Wettbewerb: Fotos gegen Stereotypen

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24.02.2010 | 18:06 | Ilona Antal

M-MEDIA vergab den Preis für interkulturelle Pressefotografie.

Augen reden mächtiger als die Lippen. Dieses Zitat des deutschen Schriftstellers Gerhart Hauptmann gibt treffend wieder, wie menschliche Wahrnehmung funktioniert – und wurde auch zum geflügelten Wort bei der Schlussveranstaltung des Fotowettbewerbs „Lichtfarben“, der vergangenen Freitag im Presseclub Concordia abgehalten wurde. Integration, Vielfalt und interkultureller Dialog in der Gesellschaft standen im Mittelpunkt des von M-Media gestarteten Bewerbs.

Ziel war es, das Image der Migranten innerhalb von Mainstreammedien nachhaltig zu verändern. Frauen mit Kopftuch sind dafür das klassische Beispiel. Wenn es um Migranten geht, werden sie oft gezeigt und prägen damit das Bild einer gesamten Gruppe. Dadurch entstehen Stereotypen. Dass es so ist, ist die eine Sache, wichtig ist es aber auch zu beantworten, warum das so ist. Denn erst dann kann dieser Prozess unterbrochen werden.

„Bilder von Migranten sind oft sehr negativ. Das Schwierigste dabei ist es, sich von dieser Art des Abstempelns abwenden zu können und dagegen anzukämpfen“, sagt Simon Inou, Geschäftsführer von M-Media in seiner Eröffnungsrede. Dabei will er aber nicht von Problemen, sondern viel eher von Herausforderungen sprechen, auf die er sich freue.

89 Beiträge im Bewerb

Der Fotowettbewerb stellt eine Stufe dar, mit der diese Herausforderung bewältigt werden soll – mit anderen Blickweisen auf Migranten, die jenseits von Rollenzuschreibungen und Klischees angesiedelt sind. Insgesamt wurden für „Lichtfarben“ 89 Beiträge (unter anderem auch aus Deutschland und der Türkei) eingereicht, vier davon schafften es auf das Siegespodest in den Kategorie „professionelle Fotografie“, „Amateurfotografie“ und „Schüler“.

Die lebhaften Porträtfotos zweier Gewinner waren Schnappschüsse. „Es ist sehr selten zu sehen, dass ein Migrant trotz seiner vielen Probleme in der U Bahn mit einem Lächeln sitzen und musizieren kann“, beschrieb der iranische Kunststudent Saleh Rozati sein Foto aus der Kategorie „Amateur“. „Es gibt kaum spielende Mädchen auf den Straßen Ägyptens, die lächeln“, erzählte die 16-jährige Schülerin Sandy Abou El Regal, die ihr Bild in Ägypten zufällig schoss. Sie selbst sieht sich sowohl als Ägypterin als auch als Österreicherin.

Die erwähnten Probleme von Migranten in Österreich spiegeln sich in den Bildern der beiden Gewinner aus der Kategorie „Professionelle Fotografie“ wider. Lukas Beck gewann mit einem Foto aus seiner Reihe „Fußballkäfig international“ und Natalie Deewan mit drei Bildern aus ihrer Serie „Ehe ohne Grenzen“.

(ILONA ANTAL, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 24.02.2010)


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