird, hat seine Ausrichtung neu zu hinterfragen.

Gefahr durch Muslime suggeriert

Die Objektivität und kritische Herangehensweise bei einer medialen Auseinandersetzung zu einem bestimmten Thema, sind heilige Gebote im Journalismus. Diese wurden mehr als nur grob missachtet. Vielmehr erinnerte dieser Bericht an die Systematik von diktatorischen Staaten. In Diktaturen hat das Fernsehen die Aufgabe die Propositionen des Staatsapparates zu legitimieren, zu untermauern und zu verbreiten, so erscheint es, dass der ORF in diesem Beitrag dasselbe getan hat. Das geplante „Anti-Terror“ Gesetz der Regierung wurde durch den ORF insofern verherrlicht und legitimiert, als den Zusehern eine Gefahr durch Muslime suggeriert wurde. Der Österreichische Rundfunk hat somit in diesem Fall nicht nur als Sprachrohr und Vermittler von Botschaften der Regierung agiert, sondern er hat sich genauso dem Vorwurf zu stellen, dass hier auf übelster Weise Stereotype produziert und weitergeführt worden sind. Muslime wurden österreichweit als potentielle Terrorgefahr dargestellt. Die Konsequenz aus dieser Verantwortungslosigkeit ist, dass das Teile des Fernsehpublikums, welche zu einem großen Teil den ORF als Hauptinformationsquelle für politische Geschehnisse hernehmen, diese Klischees mitunter unreflektiert aufnehmen. Und dadurch kann es zu negativen unbewussten Auswirkungen im Alltagsleben, als natürlich auch im Denken und somit im Interagieren mit Muslimen kommen.

Wenn der ORF ernsthaft als ein seriöses Medium wahrgenommen werden will, sollte er diesen mehr als nur zweifelhaften Bericht zum Anlass nehmen, sich selbstkritisch zu betrachten.


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